Projekt

Das internationale Forschungsprojekt „Management of Crossborder Rurality | Bavaria Bohemia 1990 2020“ evaluiert erstmals die räumlichen Entwicklungsprozesse in Bayern und der Tschechischen Republik nach dem Ende des Kalten Krieges in einer transnationalen Forschungsperspektive. Das Projekt verfolgt einen interdisziplinären und anwendungsorientierten Forschungsansatz. Es ist an der Schnittstelle von Historischer Geographie, Politikwissenschaften und Soziologie angelegt, verbindet historische und gegenwartsbezogene Perspektiven und arbeitet im Sinne einer Methodentriangulation sowohl qualitativ als auch quantitativ.

Forschungsperspektive

  1. Grundlage für die Evaluationsstudie ist die Anwendung und Weiterentwicklung des Landatlasses, der für die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Projektes "Monitoring Ländliche Räume" vom Johann Heinrich von Thünen-Institut für Ländliche Räume in Braunschweig entwickelt wurde. Ausgehend von der Datengrundlage für Deutschland soll der Landatlas auf die westliche Grenzregion der Tschechischen Republik zum Freistaat Bayern ausgedehnt werden. Es entsteht zudem eine Zeitreihe, die erstmals für die Zeit der postsozialistischen Transformationsphase ländliche Entwicklungsprozesse in Bayern und der Tschechischen Republik kleinräumig aufbereitet und vergleicht. Basierend auf dieser statistischen Auswertung werden durch die Anwendung Geographischer Informationssysteme (GIS) Karten zur grenzüberschreitenden Untersuchungsregion hergestellt, die dann für politische Handlungsempfehlungen und Beratungen herangezogen werden können.
  2. In einer umfangreichen Interviewstudie mit politischen, wirtschaftlichen, administrativen und zivilgesellschaftlichen Akteuren der bayerisch-tschechischen Zusammenarbeit werden akteursbezogene Perspektiven auf die grenzüberschreitenden Entwicklungsprozesse in den vergangenen 30 Jahren räumlich differenziert und im Kontext des politischen Mehrebenensystems skaliert rekonstruiert. 
  3. Mit einer quantitativen Befragung bayerischer und tschechischer Bürgermeisterinnen und Bürgermeister werden die lokalpolitischen Managementinstrumente der Grenzkommunen untersucht und evaluiert, die seit dem Ende des Kalten Krieges Anwendung gefunden haben. 

Das Kartenmaterial, die qualitativen und die quantitativen Daten werden miteinander in Verbindung gesetzt und auf Grundlage der wissenschaftlichen Konzepte shrinking regions und learning regions interpretiert. Somit können transnationale Wissensnetzwerke herausgearbeitet werden, um zu zeigen, wie sich die politischen und administrativen Entwicklungsstrategien in Bayern und Tschechien in den vergangenen 30 Jahren in den räumlichen Strukturen der gemeinsamen Grenzregion eingeschrieben haben. Auf Grundlage dieser Auswertungen können dann prognostische Handlungsempfehlungen für die künftige ländliche Entwicklung in der Untersuchungsregion entwickelt werden.

Untersuchungsregion 

Grundlage für das Forschungsprojekt sind im weiteren Sinne die Bayerischen Regierungsbezirke Oberfranken, Oberpfalz und Niederbayern sowie die Tschechischen Bezirke (Kraje) Karlsbad, Pilsen und Budweis. Im engeren Sinne konzentriert sich die Studie auf die bayerischen und tschechischen Kommunen und Landkreise, die Teil der Euregio Egrensis und der Euregio Bayerischer Wald - Böhmerwald - Unterer Inn sind.