Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik

Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insb. Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen

Recruiting Trends 2010 Schweiz

Im vierten Jahr in Folge untersucht das Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit Monster Worldwide Switzerland, wie Schweizer Grossunternehmen ihre Rekrutierungsaktivitäten gestalten. Die Basis für die diesjährigen Untersuchungen bildet wie in den vergangenen Jahren eine Befragung der Top-500-Unternehmen aus der Schweiz. Der vorliegende Ergebnisbericht der „Recruiting Trends 2010 Schweiz“ gibt einen aktuellen Überblick über Trends, Herausforderungen, Innovationen und den Einsatz von Informationstechnologie in der Personalbeschaffung der 500 grössten Schweizer Firmen.

In Hinblick auf die derzeitige gesamtwirtschaftliche Situation in der Schweiz bietet die diesjährige Studie dem Leser interessante Einblicke, da sie in einem Zeitraum durchgeführt wurde, in dem sich erstmals seit der globalen Wirtschaftskrise ein leichter Konjunkturaufschwung abgezeichnet hat. So wurde der starke Rückgang des Anteils der Unternehmen, die einen Nettoanstieg der Mitarbeiterzahlen binnen Jahresfrist erwarten, deutlich gebremst.

Neben den unmittelbaren Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Personalbeschaffung der Schweizer Grossunternehmen existieren infolge eines Mangels an qualifizierten Bewerbern nach wie vor Probleme bei der Besetzung freier Stellen. Elektronische Bewerbungen und die Nutzung des Internets im Personalmarketing sind nach wie vor wichtige Trendthemen. So werden mit Abstand die meisten Stellenanzeigen auf der eigenen Unternehmens-Webseite und in Internet-Stellenbörsen geschaltet, und E-Mail-Bewerbungen bilden erstmals den grössten Anteil im Bewerbungseingang. Darüber hinaus schlagen bereits einige Unternehmen neue Wege in der Personalbeschaffung ein, indem sie die Suchmaschine Google oder soziale Netzwerkplattformen bei der Suche nach Informationen über Kandidaten einsetzen. Der hohe Stellenwert von Informationstechnologie in der Personalbeschaffung drückt sich weiterhin auch dadurch aus, dass 64,9 Prozent der Studienteilnehmer den Einsatz eines Bewerbermanagementsystems als leistungssteigernde Massnahme erachten.

Management-Zusammenfassung

Der vorliegende Ergebnisbericht der Befragung der 500 grössten Unternehmen aus der Schweiz (Rücklaufquote 14,6 Prozent), durchgeführt durch das Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit Monster Worldwide Switzerland, zeigt:

Unveränderter Fachkräftemangel: Unabhängig von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen besteht weiterhin ein Mangel an qualifizierten Bewerbern. Die antwortenden Unternehmen erwarten, dass fast drei von zehn offenen Stellen nur mit Schwierigkeiten und 3,7 gar nicht besetzt werden können.

Geringer Rückgang bei den Nettoeinstellungen: Für das Jahr 2010 erwarten 28,1 Prozent der Top-500-Unternehmen aus der Schweiz, zum Jahresende mehr Mitarbeiter zu beschäftigen als zu Jahresbeginn. Dies sind 3,6 Prozentpunkte weniger als im Jahr 2009. Allerdings hat sich nach einem dramatischen Abfall von 64 auf 31,7 Prozent im Vorjahr (siehe: von Stetten et al. 2009) die Negativentwicklung deutlich verlangsamt.

Internet-Kanäle dominieren bei der Stellenausschreibung: Mehr als acht von zehn freien Stellen werden in den befragten Unternehmen auf der eigenen Unternehmens-Webseite ausgeschrieben. Über zwei Drittel aller Vakanzen werden zudem in Internet-Stellenbörsen veröffentlicht. Dagegen wird nur noch in etwa jede dritte offene Stelle in Printmedien geschaltet, was den geringsten Wert seit Beginn der Untersuchungen mit den Schweizer Unternehmen im Jahr 2006 darstellt.

Erstmals mehr als sechs von zehn Einstellungen über das Internet: Im vergangenen Jahr resultierten erstmalig mehr als sechs von zehn Einstellungen bei den befragten Unternehmen aus Stellenanzeigen auf der eigenen Webseite oder in Internet-Stellenbörsen. Über Printmedien wurden im Gegensatz nur noch 20,5 Prozent aller Einstellungen generiert.

Zum ersten Mal gehen die meisten Bewerbungen per E-Mail ein: Mit 54,5 Prozent ging im vergangenen Jahr die Mehrheit aller Bewerbungen auf elektronischem Weg (Summe aus E-Mail- und Formularbewerbungen) bei den Unternehmen ein. E-Mail-Bewerbungen werden von mehr als vier von zehn Studienteilnehmern bevorzugt und bilden mit 45,0 Prozent aller eingehenden Bewerbungen auch erstmals den grössten Anteil im Bewerbungseingang der antwortenden Unternehmen.

Noch geringe Bedeutung von Google und sozialen Netzwerkplattformen: Die Suchmaschine Google und soziale Netzwerkplattformen werden von den Studienteilnehmern noch verhältnismässig selten zur Informationssuche über Kandidaten genutzt. Aktuell suchen lediglich 17,5 Prozent der Unternehmen häufig mit Hilfe der Suchmaschine Google und 14,5 Prozent im karriereorientierten Netzwerk Xing nach Informationen über geeignete Kandidaten.

Sollten Sie Interesse an der Studie haben, wenden Sie sich bitte an Sven Laumer.