Den Zuhörerinnen und Zuhörern wurden ein feierliches Zeremoniell und prägnante Laudationes geboten
Auch Franz Müntefering ehrte Frank-Jürgen Weise und hielt ein Plädoyer für eine „menschliche Globalisierung“
Lobte Weises Verdienste um das Gebiet Unternehmensführung und Controlling: Wolfgang Becker
„Die Freunde von Google können sich lang machen“
Begleitet von Laudationes prominenter Gäste erhielt der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, die Doktorwürde aufgrund herausragender Verdienste bei der Umgestaltung der BA und der Vernetzung der institutionellen und universitären Forschung.
Ehre, wem Ehre gebührt
Gründe für die Entscheidung des Fakultätsrates, dem Vorsitzenden des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit den Doktortitel zu verleihen, war, wie Schwarze hervorhob, Weises herausragende Rolle beim Aufbau einer forschungsorientierten Zusammenarbeit zwischen der Universität Bamberg und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im Rahmen dieser Kooperation setzen das IAB und die Universität Bamberg gemeinsam Forschungsbereichsleiter ein, die zugleich als Professoren in Bamberg lehren und forschen. Universitätspräsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert betonte, dass die Universität keineswegs großzügig mit Ehrenpromotionen umgehe, kommentierte Weises Verdienste in seiner Begrüßung mit den Worten: „Ehre gebührt dem, der der Wissenschaft Ehre gibt.“
Treibende Kraft für die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Weise und ebenfalls Laudator war Prof. Dr. Wolfgang Becker, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Unternehmensführung und Controlling. Er hob Weises Verdienste um das Gebiet der Unternehmensführung und
Controlling hervor.
Die weiteren Laudationes zur Ehre des Obristen der Reserve hielten prominente Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. So stellten Professor Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber von der WHU – Otto Beisheim School of Management und Dr. Dirk Notheis, Vorstand der Morgan Stanley Bank, die beispiellose Leistung Weises bei der Umgestaltung der Bundesagentur für Arbeit von der Behörde zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen in den Mittelpunkt. Dieses habe der frischgebackene Doktor durch die Einführung einer umfassenden Wirkungsanalyse und eines „beeindruckenden Controllingsystems“ erreicht, wie Weises langjähriger Freund und Kollege Prof. Jürgen Weber anmerkte. Im Gestus des Investmentbankers hob Dr. Dirk Notheis die Erfolge dieser Umstrukturierung anhand eines Vergleichs des Überschusses der BA mit Ergebnissen führender Wirtschaftsunternehmen hervor. Er zog dabei sein ganz persönliches Fazit: „Die Freunde von Google können sich lang machen!“
„Zur Sache!“
Eine ganz besondere Ehre für Weise und die Universität war die Festrede des ehemaligen Bundesministers und SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. In seiner Laudatio ging der Bundestagsabgeordnete auf den Wandel des Verhältnisses zwischen Bundesagentur und Bürger ein. Der Arbeitslose sei nun nicht mehr nur Bittsteller und Verwaltungsobjekt, sondern ein Kunde, der gute Betreuung und schnelle Vermittlung erwarten dürfe. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ein Anstreben von Vollbeschäftigung sei eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft, bei der der Bundesagentur und ihrem Vorsitzenden eine Schlüsselposition zukomme. Bei der Erfüllung dieser Aufgaben attestierte Franz Müntefering „Weise und seiner Truppe“ Leidenschaft und Ernsthaftigkeit.
Zum Ende seiner Festrede kommentierte der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Soziales eine Äußerung Dr. Notheis’ bezüglich seines Vergleichs von Hedgefonds mit „Heuschrecken“. Hierfür legte er sein Skript beiseite und sprach als Sozialpolitiker zum Auditorium. In einem leidenschaftlichen Plädoyer für eine „menschliche Globalisierung“ drückte er seine mangelnde Akzeptanz gegenüber der Systematik des internationalen Kapitalismus aus, in der er „keine Zwangsläufigkeit“ sehe. In der oftmals von Bankern aufgestellten Behauptung, dass Geld die Welt regiere, sieht Müntefering eine massive Gefährdung für die westlichen Demokratien. Der vollbesetzte Hörsaal quittierte seine Einschätzungen mit langanhaltendem Applaus.



