Gudrun Schell und Britta Ziegler (v.l.) bei der Arbeit

Die Ofenkachel zeigt das Wappen des fränkischen Adelsgeschlechts Seckendorf.

Die fränkische Spornburg Lisberg von ihrer schönsten Seite.

Wenn Archäologie zum Hobby wird

Archäologische Akademie bietet Seminare nicht nur für Studierende

Welche Geschichten wohl hinter den historischen Scherben stecken? Dieser Frage gingen die Teilnehmenden eines Workshops nach, dessen Kerninhalt die Inventarisierung von Fundstücken der Burg Lisberg darstellte. Der Kurs wurde von der Archäologischen Akademie angeboten, die Studierenden und Ehrenamtlichen gemeinsames Forschen ermöglicht.

Mit konzentriertem Blick und viel Sorgfalt widmet sich Gudrun Schell dem Abzeichnen der vor ihr liegenden Keramikscherbe. Die Bambergerin hat schon lange ein ausgeprägtes Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen und kulturellen Entwicklungen und verrät, dass sie einst sogar mit dem Gedanken an ein Archäologiestudium spielte. „Stattdessen nehme ich nun an diesem Kurs teil“, erläutert sie lächelnd. Wenn Schell dabei von „diesem Kurs“ redet, bezieht sie sich auf einen zweiwöchigen Workshop, in dessen Rahmen sie gemeinsam mit sieben weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern verschiedene Fundstücke der fränkischen Burg Lisberg inventarisierte. Der Kurs fand im Februar statt und ist Teil des Veranstaltungsprogramms der Archäologischen Akademie an der Universität Bamberg, deren Angebot sich gleichermaßen an Schülerinnen und Schüler, Studierende und interessierte Ehrenamtliche richtet.

Unter der Leitung von Britta Ziegler, die seit 2005 als Ausgrabungsingenieurin und Dozentin am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit lehrt, wurden die vielfältigen Funde von den Teilnehmenden gewissenhaft gereinigt, restauriert, abgezeichnet, mit Nummern versehen und fotografiert. „Bei den dokumentierten Stücken handelt es sich vor allem um Gefäßkeramik und Kochgeschirr, aber auch diverse tierische Knochenfunde gewähren Einblicke in die Essgewohnheiten früherer Generationen“, erörtert Ziegler, während ihr Blick über das Meer an Scherben wandert.

Funde als Zeugen vergangener Zeiten

Die im Landkreis Bamberg liegende Burg Lisberg gehört zu den ältesten und am besten erhaltenen Burgen im fränkischen Umland und weist durch häufig wechselnde Eigentümer eine abwechslungsreiche Geschichte auf. Im Jahre 1968 erwarben Hans und Evelin Fischer die Burg von den Grafen von Castell und sanierten diese daraufhin engagiert von Grund auf. Im Laufe der Instandsetzungen wurde das umfangreiche Fundmaterial geborgen, welches den verschiedensten Perioden vom Mittelalter bis zur Neuzeit entstammt und nun zum Forschungsgegenstand des Workshops wurde.

Die zeitliche Einordnung der Funde in die Burggeschichte gehörte dabei ebenso zu den Aufgaben der Teilnehmenden, da die inhaltliche Aussagekraft der Stücke auf diese Weise stark gesteigert wird. So konnte beispielsweise eine Ofenkachel identifiziert werden, die das Wappen des fränkischen Adelsgeschlechts Seckendorf abbildet und die bestehende Vermutung verstärkt, dass im Jahre 1501 eine gewisse Anna von Seckendorf zur zweiten Ehefrau des Fabian von Lisberg wurde.

Brücke zwischen Ehrenamtlichen und Studierenden schlagen

Auch Sünje Wilke hilft im Rahmen des Workshops bei der Inventarisierung der Funde. Selbst für die praxiserprobte Studentin der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit stellt die Zusammensetzung der verschiedenen Glasscherben noch eine kleine Geduldsprobe dar; den besonderen Reiz macht für sie aber die gemeinsame Arbeit von freiwillig Helfenden und Studierenden an einem Forschungsprojekt aus. Was nicht weiter verwunderlich ist – immerhin wird ehrenamtliches Engagement in der Archäologie nicht nur seit langem praktiziert, es gewinnt auch noch stetig an Bedeutung. Wodurch der Fokus verstärkt auf gute Öffentlichkeitsarbeit gelenkt wird: „Für unsere Studierenden wird es zunehmend wichtiger, bereits während des Studiums Erfahrungen im Umgang mit Ehrenamtlichen zu sammeln“, erläutert Ziegler.

Mit der Archäologischen Akademie liefert der Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg nun einen Praxisvorschlag für die Einbindung von interessierten Amateurinnen und Amateuren in laufende Forschungsprojekte. Seit letztem Jahr bietet sie verschiedene Veranstaltungen an, die Hobby-Archäologen und Studierenden gemeinschaftliches Forschen ermöglichen. Zum zweiten mal in Folge wird dieses Jahr auch die Archäologische Sommerakademie stattfinden, die den Teilnehmenden Spannendes über Denkmalschutz sowie Grundkenntnisse im Umgang mit archäologischem Fundmaterial vermittelt. Vorwissen wird für die Teilnahme an den Kursen dabei nicht vorausgesetzt; Wert gelegt wird stattdessen „auf Neugierde und die Bereitschaft, Neues zu lernen“, so Ziegler.

Hinweis

Diesen Pressetext verfasste Antje Jaschik für die Pressestelle der Universität Bamberg. Er kann für redaktionelle Zwecke verwendet werden.

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