Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte

Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie

Pioniersiedlungen

Aus der Geschichtsschreibung kennen wir große Pionierleistungen als heroische Taten. Als Ursprung des Begriffs pioneer wird peón (spanisch: der ‚zu Fuß laufende‘) in der spanischen conquista Zeit genannt. Sie liefen vorher, bereiteten den Weg, und leisteten die niedrigsten Arbeiten in den neuen Siedlungen. Die doppelte Sicht auf pioneer lässt sich bei der Untersuchung von Besiedlung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Dieses inter- und multidisziplinäre Projekt beabsichtigt eine vergleichende Analyse von neu-gegründeten Siedlungen an unterschiedlichen Orten und in verschiedenen zeitlichen Epochen, und die damit verbundenen klimatischen, ökologischen und kulturellen Einflüsse. Dazu soll erforscht werden wie die Ausgangslage der Siedler, (wie z.B. deren Erfahrung, Unterstützung vom Herkunftsgebiet), die Situation vor Ort durch Umweltbedingungen, und die etwaigen Kontakte in schon bewohnten Gebieten, das Wesen der Gründung und die weitere Entwicklung beeinflusst haben. Die Faktoren sind vielseitig, beginnend mit der Ankunft: ob in terra nullius, oder dem Niederlassen in schon besiedeltem Gebiet und den daraus folgende interkulturellen Begegnungen. Soziale Faktoren wie die Kommunikation in der Gruppe oder Interaktion mit anderen Parteien spielen eine Rolle, die Integration in ein existierendes System oder dessen Unterdrückung, die Nutzung und Verfügbarkeit von Ressourcen, und die Stärke von Kontrahenten im Wettstreit um Nahrung und Rohstoffe.

Systematisch in mehreren Schritten vorgehend, wird sich das Projekt zu Beginn auf das Erheben von empirisch auswertbaren, bereits existierenden, archäologischen und, falls vorhanden, historischen Datensätzen konzentrieren, die das Potential zur Neuauswertung mit digitalen und statistischen Methoden zeigen. Dabei ist die Fragestellung inwieweit sich das als ‚wegbereitend‘ (pioneer) verstehen lässt forschungsleitend. Wenn möglich sollten danach komplementär Fern- und Naherkundungsmethoden angewandt werden, um die Datensammlung zu ergänzen und zu evaluieren, und die jeweilige Siedlung in Ihrer direkten Umgebung zu erfassen. Für die zentrale Analyse der kompletten Datensätze und Interpretation der Siedlung in ihrer Umwelt werden GIS und statistische Verfahren bevorzugt, um die Struktur, und Relation der Elemente zu einander, und als Teil der Kulturlandschaft zu verstehen. Visualisierung könnten neue Erkenntnisse der Integration der Siedlung und Ihrer Bewohner in ihrer Umwelt bringen.

Die als Teil des NEXUS 1492 Projekts bei der EAA2014 von Till Sonnemann c-organisierte Session Seas of Encounters – Mapping colonial impacts on indigenous landscapes (T01S018) zeigte, dass zur Gewinnung neuer Erkenntnisse zu diesem Thema ein disziplin- und kulturübergreifender Forschungsansatz dringend erforderlich ist. Deshalb wird eine Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen angestrebt. Eine Möglichkeit, um die Datensätze angleichend zu ergänzen, könnten daher zusätzliche, räumlich stark eingeschränkte Sondierungen, und relevante weitere geoarchäologische Untersuchungen der Geologie, Geomorphologie, Pedologie, Isotopenanalyse, oder Palynologie, sein, die im Zusammenarbeit mit lokal arbeitenden Archäologen durchgeführt werden.