Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Katholische Theologie

Vom Rand in die Mitte und zurück. Wie Papst Franziskus die katholische Kirche verändert

Das Theologische Forum des Instituts für Katholische Theologie, welches im Wintersemester 2014/15 die Frage „Der Papst, der alles anders macht?“ thematisiert, führte den Chefkorrespondenten der Mediengruppe „DuMont“, Herrn Lic. theol. Joachim Frank, am 18. Dezember 2014 nach Bamberg: „Vom Rand in die Mitte und zurück. Wie Papst Franziskus die katholische Kirche verändert“, lautete der Titel seines Vortrags.

In einem kurzen Grußwort skizzierte Prof. Dr. Konstantin Lindner den Werdegang Joachim Franks: 1965 in Ulm geboren studierte dieser Theologie, Philosophie und Kunstgeschichte – unter anderem in München, Münster und Rom. Nach seiner Weihe zum Priester und der Arbeit im Kirchendienst begann er als Journalist tätig zu werden und war bis 2009 Chefredakteur des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und danach bis 2011 Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“. Seitdem arbeitet Frank als Chefkorrespondent der Mediengruppe „DuMont“. 2013 erschien sein Buch „Wie kurieren wir die Kirche? Katholisch sein im 21. Jahrhundert“, welches in Interviews mit prägenden zeitgenössischen Personen das Pontifikat von Papst Franziskus und die durch ihn erhoffte Veränderung der katholischen Kirche in den Blick nimmt. Letztere Thematik bildete auch Schwerpunkt seines Vortrags an der Universität Bamberg.

Zum Einstieg legte Joachim Frank seinen speziellen journalistischen Blickwinkel dar. Das „Phänomen Franziskus“ parallelisierte er leitmotivisch mit dem adventlichen Warten und stellte vor diesem Hintergrund die Fragen: Wohin führt dieser neue Papst die Kirche? Was haben wir von ihm zu erwarten, der so ganz anders scheint, als sein Vorgänger?

In der Presse erfährt – so Frank – der neu gewählte Papst bislang ausgesprochen positive Würdigungen, nicht zuletzt die TAZ bezeichnete Franziskus sogar als „Eine Wohltat“. Dagegen formieren sich innerkirchlich gegenwärtig auch kritische Stimmen: Vor allem in konservativen katholischen Netzwerken werde immer wieder harsche Kritik am Papst geübt. In diesem Zusammenhang betonte Frank, dass es in der kirchlichen Medienarbeit noch oft an einem angemessenen Umgang mit Meinungsbildungsprozessen im Internet fehle.

In seinen Ausführungen befasste sich Frank weiters mit dem Verhältnis der Päpste Benedikt XVI. und Franziskus und charakterisierte Benedikt als maßgebenden Bezugspunkt für seinen Nachfolger. Frank wörtlich: „Ohne Benedikt kein Franziskus!“ So habe der Rücktritt Benedikts eine völlige Neudefinition des Papstamtes zur Folge, die sein Nachfolger nun entfalten könne. Dies bedeute für Franziskus eine zugleich große Bürde: der Erwartung eines „wind of change“ gerecht zu werden. Frank betonte hierbei, dass Franziskus‘ besondere Fähigkeit, durch symbolische Handlungen Zeichen zu setzen, sein Pontifikat von Beginn an präge. Mit ihm halte eine andere Kultur und Erfahrungswelt sowie eine andere Lebenseinstellung in Rom Einzug. Mit Franziskus stellt sich ein Papst zudem programmatisch an die Seite der Armen. Sie rücken in die Mitte der kirchlichen Wahrnehmung, wie das apostolische Schreiben „Evangelii Gaudium“ deutlich zum Ausdruck bringt.

Frank charakterisierte den „Regierungsstil“ Franziskus‘ anhand dreier maßgeblicher Aspekte: 1.) der Ankündigung und Durchführung der Familiensynode, 2.) der Einrichtung der Kardinalskommission „K8“, 3.) dem neuen Umgang mit der Glaubenskongregation. Im Horizont dieser Kontexte stellte sich die Frage: Wohin will dieser Papst die Kirche führen? Franks Meinung nach liege die Absicht des neuen Papstes nicht mehr darin, nur an Äußerlichkeiten zu arbeiten. Ziel sei es, die Wahrnehmung der Kirche zu verändern, weil sie nur so ihrem Auftrag treu bleiben kann. Franziskus stehe für eine Kirche, die auf die Menschen zugeht. Frank lenkte den Blick dezidiert auf die von ihm als herausragend beurteilte strategische Politik des Papstes: Die Einrichtung der K8-Kommission bilde beispielsweise ein Gegengewicht zur Kurie, deren eingefahrene Funktionsweisen der Papst selbst immer wieder umgehe, z.B. indem er statt im apostolischen Palast im Gästehaus des Vatikans wohnt und seine Telefonate persönlich tätigt. Dieser Papst lege so eine große Leitungskompetenz an den Tag. Er sei fähig, zukunftsöffnende Prozesse in Gang zu setzen, wie die römische Synode zeigt, und stelle darüber hinaus eine soziale Kompetenz unter Beweis.

All das lasse einen Wandel der Kirche denkbar erscheinen, welche die Überwindung der Armut als Zentrum ihres Auftrags begreife: Die Kirche müsse die Bedürftigen in die Mitte rücken. Die von Franziskus geforderte „arme Kirche für die Armen“ bedeute aber nicht, dass man bspw. den Petersdom verkaufen müsse, und noch viel weniger, das Armutsproblem zu spiritualisieren. Vielmehr gelte es, dass die Kirche unter anderem ihre finanziellen Mittel für die Menschen in Not einsetze. Sie sei nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist. Dies – so Joachim Frank – könne sie auch hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit wieder stark machen. Kirche der Armen meine somit eine lebensdienliche Kirche, die die Menschen und ihre Wirklichkeit wahrnimmt und sich ihrer Lebensprobleme annimmt. Dies sei auch das Ziel der kürzlich abgehaltenen Synode zu Ehe und Familie gewesen. In all dem erweise sich Papst Franziskus – nicht zuletzt aus medialer Perspektive betrachtet – als Protagonist einer Kirche, die sich mit der Zeit und den Menschen bewegt.

Im Anschluss an den von über 80 Personen besuchten Vortrag diskutierte der Referent lebhaft mit dem Publikum und gab dabei auch den ein oder anderen Einblick in Interna des journalistischen Arbeitens zu kirchlichen Fragestellungen.

Hinweis

Diesen Text verfasste Simone Teufel. Er steht Journalistinnen und Journalisten zur freien Verfügung.