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Berufsanfänger sind besonders gefährdet, an Depressionen zu erkranken. (Bild: Ysangkok/Wikimedia/Gemeinfrei)

Die beiden Initiatorinnen von „Universitäre Aufklärung Depression“, Stefanie Scholz (li.) und Svenja Niescken. (Bild: Sandra Reinfurt)

Ein Ausschnitt aus der Projektskizze. (Bild: Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing)

Lehre & Studium

Berufsanfänger vor Depressionen schützen

Projekt „Universitäre Aufklärung Depression“ gewinnt Gesundheits-Wettbewerb

Die Freude am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing, ist groß: Das Team der Universität Bamberg gehört mit seiner Projektidee „Universitäre Aufklärung Depression“ zu den 15 besten im Wettbewerb „Was macht gesund?“, der im Wissenschaftsjahr 2011 „Forschung für unsere Gesundheit“ bundesweit ausgeschrieben worden war. Jeder Gewinner erhält vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Fördersumme von 10.000 Euro. Der Antrag für „Universitäre Aufklärung Depression“ wurde von den Universitäten Bamberg und Leipzig gemeinsam gestellt. Die beiden Antragstellerinnen Stefanie Scholz vom Bamberger Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing, und Svenja Niescken, Mitarbeiterin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe in Leipzig, beschäftigen sich im Zuge ihrer Promotion mit dem Thema Gesundheit. Dank der Fördersumme können die beiden Antragsstellerinnen nun mit der praktischen Umsetzung ihres Konzepts beginnen.

Schwellen abbauen

„Universitäre Aufklärung Depression“ ist ein Projekt von Studierenden für Studierende. Es richtet sich zunächst an BWL-Studierende und strebt an, sie zu schulen und dadurch fit für den Arbeitsmarkt zu machen: Im Vordergrund stehen Maßnahmen, die die psychische Gesundheit von Berufsanfängern stärken und helfen können, Depressionen zu vermeiden. Weiterhin finden sich im Konzept Anregungen für einen offenen Umgang mit Depressionen und psychische Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz.

Praktisch sieht das so aus: Das Bamberger Team schult fünf Studierende der Betriebswirtschaftslehre im Umgang mit Depressionen. Diese geschulten Tutoren stehen dann als Ansprechpartner zur Verfügung und gehen zugleich als Aufklärer auf die Kommilitonen zu. „Studierende sind als Tutoren am besten geeignet“, erklärt Stefanie Scholz, „denn Gespräche mit Kommilitonen sind unverbindlicher als das Aufsuchen spezieller Beratungsstellen und finden auf gleicher Ebene statt. Svenja Niescken erklärt dazu weiter: „Je niedrigschwelliger die Informationsvermittlung oder Beratung von Depressionen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Studierenden die Hilfestellung annehmen“. Für manche Betroffene bietet der anonyme Kontakt die geringste Schwelle. Deshalb wird neben menschlichen Anlaufstellen auch ein onlinebasiertes Lernmodule eingerichtet, auf denen sich Studierende über Depressionen informieren können.

Pilotprojekt in den Betriebswirtschaften

Das Projekt wird zuerst in den betriebswirtschaftlichen Studiengängen durchgeführt. Doch später sollen auch Studierende aus anderen Studiengängen davon profitieren. „Es kann als ein Pilotprojekt gesehen werden, indem weitere Studiengänge hinzukommen sollen“, meint Svenja Niescken. Der Grund dafür, die Studenten entsprechend zu schulen, liegt für die Initiatorinnen auf der Hand: „Berufsanfänger weisen die höchste Rate an depressiven Neuerkrankungen auf“, meint Stefanie Scholz. In diesem Zusammenhang sei die Prävention bei den Studierenden der Betriebswirtschaftslehre besonders notwendig. „Das liegt zum einen daran, dass die Berufseinsteiger mehreren Ansprüchen gerecht werden wollen und müssen, zum anderen an dem Leistungsanspruch an sich selbst“, erklärt die Promovendin. Das Selbstbild der Betriebswirtschaftlerinnen und Betriebswirtschaftler werde typischerweise schon während des Studiums durch sehr hohe Leistungsanforderungen geformt.

Konkrete Planungsphase im Sommer

Die 15 Gewinnerteams müssen ihre Ideen bis zum Jahresende in die Praxis umsetzen. Deshalb sind die beiden Wissenschaftlerinnen schon in der konkreten Planungsphase. Im Mai sollen die Tutoren geschult und eine Evaluation unter den Studierenden durchgeführt werden. Das ganze Sommersemester und das halbe Wintersemester lang laufen Veranstaltungen und Programme zur Depressionsaufklärung. Am Ende des Jahres soll wieder eine Befragung stattfinden. Deren Ergebnisse werden mit denen der ersten Umfrage verglichen. Daran kann das Team erkennen, wie erfolgreich die Maßnahmen waren.