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Stefan Pfaffenberger vor einer Grabungsfläche in Bamberg (Bilder: Lydia Hendel)

Referenten und Organisatoren der ISMANZ-Tagung

Lehre & Studium

Brunnen, Burgen und Begräbnisse

Studierende der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie tauschen sich aus

Die Abschlussarbeiten

Von archäologischen Funden und Methoden war in den Vorstellungen der Abschlussarbeiten die Rede. Chronologisch bekam man hier einen Einblick in aktuelle Forschungen über verschiedene Regionen Europas: Brunnen im Elsaß, eine Burg in Großpolen und Gräberfelder in Kärnten machten dem Namen ISMANZ alle Ehre. Vorträge zu Projekten auf bundesdeutschem Gebiet handelten unter anderem von einem Glasfensterfundkomplex in Lüneburg, von Stiftskurien in Paderborn und von Schlachtfelduntersuchungen in Brandenburg. Alexandra Rüdell aus Freiburg setzte anthropologische Methoden in der Archäologie auf den Prüfstand. Sie untersuchte in ihrer Magisterarbeit Möglichkeiten und Problemfelder von Lebensalterbestimmungen an Skeletten frühmittelalterlicher Gräberfelder. Nicht für seine Abschlussarbeit, aber für seinen Vortrag wählte Lukas Werther von der Universität Bamberg einen methodologischen Schwerpunkt. Er präsentierte sein Magisterprojekt zur Kirche St. Sigismund und der Flur Paint in Seußling anhand der von ihm durchgeführten interdisziplinären Untersuchungen. Seine weiteren Reflexionen zu Vorgehen und möglichen Interpretationsfallen gaben eine Vorstellung davon, was es bedeutet, ein solch komplexes Projekt selbstständig zu bearbeiten. Ebenfalls die Universität Bamberg vertretend, referierte Florian Preiß: Er wertet derzeit die vom Bamberger Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit durchgeführten Ausgrabungen einer Glas- und Knopfhütte am Ochsenkopf im Fichtelgebirge aus. Nach diesem regelrechten Vortragsmarathon konnten die Diskussionen bei Gegrilltem und einem Krug Bier im Innenhof des Hochzeithauses fortgeführt werden.

Vom Domberg zum Roten Ochsen

Einen Schmankerl des Kolloquiums stellte die Exkursion „Die Bamberger Altstadt aus archäologischer und bauforscherischer Sicht“ dar. Der Mittelalterarchäologe Stefan Pfaffenberger, M.A. und der Bauforscher Dipl. Ing. Tillmann Kohnert führten Bamberger und Gäste durch beziehungsweise über die Vergangenheit des Domplatzes, durch das Sandgebiet, über die Obere Brücke bis auf das Inselgebiet. Hier mutete der Maxplatz als ein trauriges Kapitel der Stadtgeschichte an – bis in die 1970er Jahre stand auf diesem die Martinskirche, welche für den Bau einer Tiefgarage so gut wie undokumentiert dem Boden gleich gemacht wurde. Wertvolle Informationen zur Entstehung der dortigen Siedlungen gingen damit für immer verloren. Erfreulich war dagegen die letzte Rundgangsstation. Das ehemalige Hotel Roter Ochse bot die Möglichkeit, mit einem Schritt Jahrhunderte zu überschreiten – in dem bis ins 20. Jahrhundert genutzten Haus stammt der hintere Teil aus dem Jahre 1309. Im Innenhof des Hotels Roter Ochse konnte Bambergs derzeitig einzig offene Grabungsfläche – eine neuzeitliche Latrine – bestaunt werden.

In Zukunft soll das Kolloquium eine feste Instanz der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie und regelmäßig durchgeführt werden. Ein begleitendes Programmheft zum diesjährigen ISMANZ mit Zusammenfassungen der Vorträge kann über ISMANZ@gmx.de erworben werden.