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Fragen der Ausbildung und Professionalität und Professionalisierung von Lehrkräften gewinnen seit der jüngeren Vergangenheit, insbesondere angestoßen durch größere internationale Vergleichsstudien, wie etwa PISA, IGLU etc., zunehmend an Bedeutung. Im Mittelpunkt steht die Erforschung des Lehrberufs als Disziplin und als Profession und der Kompetenzorientierung professionellen Lehrendenhandelns in unterschiedlichen und herausfordernden pädagogischen Kontexten. Ziel ist eine stärkere Fundierung universitär-ausbildungsbezogener Angebote und die Entwicklung von Studiengängen sowie Fort- bzw. Weiterbildungsmaßnahmen.

Prof. Dr. Sibylle Rahm, Lehrstuhl für Schulpädagogik gemeinsam mit Prof. Dr. Dorit Bosse (Uni Kassel), Prof. Dr. Tina Hascher (Uni Bern), Prof. Dr. Alois Niggli (PH Fribourg) und Prof. Dr. Fritz Staub (Uni Zürich)

- gefördert durch DFG und Schweizer Nationalfond -

Das Schulpraktikum ist ein wesentlicher Baustein der Lehramtsausbildung und spielt eine wichtige Rolle im Professionalisierungsprozess angehender Lehrerinnen und Lehrer. Die binationale Interventionsstudie untersucht die Wirksamkeit verschiedener Unterstützungsangebote im Schulpraktikum an unterschiedlichen Ausbildungsstandorten und unter Berücksichtigung der dort vorherrschenden Kulturen der Lehrpersonenbildung.
In diesem Forschungsprojekt wird die Implementation und Wirksamkeit verschiedener Unterstützungselemente im Schulpraktikum untersucht. Hierzu werden quasi-experimentelle Interventionsstudien an vier verschiedenen Ausbildungsstandorten in der Schweiz und in Deutschland durchgeführt, wobei die unterschiedlichen Praktikumskulturen und institutionellen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Die Studie wird mit über 400 Studierenden durchgeführt, die während ihres Praktikums im Fach Deutsch entweder die traditionellen Unterstützungsangebote ihres Ausbildungsstandortes erhalten (Kontrollgruppe) oder eine von drei verschiedenen Unterstützungsformen (Interventionsgruppen) auf Grundlage des Fachspezifischen Unterrichtscoachings (vgl. Staub & Kreis, 2013). So werden die Studierenden entweder durch Praxislehrpersonen gecoacht, durch andere Lehramtsstudierende (Peercoaching) oder sie erhalten ausschließlich fachdidaktische Materialien. Die Studie zielt darauf ab, die Effektivität der Maßnahmen in Hinblick auf Prozessmerkmale (z.B. wahrgenommene Selbstwirksamkeit der Studierenden während des Unterrichtens) sowie Lernergebnisse der Studierenden (z.B. Kompetenzzuwachs in der Unterrichtsplanung) und der unterrichteten Klassen (Lernzuwachs in einem Bereich des schriftlichen Argumentierens) zu untersuchen.
Kenntnisse über förderliche und hinderliche Bedingungen bei der Optimierung von Unterstützungsangeboten im Schulpraktikum sind bildungspolitisch von hoher Bedeutung. Die Studie berücksichtigt darüber hinaus kultur- und kontextspezifische Besonderheiten bei der Implementierung.

Prof. Dr. Konstantin Lindner, Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts (Institut für Katholische Theologie), Prof. Dr. Henrik Simojoki, Evangelische Theologie mit Schwerpunkt Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts

Kurzinformation: Bereits im Jahr 1998 haben sich die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland in der gemeinsamen Vereinbarung „Zur Kooperation von evangelischem und katholischem Religionsunterricht“ für eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen evangelischem und katholischem Religionsunterricht ausgesprochen und eine breite Palette an konkreten Einzelvorschlägen für mögliche Kooperationsebenen vorgelegt. Dennoch werden entsprechende Spielräume – gemeint damit ist nicht "ökumenischer Religionsunterricht" – an den Schulen in Bayern gegenwärtig eher wenig genutzt, obwohl die Lehrerinnen und Lehrer diesem Anliegen mehrheitlich positiv gegenüberstehen und Schülerinnen und Schüler nachweislich davon profitieren. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass der konfessionell-kooperative Religionsunterricht höhere Anforderungen an die Lehrkräfte als ein monokonfessionell geschlossener Unterricht stellt: Sie benötigen mehr Fachwissen – gerade bezüglich der anderen Konfession –, müssen über ein höheres Maß an Reflexivität verfügen und sind insbesondere auf der Ebene der didaktischen Planung und Gestaltung stärker gefordert. Um es kurz zu fassen: Konfessionelle Kooperation fordert eine eigene religionsdidaktische Professionalität. Dieser Professionalisierung von Religionslehrerinnen und -lehrern widmet sich das Forschungsprojekt.

Barbara Vollmer, Lehrstuhl für Schulpädagogik

Laut Kunter (2011) kann der Lehrberuf nach aktueller Befundlage „als komplexe Tätigkeit mit relativ geringer externer Strukturierung, die einen hohen Grad an Selbststeuerung erfordert", gesehen werden. Das tägliche Handeln von Lehrkräften sei von Unwägbarkeiten begleitet und erfordere „die Fähigkeit, mit Enttäuschungen und Misserfolgen produktiv umzugehen" (Kunter 2011). Wie Combe & Pasek (2012; Pasek 2011) konstatieren, ist es notwendig, dass Lehrkräfte kreativ auf Situationen ragieren. Lehrerhandeln sei situationsspezifisch, insofern müsse auch ein Training von Unterrichtssituationen spezifisch sein (Patry 2011; Patry 2000). In Simulationsspielen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung bekommen Studierende die Möglichkeit, eigene und fremde Handlungstendenzen und -strategien situationsspezifisch zu erproben und anhand des PSI-Modells von Dörner (2008) zu reflektieren. Dabei wird die  Wahrnehmung  eigener Regulationstendenzen unter komplexen Klassenführungsbedingungen, die Förderung von Empathiefähigkeit und das Erkennen von Dynamiken im Sozialgefüge von Klassen genutzt, um Zusammenhänge zwischen Handlungen und Reaktionen der verschiedenen Akteure auf einer für das Klassenmanagement relevanten Ebene zu analysieren.

Barbara Vollmer, Lehrstuhl für Schulpädagogik

Angesichts der Herausforderungen, die kommende Generationen zu bewältigen haben, sollen Schüler und Schüler*innen lernen, Probleme kreativ zu bewältigen (Dalin 1997; Bildungskomission NRW). Die Förderung von Kreativität, und damit auch der Fähigkeit zu kreativem Problemlösen, ist nach wie vor eine weitgehend uneingelöste Anforderung an Schulen (Pisa 2012;  Urban 2004). In kreativen Problemlagen spielt die Fähigkeit, produktiv mit ungewissen Situationen umzugehen, eine wichtige Rolle. In der vorliegenden Studie werden LehrerInnen und SchülerInnen mit offenen Problemstellungen konfrontiert und aufgefordert, bei der Problemlösung laut zu denken. Die Videoanalyse zeigt einen detaillierten Blick auf Strategien und Verhaltensweisen, die sie hierbei entwickeln. Ziel der Studie ist, kreative Prozesse besser zu verstehen und eine Theorie der Ko-Konstruktion zu entwickeln.

Prof. Dr. Sibylle Rahm und JunProf. Dr. Daniela Sauer, Kooperationsprojekt zwischen der Volksschule Kemmern, der Kilian-Volksschule Scheßlitz und dem Lehrstuhl für Schulpädagogik

Lehrkräfte der beiden Schulen treffen sich in regelmäßigen Abständen, um Fälle und Themen der beruflichen Praxis mit verschiedenen Methoden der kollegialen Beratung zu bearbeiten. Seit dem WS 2011/2012 können Studierende des Lehrstuhls für Schulpädagogik an diesen kollegialen Beratungssitzungen teilnehmen und somit im Sinne einer wissenschaftsbasierten Berufsfeldorientierung theoretische Modelle der kollegialen Beratung mit der Schulpraxis verbinden.