Der neue Ehrendoktor Dorst (r.) erhielt seine Ernennungsurkunde aus den Händen von Dekan Marx.

Bennewitz hielt die Laudatio auf Dorst.

Der Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters bot ein buntes Rahmenprogramm mit mittelalterlichen Musikstücken (Bilder: Sarah Eßler).

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„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Fakultät GuK verlieh Ehrendoktorwürde an Tankred Dorst

Eine große Ehre für die Fakultät und für Dr. h.c. Tankred Dorst: Am Donnerstag, 5. Februar, wurde dem Schriftsteller und Regisseur der Ehrendoktortitel verliehen – das erste Ehrendoktorat der neuen Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften (GuK). Eine gute Gelegenheit Dorsts Lebenswerk zu würdigen und in einem Porträt festzuhalten.

Es ging schon fast etwas Majestätisches von Tankred Dorst aus, wie er im Hörsaal 025/An der Universität 2 stand, leicht aufgestützt auf seinem Gehstock. Seine bloße Anwesenheit verlieh dem Raum eine gewisse Wärme und Würde. „Ja, so war das hier früher und so ist es eben heute“, sagte Dorst mit einem umschweifenden Blick durch den Raum. „Ich kam 1950 an die damalige Philosophisch-Theologische Hochschule Bamberg, um dort zwei Semester Germanistik und Kunstgeschichte zu studieren. Leider konnte man damals nicht mehr als zwei Semester hier studieren. Aber es war eine schöne Zeit. Ich habe hier meinen ersten Film gemacht, den ‚Mörder von Kotzebue’.“

Bunt aber feierlich

Dorst ist nicht nur durch seine aus Bamberg stammende Frau Ursula Ehler mit Franken verbunden, sondern auch, weil sich hier seine Leidenschaft für das Theater entwickelt hat. In dem  „Provinztheater Coburg“, wie Prof. Dr. Friedhelm Marx, Dekan der Fakultät GuK, in seiner Ansprache anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde am 5. Februar berichtete, fand Tankred Dorst den Zugang und die Verbundenheit zum Theater. Wie wichtig für Dorst das Theater geworden ist, zeigen seine zahlreichen Bühnenstücke und seine jüngste Arbeit in Bayreuth an der Oper „Ring des Nibelungen“.

Prof. Dr. Ingrid Bennewitz, Inhaberin des Lehrstuhls für Deutsche Philologie des Mittelalters, hob in ihrer Laudatio besonders die Vielseitigkeit des Autors hervor und die permanente Auseinandersetzung mit historischen und literarischen Formen, die in seinem Werk zu finden ist. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass das Rahmenprogramm der Verleihung aus einer bunten Mischung mittelalterlicher Musikstücke bestand. Treffend stellten sie Tankred Dorsts Vielfalt dar.

„Wir sind nicht die Ärzte, wir sind der Schmerz.“

„Ich wollte nie belehren mit meinen Stücken. Mein erstes Werk war eine Parabel, weil ich dachte es wäre damit möglich, das Verhältnis der Welt in eine geschlossene Form zu bringen. Heute muss ich sagen, bevorzuge ich die offenen Formen, wie auch das Theater: Egal was man tut, Literatur und Theater sind trotzdem nur Phantasie und keine Realität. Es gibt hier keine Heilung. Wir sind nicht die Ärzte, wir sind der Schmerz.“ Trotzdem musste Dorst zugestehen, dass eine Unterscheidung zwischen Phantasiewelt und Realität mitunter sehr schwierig sein kann, besonders für ihn selbst: „In meinem Fall ist es ohnehin eine enge Beziehung zwischen beiden Welten. Ich bin Autor, das ist mein Beruf. Manchmal ist es für mich sogar identisch. Man redet im Leben über Sachen und vielleicht ist das ja gerade der geniale Einfall für ein Stück.“ Und mit einem Lächeln fügte er hinzu: „Vielleicht aber auch nicht. Das ist eben nicht so leicht zu entscheiden, was sinnvoll ist und was nicht.“

In der Vergangenheit wurde Dorst oft als „Dokumentardramatiker“ dargestellt, da seine Stücke meist historisches Material aufweisen. Für Dorst aber eine ungerechtfertigte Bezeichnung: „Ich habe einfach ein paar Sachen die ich erzählen möchte. Ich interessiere mich vor allem auch für das Zeitgeschehen. Ich möchte etwas über das Menschenleben erzählen. Mehr nicht. Nach Brecht musste in jedem Stück eine Message stehen. Gutes und Schlechtes zu verurteilen oder abzubilden war nie in meinem Sinn.“

„Du bist tot und dein Publikum lacht!“

Wer sich einmal mit Dorst unterhalten hat, wird nicht mehr fragen wie er es schafft auch im Alter von 83 Jahren so produktiv zu sein. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, lacht er verschmitzt. So lange er etwas zu erzählen hat, wird er dies auch tun. Bei der Verleihung las Dorst aus seinem neuesten Bühnenstück, das er wieder mit seiner Frau zusammen geschrieben hat. Es handelt von einem hypochondrischen Schauspieler, der Molières „Der eingebildete Kranke“ spielen soll. So komisch diese Vorstellung bereits ist, Dorsts Absicht das Menschenleben abzubilden bleibt auch hier nicht außen vor: Erst als der Schauspieler die Anweisung „Du bist tot und dein Publikum lacht“ bekommt, versteht er, dass er sich aus der Gefangenschaft der Rollenzuweisung befreien muss. Eine Signatur, die viele der Stücke Dorsts tragen.

Es wäre vermessen zu versuchen Dorsts Werk in irgendeiner Weise zusammenzufassen oder einen bestimmten Punkt herauszugreifen, warum er prädestiniert für die Ehrendoktorwürde ist. Aber es kann festgehalten werden, dass Dorst ein außergewöhnlicher Schriftsteller und Literaturvermittler ist, der die Menschen auf seine ganz eigene und faszinierende Weise mitreißen kann.