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Mit lobenden Worten für ihren Mut und Gemeinschaftssinn wurde Sibylle Rahm (Mitte) verabschiedet, hier mit Präsident Godehard Ruppert und Kanzlerin Dagmar Steuer-Flieser.

Mit Sang und Klang ...

... und roten Rosen bedankten sich Kolleginnen, Kollegen und Studierende bei Sibylle Rahm für ihr langjähriges Engagement in der Forschung und Nachwuchsförderung.

Personalia & Porträts

„Adela, Servus, Tschüss und Uf Wiederluege“

Abschiedsvorlesung der Pädagogin Sibylle Rahm

Im Märchen Die Bremer Stadtmusikanten erobern vier im Alter schlecht behandelte Haustiere, die getötet werden sollen, die Beute einer Räuberbande. Sie überlisten das Böse und beginnen ein neues Leben. „Mit Zusammenhalt und Mut schaffen sie das Unmögliche – wie Sibylle Rahm.“ Mit diesen Worten beschrieben COPRA-Projektkolleginnen und -kollegen Prof. Dr. Sibylle Rahm bei ihrer Abschiedsvorlesung am 1. Februar 2018. Wie gut dieser Vergleich die scheidende Inhaberin des Lehrstuhls für Schulpädagogik charakterisiert, verdeutlichten im Laufe des Abends die kreativen Beiträge verschiedener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vom Sketch bis hin zu Gesangsdarbietungen. Alle Beiträge zeigten, dass der Professorin Zusammenarbeit und Diskussion immer sehr wichtig waren.

COPRA bezeichnete die Wahlbambergerin, die zuvor an der Universität Bremen promoviert und habilitiert hatte, selbst als die „Krönung“ ihrer Forschungstätigkeit oder auch als das „Salz in der Forschersuppe“. Das Forschungsprojekt Coaching im Praktikum (COPRA) wird vom Schweizer Nationalfonds und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Es untersucht noch bis 2019, welche Unterstützungsangebote für Lehramtsstudierende effektiver sind, die ihr Schulpraktikum absolvieren: ein Coaching durch Lehrpersonen, Peer-Coaching oder Selbstlernen durch fachdidaktische Materialien. COPRA ist ein deutsch-schweizerisches Projekt und dadurch zugleich ein Beispiel für die Zusammenarbeit, die Sibylle Rahm in all ihren Tätigkeiten auf unterschiedlichen Ebenen angestrebt und geliebt hat. So forschte sie beispielsweise auch 2011 an den Erwartungen an die Ganztagsschule, wofür Familien, Lehrkräfte und Mitglieder der Schulverwaltung befragt wurden. Eine Studie, die nur gemeinsam mit allen Beteiligten bewältigt werden konnte.

Kooperation und Diskussion in Lehrveranstaltungen

Kooperiert hat sie auch oft mit Fachkolleginnen und -kollegen, wenn sie zusammen Vorlesungen und Seminare abhielten. In den Lehrveranstaltungen selbst war ihr die Mitgestaltung der Studierenden wichtig, ganz besonders die Diskussionen. Eine klare Meinung hat sie beispielsweise zur Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen, die sie nicht als disziplinarische Maßnahme sieht. „Die Uni ist ein Ort, der den Diskurs pflegt, ein Ort der Kommunikation. Mir war Dialog und gemeinsame Forschung immer wichtig.“ Der Dekan der Fakultät Humanwissenschaften Prof. Dr. Jörg Wolstein verabschiedete die im Jahr 1952 geborene Professorin wegen ihrer Diskussionsfreude „guten Gewissens als 68erin“.

Ein weiteres Anliegen war es Sibylle Rahm, den Studierenden didaktische Grundkenntnisse und aktuelles Fachwissen zu vermitteln. Ihr ging es um die Lehrerbildung, die ihrer Meinung nach nichts rein Akademisches, sondern eine Zusammenarbeit zwischen Schulen und Universitäten ist. Jene gilt es auszubauen. So setzte sie sich als Leiterin des Bamberger Zentrums für Lehrerbildung (BAZL) dafür ein, die Lehrerbildung in der fränkischen Region voranzubringen, beispielsweise durch Tagungen. 2007 hatte sie das BAZL mitgegründet.

Lieblingstätigkeit: Nachwuchs fördern

Am Lehrstuhl für Schulpädagogik, den sie seit 2002 innehatte, war Sibylle Rahms „Lieblingstätigkeit, Nachwuchs zu fördern“, wie sie selbst sagte. Das lobte auch die langjährige Mitarbeiterin Dr. Daniela Sauer, die bei ihr promoviert hatte, nun Juniorprofessorin für Beratung im schulischen Kontext ist und in dieser Funktion das Bamberger Millionenprojekt Wegweisende Lehrerbildung (WegE) mit unterstützt. Sibylle Rahm habe „vielen von uns Mitarbeitern den Einstieg in die Wissenschaft ermöglicht.“ Um die Lehrstuhlmitarbeiterinnen und -mitarbeiter zu einem Team zu formieren, gingen sie zusammen auch mal wandern oder auf einen Bierkeller. „Bei uns am Lehrstuhl wird viel gelacht“, fasste Sibylle Rahm zusammen.

Und in der Selbstverwaltung der Universität Bamberg steht Zusammenarbeit bei Sibylle Rahm ebenfalls an erster Stelle. Als Dekanin der Fakultät Humanwissenschaften und als Mitglied des Fakultätsrats, Senats und des Universitätsrates lernte sie die Universität zwischen 2009 und 2015 von einer ganz neuen Seite kennen. Dort konnte sie nach Herzenslust mitgestalten und mitdiskutieren. Auf lebhafte Universitätsratssitzungen ging auch Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert augenzwinkernd ein. Er übergab ihr die Urkunde anlässlich des Ruhestands mit den Worten: „Sie sind entpflichtet, aber nicht entrechtet.“ Am 31. März 2018 ist ihr offiziell letzter Tag als Professorin an der Universität Bamberg. Sie geht nun zurück in den Norden, nicht nach Bremen, sondern in den kleinen Ort Fischerhude. Mit nordischer Direktheit und Gelassenheit verabschiedete sie sich von der Übergangs-Heimat Bamberg: „Nun ist es aber genug. Ich verabschiede mich mit Adela, Servus, Tschüss und Uf Wiederluege.“