Was verstehen die Mitglieder der Universität unter Nachhaltigkeit?

Systematische Bestandsaufnahme zum Status Quo im WS 2018/19

Was verstehen die Mitglieder der Universität unter Nachhaltigkeit? Welche Beispiele und Projekte gibt es bereits in diesem Handlungsfeld? Im Wintersemester 2018/19 hat die Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit eine Befragung zu Nachhaltigkeitsaspekten unter Studierenden, Mitarbeitenden und Professuren durchgeführt. Hier finden Sie (1) die Kernergebnisse dieser Umfrage sowie (2) erste Handlungsvorschläge. Sie wurden von der Arbeitsgruppe Umfrage (Prof. Dr. Björn Ivens, Prof. Dr. Stefan Hörmann, Fiona Knieling) in Abstimmung mit der Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit erarbeitet.

Zur Umsetzung einzelner Ziele hat die Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit eine neue Arbeitsstruktur gebildet, die für Interessierte und Engagierte offen ist.

Eine detaillierte Auswertung sowie Angaben zu Vorgehensweise und Teilnehmenden finden sich in einem ausführlichen Bericht(293.5 KB).

1.    Kernergebnisse

•    Nachhaltigkeitsverständnis an der Universität

Die Befragung ergab, dass die Teilnehmenden ein sehr heterogenes Verständnis von Nachhaltigkeit haben. Die von Teilnehmenden angeführten Aspekte spiegeln in Summe viele der in üblichen Nachhaltigkeitsdefinitionen enthaltenen Kernelemente wider. Zentrale Themenfelder betreffen die Bereiche Ressourcen und Umweltschutz (wie z.B. Müllvermeidung, Recycling), soziale Gerechtigkeit sowie zukunftsorientiertes und reflektier-tes Handeln (z.B. neue Formen der Mobilität).

•    Existente Lehr- und Informationsveranstaltungen, Forschung der Professuren

Die Befragung der Studierenden und der Professuren wurde separat ausgewertet. Das Ergebnis zeigt zunächst, dass Studierende eine sehr viel höhere Zahl an Lehrveranstaltungen als nachhaltigkeitsorientiert wahrnehmen als die Professuren.
Die Professuren haben grundsätzlich Interesse an Nachhaltigkeit als wissenschaftlicher Thematik. Es gibt auch einzelne Forschungsprojekte, die sich mit Fragen der Nachhaltigkeit befassen. Aber größere (z.B. interdisziplinäre oder -fakultäre) Forschungsprogramme oder ein verbreitetes Interesse an Nachhaltigkeit ist aktuell nicht zu beobachten.

•    Förderung der Befassung der Angehörigen der Universität mit Nachhaltigkeit

Die Teilnehmenden empfinden, dass bislang seitens der Universität weder substantiell Maßnahmen zur Motivation für nachhaltiges Verhalten noch zur Information bezüglich Fragen der Nachhaltigkeit angeboten wurden. Dabei existieren teils vergleichbare, teils divergierende Meinungen zwischen den Teilnehmergruppen (z.B. hinsichtlich der Frage, ob Anreize bestehen, sich in der Lehre oder seitens der Studierenden mit Nachhaltigkeit zu befassen).

Es ist offensichtlich, dass Raum für die Schaffung zusätzlicher Angebote besteht, u.a. in den Bereichen Motivation, Anreizsysteme, aber auch Informationsveranstaltungen, Foren zum Austausch.

•    Nachhaltigkeitsmanagement der Uni

Bislang besteht unter den Teilnehmenden die Wahrnehmung, dass seitens der Universität weder umfassende Ziele noch eine holistische Strategie vorhanden sind. Mehrere konkrete Bereiche werden kritisch betrachtet (Recycling, Beschaffung etc.). Eine etwas positivere Einschätzung existiert lediglich bzgl. Teilaspekten, wie etwa der Mobilität oder der Arbeit gegen Diskriminierung. Bei letzterem Aspekt ist die Einschätzung vermutlich themenspezifisch getrieben (Umgang mit Behinderten, Familien, Menschen mit Migrationshintergrund).

 

2.    Handlungsvorschläge

Welche Handlungsfelder lassen sich für die künftige Nachhaltigkeitsarbeit der Universität nun definieren?

•    Arbeit am Nachhaltigkeitsverständnis der Universität

Seitens der Universität müsste ein einheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit für das eigene Wirken formuliert werden, dieses dann publik gemacht und gezielt an einschlägige Interessensgruppen herangetragen werden.
Dabei könnten einzelne Aspekte bewusst in den Vordergrund gestellt werden, insbesondere Themen der ökologischen Nachhaltigkeit. Die Universität hat ja bereits im Bereich der sozialen Belange eine gewisse Zahl an Initiativen entwickelt. Den Teilnehmenden scheinen aber gerade auch ökologische Themen sehr viel zu bedeuten. Hier ist auf den ersten Blick bislang seitens der Universität auch weniger Aktivität entwickelt worden. Daher wäre es gerechtfertigt, den Fokus stärker auf ökologische Felder zu richten und dies im Rahmen der Kommunikation des universitären Nachhaltigkeitsverständnisses herauszustellen.
Insgesamt sollte die Universität sich eine Nachhaltigkeitsstrategie geben, in der das Verständnis der Universität, die langfristige Vision sowie die konkreten zentralen Nachhaltigkeitsziele formuliert werden.

•    Lehre und Forschung

Es wäre wünschenswert, eine systematische Bestandsaufnahme der nachhaltigkeits-relevanten Lehrveranstaltungen und Forschungsaktivitäten an der Universität vorzunehmen. Hierzu wäre es jedoch zunächst erforderlich, klare Kriterien zu formulieren, ab wann eine LV oder Forschungsaktivität als nachhaltigkeitsorientiert gilt. Die Divergenz in der Wahrnehmung von Studierenden und Professuren, welche LV und Forschungsarbeiten aktuell Nachhaltigkeit behandeln, unterstreicht diese Notwendigkeit. Die Bestandsaufnahme sollte dann also vor dem Hintergrund des von der Universität entwickelten Nachhaltigkeitsverständnisses geschehen.
Dies alleine wird nicht hinreichend sein, bildet aber einen wichtigen ersten Schritt. Die Koordination hierfür könnte der VP Lehre in Verbindung mit der AG Nachhaltigkeit übernehmen. Hierauf aufbauend könnten dann z.B. LV mit Nachhaltigkeitsbezug durch ein spezielles Symbol im Univis gekennzeichnet werden, so dass interessierte Studierende sich ein entsprechendes Programm zusammenstellen könnten. Perspektivisch wäre denkbar, dass solche Angebote dann in sinnvoller Weise zu einem fakultätsübergreifenden Studiengang gebündelt werden. Kurzfristig könnte man Studierenden, die eine bestimmte Zahl an mit dem Nachhaltigkeitssymbol gekennzeichneten LV belegt haben, ein Diploma-Supplement ausstellen. Ein weiterer Schritt könnte sein, Abschlussarbeiten mit Nachhaltigkeitsfokus besonders hervorzuheben.
Zugleich könnte die VP Forschung in Verbindung mit der AG Nachhaltigkeit die Koordination für eine Bestandsaufnahme aktueller (und ggf. auch bereits abgeschlossener) Forschungsprojekte aus dem Bereich Nachhaltigkeit übernehmen. Zudem sollte die Möglichkeit systematisch aufgegriffen werden, Fördermöglichkeiten für Nachhaltigkeitsforschung zu nutzen bzw. diese den Forschenden bekannt zu machen. Denkbar wäre, dass die UL bei Neuberufungen aktiv kommuniziert, dass die Universität Nachhaltigkeitsforschung schätzt.

•    Kooperation

Es wäre wünschenswert, für die Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen eine engere Zusammenarbeit der Universität mit den wichtigsten Wertschöpfungspartnern zu entwickeln. Viele potentiell relevante Ziele wären ohne solche Kooperationen vermutlich nicht oder nur bedingt erreichbar. Beispiele für engere Kooperationen betreffen z.B. das Studentenwerk Würzburg sowie Akteure in Bereichen wie etwa Hausreinigung, Müllvermeidung, Logistik, etc.

•    Personalpolitik

Gerade Mitarbeitende der Verwaltung, aber auch Professuren und Mitarbeitende in Lehre und Forschung führen eine Reihe von Themen an, die aus ihrer Sicht Nachhaltigkeitsbezug aufweisen (Arbeitsbelastung allgemein, Homeoffice, Entlastung von administrativen Aufgaben für mehr Freiraum bei der Forschung etc.). Die AG ist der Meinung, dass viele der hier genannten Aspekte eher andere Entscheidungsfelder der Universität betreffen und daher nicht prioritär in der künftigen Nachhaltigkeitsarbeit behandelt werden sollten. Dies soll keine Wertung der Bedeutung entsprechender Themenfelder darstellen, sondern dient der Fokussierung der Aufgaben der universitären Nachhaltigkeitsarbeit.

•    Mobilität

Die Teilnehmenden sehen gute Grundlagen bereits vorhanden. Die AG sieht aber in den Anmerkungen auch Potential für Initiativen zu weiteren spezifischen Punkten, wie z.B. die Schaffung von Duschmöglichkeiten für Fahrradfahrer, Mitfahrbörsen, Dienstfahrräder, Förderung der nachhaltigen / E-Mobilität (kostenloses Aufladen von Fahrzeugen).

Eine detaillierte Auswertung sowie Angaben zu Vorgehensweise und Teilnehmenden finden sich in einem ausführlichen Bericht(293.5 KB).

 

Herzlichen Dank an die Autorin und die Autoren:
stefan.hoermann(at)uni-bamberg.de
bjoern.ivens(at)uni-bamberg.de
fiona.knieling(at)stud.uni-bamberg.de