"Für eine starke Theologie in Bamberg": Klaus Bieberstein (Mitte) übergibt die Buttons an Friedhelm Marx (l.) und Godehard Ruppert (r.) (Bilder: Monica Fröhlich).

Dekan Bieberstein skizzierte in seiner Rede Vergangenheit und Zukunft der Katholischen Theologie in Bamberg.

Von links: Godehard Ruppert mit den Ehrendoktoren Daniel Krochmalnik, Angelika Neuwirth und Josef Wohlmuth sowie Klaus Bieberstein.

Freunde und Sympathisanten der Bamberger Theologie füllten die AULA bis auf den letzten Platz.

Lehre & Studium Wissenschaft & Praxis

„Sie anerkennen sich als gegenseitig sich anerkennend“

Festakt zur Eingliederung der Katholischen Theologie in die Fakultät GuK

Der 7. Juli 2009 – ein neues symbolisches Datum in der langen Geschichte der Katholische Theologie in Bamberg: In einem würdevollen Festakt nahmen Professoren, Ehrendoktoren und Studierende gemeinsam Abschied von der Fakultät Katholische Theologie (KTheo) und feierten zugleich einen Neuanfang: Denn die Katholische Theologie besteht als Institut in der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften (GuK) weiter.

„Die Katholische Theologie im Horizont der Geistes- und Kulturwissenschaften“ – unter diesem Titel beging die Fakultät KTheo am 7. Juli in einem Festakt die Umwandlung in ein Institut der Fakultät GuK. Vor den eigentlichen Feierlichkeiten am Abend fand eine Theologische Werkstatt statt, die hauptsächlich von der Fachschaft KTheo organisiert worden war und von den Fachschaftssprechern moderiert wurde. Hier bot sich Gelegenheit für Studierende der Theologie, mit drei Experten über interreligiösen Dialog und gemeinsame religiöse Praxis zu diskutieren. Prof. Dr. Angelika Neuwirth, Prof. Dr. Daniel Krochmalnik und Prof. Dr. Josef Wohlmuth stellten ihre Forschungsarbeit vor und sprachen darüber. Die Wissenschaftler bekamen im Rahmen des Festakts die Ehrendoktorwürde der Fakultät KTheo verlieren. Damit wurden die drei für ihre Verdienste um die Verständigung zwischen den Religionen ausgezeichnet. Ganz im Sinne des Hegelschen Ausspruchs „Sie anerkennen sich als gegenseitig sich anerkennend“.

1.000 Jahre Katholische Theologie in Bamberg

Hegels Satz kann man zugleich als Programm des Festabends sehen; so ging es nicht nur um die Verständigung unter den Religionen, sondern auch um eine fruchtbare Kommunikation zwischen den Mitgliedern der Fakultäten KTheo und GuK und damit auch der verschiedenen Wissenschaften. Bereits die Begrüßung durch Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert machte deutlich, dass es sich nicht um eine „sture Beerdigungsfeier, die keine Perspektive habe“ handle, sondern die Theologie in Bamberg weiterhin eine wichtige Konstante der Universität bleibe.

Dekan Prof. Dr. Klaus Bieberstein führte anschließend durch 1.000 Jahre Geschichte der Theologie in Bamberg und zeigte sowohl die Niederlagen als auch Errungenschaften der Theologie auf. Dass aus der katholisch-theologischen Fakultät Bambergs zweimal in der Geschichte Bambergs, nämlich 1773 und 1979, die Gründung einer Universität gelungen sei, zeige die Bedeutung dieser Disziplin. Und er blickt trotz des Verlustes des Fakultätsstatus optimistisch in die Zukunft: „In Bamberg wird ein starkes, gut ausgebautes Institut für Katholische Theologie mit sechs Lehrstühlen bleiben, an dem weiterhin alle Lehramtsstudiengänge studiert werden können.“

Darüber hinaus seien mehrere Bachelor- und Masterstudiengänge mit attraktiven Fachkombinationen wie Bildungsmanagement, Religion und Bildung oder Theologische Studien in Planung und im Aufbau. Hier kooperiere die Katholische Theologie mit fast allen anderen Fächern der Universität, etwa mit der Judaistik oder den Islamwissenschaften. „Außerdem stellen wir mit Freuden fest, dass die Zahl der Theologiestudierenden über alle Klippen der schwierigen Jahre hinweg nahezu konstant geblieben und seit Herbst 2003 nicht zurückgegangen, sondern sogar leicht gestiegen ist.“ Bieberstein betonte, dass die Entscheidung für ein Institut am 18. Juni 2006 einstimmig vom Fakultätsrat beschlossen und von Seiten der GuK ebenso einstimmig aufgenommen wurde.

Unterstützung des interreligiösen Dialogs

Einen weiteren Höhepunkt bildete die Verleihung der Ehrendoktorwürden mit Urkundenüberreichung an die oben genannten Professoren, womit die Bamberger Theologie den Trialog der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam unterstützt. Alle drei geehrten Professoren zeichnen sich durch besondere Verdienste im interreligiösen Dialog aus, so gilt die renommierte Islamwissenschaftlerin Neuwirth als „Brückenbauerin zwischen Ost und West“, so Laudatorin Prof. Dr. Mirjam Schambeck sf.

Der katholische Theologe Wohlmuth hat sich in besonderer Weise um den theologischen Dialog zwischen Christen und Juden verdient gemacht. Der mittlerweile emeritierte Professor leitet seit Mai 2004 die Bischöfliche Studienförderung Cusanus-Werk. „Er ist einer der profiliertesten Promotoren des christlich-jüdischen Dialogs aufseiten der katholischen Theologie“, betonte seine Laudatorin Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins. Das gegenseitige Verstehen von Juden und Christen bildet auch einen Schwerpunkt der Arbeit Krochmalniks, wie Prof. Dr. Johanna Rahner in ihrer Laudatio herausstellte. Der Professor für Jüdische Religionspädagogik an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg sei ein hervorragender Kenner des Beitrags der jüdischen Philosophie zur Geistes- und Kulturgeschichte Europas. 

„Für eine starke Theologie in Bamberg“

In seinen abschließenden Worten stellte der Dekan der Fakultät GuK, Prof. Dr. Friedhelm Marx, die möglichen Anknüpfungspunkte für zukünftige Forschungszwecke heraus und begrüßte die neuen Kolleginnen und Kollegen herzlich. Auch freue er sich auf viele „wechselseitige Entdeckungen und zwanglosen Austausch“.
 
Bieberstein überreichte schließlich sowohl Ruppert als auch Marx Buttons der Fachschaft mit dem Aufdruck „Für eine starke Theologie in Bamberg“. Die Anstecker stammen noch aus den Protesten im Herbst 2006, als Fakultät und Universität in einer gemeinsamen Kraftanstrengung erfolgreich für den Erhalt der Lehramtsausbildung gestritten hatten. Mit den Buttons forderte Bieberstein Präsident und Dekan sowie deren Nachfolger auf, sich den Einsatz für eine starke Bamberger Theologie auch weiterhin ans Revers zu heften.

Bildergalerie:

Weitere Bilder zum Festakt finden Sie unter www.uni-bamberg.de/ktheo/neues_aus_der_theologie/bilder_festakt/