Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Islamwissenschaft

Forschungsprojekt: The Nusayri-Alawis in the late Ottoman State

This project deals with the history of the Nusayris, a Shi’i heterodox group centered in Cilicia and Western Syria, between 1840 and 1918. Its main focus lies on the interaction between the Nusayris, the late Ottoman state and Protestant missionaries. The initial deprecatory attitude of the Ottomans toward the Nusayris changed considerably during this period. One of the reasons for that was the increasing intervention of the European Powers in internal Ottoman politics on behalf of the religious minorities. It compelled the Ottoman government to acknowledge the Nusayris as a religious community in its own right. Another factor inducing the Ottoman administrative system to get closer to the Nusayris was the expansion of missionary activities of English and American Protestants among heterodox Muslim minorities. Fearing the infiltration of the Nusayris by these missionaries, Sultan Abdülhamid II took pains to integrate them into the Muslim millet and to draw them closer to the Hanafi School. The construction of mosques and madrasas in the Nusayri region was intended to turn the “heretics” into good and loyal subjects. Despite the fact that official Ottoman documents mention conversions of tens of thousands of heretics to Sunni Islam, the “civilizing project” of Abdülhamid was not successfull in the end. In the same vein, the missionaries, who had been trying to establish a new social order based on the millenarian belief, hardly succeeded in converting heterodox Muslims to their belief. The Nusayris, in their turn, underwent in this period a collective transformation process, in the course of which they started to term themselves “Alawis” (Turk. Aleviler, Arab. ʿAlawiyyūn). In spite of the large amount of Ottoman official documents and other sources, the history of the Nusayris in the late Ottoman Empire is still very little researched. The proposed project aiming at filling this gap is based on the hypothesis that the change in the self-designation of the Nusayris was part of a broader sociopolitical process dissociating them from the Ottoman Empire and preceding the final collapse of this state for some decades.

„Die Nusairi-Alawiten im spätosmanischen Staat“

Das Projekt befasst sich mit der Geschichte der Nusairier, einer schiitischen Sondergemeinschaft mit Hauptsiedlungsgebiet in Kilikien und Westsyrien, in der Zeit zwischen 1840 und 1918. Im Untersuchungsfokus steht dabei die Interaktion zwischen Vertretern dieser Gemeinschaft, dem spätosmanischen Staat und protestantischen Missionaren. Die anfänglich stark von Ablehnung geprägte Haltung der Osmanen gegenüber den Nusairiern änderte sich in diesem Zeitraum beträchtlich. Grund hierfür war zum einen die zunehmende Intervention der europäischen Großmächte in die osmanische Innenpolitik zugunsten religiöser Minderheiten. Sie zwang den Osmanischen Staat, die Nusairier als eigene religiöse Gemeinschaft mit Rechten anzuerkennen. Ein anderer Faktor, der die staatlichen Akteure zu einer Annäherung an die Nusairier bewegte, war die Zunahme von missionarischen Aktivitäten amerikanischer und englischer Protestanten unter den heterodoxen muslimischen Minderheiten. Aus Furcht vor der Infiltration der Nusairier durch diese Missionare bemühte sich Sultan Abdülhamid II., die Gemeinschaft in die muslimische Millet zu integrieren und sie der offiziellen hanafitischen Rechtsschule anzunähern. Der Bau von Moscheen und religiösen Schulen in den nusairischen Gebieten sollte aus den „Häretikern“ gute und loyale Untertanen machen. Auch wenn in osmanischen Dokumenten von der Konversion von zehntausenden Häretikern zum sunnitischen Islam die Rede ist, hatte das Zivilisierungsprojekt Abdülhamids letztendlich keinen Erfolg. Auch die Missionare, die mit ihrer millenarischen Weltanschauung eine neue soziale Ordnung aufzubauen versuchten, konnten nur wenige heterodoxe Muslime auf ihre Seite ziehen. Die Nusairier machten ihrerseits in dieser Zeit einen kollektiven Transformationsprozess durch, innerhalb dessen sie zu der neuen Selbstbezeichnung „Alawiten“ (türk. Aleviler, arab. ʿAlawiyyūn) übergingen. Trotz der großen Menge an osmanischem Archivmaterial und sonstigen Quellen ist die Geschichte der Nusairier in der spätosmanischen Periode erst wenig erforscht. Das geplante Projekt soll diese Forschungslücke schließen und geht dabei von der Hypothese aus, dass der Wandel in der Selbstbezeichnung Teil eines sozial-politischen Abgrenzungsprozesses der Nusairier vom Osmanischen Reich war, der schon einige Jahrzehnte vor dem endgültigen Zusammenbruch dieses Staates stattfand.