Ein Roboter, der Tai Chi beherrscht: NAO. (Fotos: Kathrin Wimmer/Universität Bamberg)

Der Andrang war groß beim ersten Bamberger Informatik Tag.

Tor oder Eckball? Das ist die Frage bei dem studentischen Fußballprojekt.

Kleine Tüftler: Konzentriert beim Konstruieren und Programmieren.

Forschenden über die Schulter schauen

Erster Bamberger Informatik Tag an der Universität

Informatik und intelligente Systeme sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wie faszinierend, vielfältig und spannend Informatik sein kann, das konnten die rund 170 Gäste beim ersten Bamberger Informatik Tag feststellen. Die Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik (WIAI) lud dazu am vergangenen Freitag in das Universitätsgebäude auf der ERBA-Insel ein.

Er dreht sich und tanzt, beherrscht meisterlich Tai Chi und kennt neuerdings auch das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“: NAO, ein humanoider, also ein dem Menschen ähnlich sehender Roboter, mit dem Studierende von Prof. Dr. Ute Schmid arbeiten. Was so einfach und selbstverständlich aussieht, ist harte Programmierarbeit. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Kognitive Systeme initiierte ein studentisches Projekt, das auf die Verbesserung von Mensch-Roboter-Interaktion abzielte.

Mike Imhof und Christina Zeller haben beide beim Projekt mitgearbeitet und das Kinder-Suchspiel auf dem NAO programmiert. Der Roboter kann nun selber Fragen stellen, sich einen Gegenstand aus der Umgebung auswählen und reagiert mit Zustimmung oder Ablehnung auf Vorschläge, die ihm seine menschlichen Mitspieler nennen.

Eine Frage der Daten: Wann ist ein Tor ein Tor?

Doch nicht nur NAO erstaunte die Gäste beim Bamberger Informatik Tag. Nahezu alle 15 Professuren und Lehrstühle der Fakultät WIAI präsentierten ihre Forschungsprojekte in Vorträgen, Workshops oder in ihren geöffneten Laboren. So zeigte die Kulturinformatik unter Prof. Dr. Christoph Schlieder, wie man mit „GeoGames“ das Weltkulturerbe Bambergs spielerisch erkunden kann, indem der Aufenthaltsort und die Bewegungsspur des Nutzers ins Spiel integriert werden.

Auch Bamberger Professorinnen und Professoren der TechnologieAllianzOberfranken (TAO) waren vertreten. TAO ist ein Verbundprojekt der vier oberfränkischen Hochschulen, der Universitäten Bamberg und Bayreuth sowie der Hochschulen für angewandte Wissenschaften Coburg und Hof mit dem Ziel, bei Forschung, Lehr- und Studienangeboten sowie bei der Aus- und Weiterbildung noch enger zusammenzuarbeiten. Mit aktuell zwei Lehrstühlen und einer Juniorprofessur leistet die Fakultät WIAI den größten Beitrag von Bamberger Seite aus. Der Informatiklehrstuhl von Prof. Dr. Daniela Nicklas mit dem Schwerpunkt Mobile Software Systeme/Mobilität wurde beispielsweise eigens eingerichtet und wird aus den Mitteln von TAO finanziert.

Nicklas und ihre Studierenden stellten beim Bamberger Informatik Tag ein studentisches Fußballprojekt vor, bei welchem der Ball und die Schienbeinschoner von Fußballerspielern aus Nürnberg mit Sensoren ausgestattet wurden. Die Studentinnen Dea Svoboda und Barbora Hrdá stellten fest: „Es ist extrem schwierig, anhand der Zahlen und Daten zu herauszulesen, ob tatsächlich ein Tor gefallen ist oder ob es sich um einen Eckball handelt.“

Nicklas ist zufrieden: „Das Lernziel ist erfüllt. Ich wollte zeigen, wie leicht es manchmal für das menschliche Auge sein kann, einen Tatbestand zu erkennen – und wie kompliziert es dann sein kann, die dazugehörigen Daten auszuwerten. Oft ist aber auch der Computer dem Menschen überlegen.“

Informatik hilft beim Wasser sparen und Wege finden

Professor Dr. Thorsten Staake, ebenfalls TAO-Professor und Lehrstuhlinhaber für Energieeffiziente Systeme, erklärte in seinem Vortrag, welche Anreize es braucht, um die Gesellschaft zum Energiesparen anzuhalten. Es geht ihm darum, den Warmwasserverbrauch – einen der schlimmsten Energiefresser im Haushalt – zu drosseln. Eine Verbrauchsanzeige, die direkt an den Duschschlauch angeschlossen wird und den schrumpfenden Lebensraum von Eisbären andeutet, schafft Abhilfe.

Das offene Labor von Prof. Dr. Diedrich Wolter, Lehrstuhlinhaber für Smart Environments und TAO-Professor, zeigte die Abschlussarbeit des Bachelor-Studenten Martin Polster. Dieser verbesserte eine App, mit deren Hilfe man sich in Kaufhäusern gezielt orientieren und Wege finden kann.

Ausgebucht: Workshops für Schülerinnen und Schüler

Um Orientierung im Raum ging es auch für zahlreiche Schülerinnen und Schüler von 10-14 Jahren, die den Workshop „Robot Run“ besuchten. Die drei Workshops für Schülerinnen und Schüler waren restlos ausgebucht und auch die Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer von Prof. Dr. Andreas Henrich vom Lehrstuhl für Medieninformatik kam gut an.

„Die Nachfrage war so groß, dass wir schließlich nahezu doppelt so viele Workshop-Plätze angeboten haben, wie ursprünglich geplant“, berichtet der Dekan der Fakultät WIAI, Prof. Dr. Gerald Lüttgen, der selbst einen Vortrag über die Alltagsrisiken von Computern hielt.

Er zeigte sich zufrieden mit dem großen Erfolg des ersten Informatik Tages: „Wir wollten aktuelle Informatikthemen zeigen, Kindern und Jugendlichen mit Workshops helfen, ihre Neigungen zu entdecken, Studieninteressierte informieren und die gute Nachbarschaft leben, indem wir den neuen Universitätsstandort auf der ERBA-Insel öffnen und besonders auch die Gaustädter ansprechen.“

Auch die Fachstudienberater Mirko Fetter und Oliver Posegga waren zufrieden. „Es kamen ganz unterschiedliche Personengruppen auf uns zu: Eltern mit Kindern, Schülerinnen und Schüler und solche, die kurz vor ihrem Studienantritt stehen.“

Die Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik (WIAI)

Die Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik (WIAI) wurde zum 1.10.2011 eingerichtet, besteht mittlerweile aus 15 Lehrstühlen und Professuren, hat über 1150 Studierende und besitzt einen im deutschsprachigen Raum bislang einmaligen interdisziplinären Zuschnitt: Sie verbindet die auf den Wirtschaftswissenschaften und der Informatik aufbauende Wirtschaftsinformatik mit kultur- und humanwissenschaftlich ausgerichteten Angewandten Informatiken sowie klassischen Fachgebieten der Theoretischen und Praktischen Informatik.

Synergien mit den geistes- und kulturwissenschaftlichen, den humanwissenschaftlichen sowie den sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkten der Universität Bamberg schlagen sich in integrativen Studienangeboten und gemeinsamen Forschungsprojekten nieder.

Die TechnologieAllianzOberfranken (TAO)

In der TechnologieAllianzOberfranken (TAO) arbeiten die vier oberfränkischen Hochschulen, die Universitäten Bamberg und Bayreuth sowie die Hochschulen für angewandte Wissenschaften Coburg und Hof zusammen.

Ihr Ziel ist es, Oberfranken als Wissenschaftsstandort weiter auszubauen. Die Schwerpunkte der Kooperation liegen in den Bereichen Energie, Mobilität und Gesundheit. Hier sichert TAO den Transfer von aktuellen Forschungsergebnissen in die regionale Wirtschaft, unterstützt die Unternehmen bei der Lösung technologischer Herausforderungen, berät im Hinblick auf die Forschungsförderung und entwickelt spezifische Angebote zur Weiterbildung.

Im Bereich des Studiums stehen die Entwicklung hochschulübergreifender Lehr- und Studienangebote sowie kooperative Promotionen im Vordergrund. TAO wird aus Mitteln des Freistaates Bayern gefördert.

Hinweis

Diesen Text verfasste Kathrin Wimmer für die Pressestelle der Universität Bamberg. Er steht Journalistinnen und Journalisten zur freien Verfügung.

Bei Fragen oder Bilderwünschen kontaktieren Sie die Pressestelle bitte unter der Mailadresse medien(at)uni-bamberg.de oder Tel: 0951-863 1023.