Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften

Professur für Politikwissenschaft, insb. international vergleichende Politikfeldanalyse

Laufende Projekte

Design of Financial Governance (DEFIGO) - DFG-Förderung (09/2017-08/2020)

Kurze Projektbeschreibung

Projektteam: Thomas Rixen, Nikolaus Jopke, Simon Linder

 

Combatting Fiscal Fraud and Empowering Regulators (COFFERS) - Horizon 2020 (11/2016-10/2019)

Kurze Projektbeschreibung

Projektteam: Thomas Rixen, Lukas Hakelberg, Fabio Bothner, Leo Ahrens

COFFERS Webseite

 

Abgeschlosse Projekte (Auswahl)

Globale Steuergerechtigkeit: Normative Prinzipien und institutionelle Ausgestaltung

Die gestiegene Kapitalmobilität im Zuge technischen Fortschritts und der Abschaffung von Devisenkontrollen hat zu Steuerwettbewerb zwischen Nationalstaaten geführt. Regierungen versuchen, durch das Senken von Steuern für Unternehmen und Kapitalerträge ausländische Investitionen anzulocken. Empirische Forschungen haben gezeigt, dass dies nicht für alle Länder von Vorteil ist, sondern dass sie sich durch internationale Kooperation zur Regulierung des Steuerwettbewerbs besser stellen könnten. In dem Projekt geht es darum, herauszufinden, wie diese Kooperation gestaltet werden sollte. Dabei geht es insbesondere um die folgenden beiden Fragen: (1) Welchen normativen Prinzipien sollte die internationale Steuerkooperation folgen? Welche anderen, möglicherweise konfligierenden, normativen Prinzipien, wie z.B. Souveränität oder ökonomische Effizienz, müssen dabei respektiert werden? (2) Bei welchen steuerpolitischen Instrumenten ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass sie in der Praxis tatsächlich umgesetzt werden können?

Zugehörige Veröffentlichungen

Thomas Rixen: Globalisierung und fiskalische Demokratie, Politische Vierteljahresschrift 59(1), 103-124 [Research Gate]

Peter Dietsch/Thomas Rixen (2016) (Ed.): Global Tax Governance. What’s wrong with it and how to fix it. ECPR Press: Colchester 2016 [Research Gate | SSRN]

Peter Dietsch/Thomas Rixen (2014): Tax Competition and Global Background Justice, Journal of Political Philosophy 22(2), 150-177 [Research Gate | SSRN]

 

Historischer Institutionalismus und Theorien institutionellen Wandels

In dem gemeinsam mit Lora Viola (FU Berlin) und Michael Zürn (WZB) durchgeführten Projekt geht es um zweierlei: Zum einen schlagen wir eine neue Konzeptualisierung der abhängigen Variable „institutioneller Wandel“ vor. Damit soll ein Beitrag zur theoretischen Diskussion geleistet werden. Zweitens soll praktisch demonstriert werden, dass unsere Konzeptualisierung eine bessere Erfassung der empirischen Realität erlaubt. In einem internationalen Verbund – u.a. Tim Büthe (Duke University), Orfeo Fioretos (Temple University) und Jonas Tallberg (Stockholm) – sollen Fallstudien zum institutionellen Wandel auf verschiedenen internationalen Politikfeldern (u.a. Handel, Wettbewerbspolitik, Finanzen, Gesundheit und Ernährung) erstellt werden, für die unsere Konzeptualisierung den einheitlichen Rahmen bildet.

Zugehörige Manuskripte

Thomas Rixen/Lora Viola (2015):Putting Path Dependence in its Place: Toward a Taxonomy of Institutional Change, Journal of Theoretical Politics 27(3), 301-323 (Alexander George Article Award der American Political Science Association) [Research Gate | SSRN]

Thomas Rixen/Lora Viola/Michael Zürn (2016) (Ed.) Historical Institutionalism and International Relations. Explaining Institutional Development in World Politics. Oxford University Press [Research Gate | SSRN]

 

Finanzmarktregulierung nach der Krise

Wie lässt es sich erklären, dass trotz der größten Krise seit der großen Depression bisher kaum striktere Regulierungen der Finanzmärkte vorgenommen wurden? Dieser Frage wird am Beispiel der fehlenden Regulierung von Schattenbanken und Offshore-Finanzplätzen nachgegangen.

Zugehörige Veröffentlichungen:

Thomas Rixen (2009): Paradiese in der Krise. Transparenz und neue Regeln für Steuer- und Regulierungsoasen. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung. (Link: www.boell.de/downloads/091119_Studie_Steuerparadiese_Steueroasen.pdf )

Thomas Rixen (2013) Why Reregulation after the Crisis is feeble: Offshore Financial Centers, Shadow Banking and Jurisdictional Competition, Regulation & Governance 7(4), 435-459 [Research Gate | SSRN]

 

Die Politisierung internationaler Wirtschaftsinstitutionen

In dem gemeinsam mit Bernhard Zangl (LMU München) durchgeführten Projekt geht es um eine empirische Überprüfung der These, dass eine Delegation der Entscheidungsbefugnis an supranationale Institutionen und die damit einhergehende größere Eingriffstiefe in vormals nationale Angelegenheiten zu einer stärkeren Politisierung der jeweiligen internationalen Organisation führt. Außerdem wird die alternative These überprüft, dass es im Zuge gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse zu einer wachsenden Politisierung über die Zeit kommt. Die Untersuchung erfolgt auf der Grundlage eines Fallstudienvergleichs aus dem Bereich der internationalen Steuerpolitik und wird mit Hilfe einer Inhaltsanalyse von Zeitungsartikeln aus amerikanischen Qualitätszeitungen durchgeführt. Als Indikator für den Grad an Politisierung wird die Häufigkeit qualitativ bestimmter Argumentationstypen, die sich in den Texten wiederfinden, erhoben.

Zugehörige Veröffentlichungen bzw. Manuskripte

Thomas Rixen und Bernhard Zangl (2012): Die Politisierung internationaler Institutionen: Legitimation durch Konstitutionalisierung oder durch Souveränität?, Leviathan. Sonderband 27 „Der Aufstieg der Legitimitätspolitik. Rechtfertigung und Kritik politisch-ökonomischer Ordnungen“, hrsg. von Anna Geis, Frank Nullmeier und Christopher Daase, S. 118-134.

Thomas Rixen/Bernhard Zangl (2013):The Politicization of International Economic Institutions in US Public Debates, The Review of International Organizations 8 (3), 363-387 [Research Gate | SSRN]

 

Wohlfahrtsstaatliche Strukturen und Parteiendifferenzen (Dissertationsprojekt, Frank Bandau)

Ob politische Parteien in der Sozialpolitik noch einen Unterschied machen (können), ist eine vieldiskutierte Frage in der Wohlfahrtsstaatsforschung. Dieser Frage wird auch im Rahmen des Promotionsprojekts nachgegangen, im Unterschied zu vergleichbaren Studien liegt der Fokus der Betrachtung allerdings auf dem Einfluss bereits vorhandener wohlfahrtsstaatlicher Strukturen auf die Reformbemühungen unterschiedlicher Regierungen. Die zentrale These der Dissertation lautet, dass die (selbst aus Auseinandersetzungen zwischen Parteien resultierenden) wohlfahrtsstaatlichen Institutionen den Reformprozess strukturieren, d.h. das Auftreten, den Inhalt und die Intensität der Parteienkonflikte prägen und damit Art sowie Stärke der tatsächlichen Parteieneffekte maßgeblich beeinflussen. Die zu beobachtenden Konfliktmuster variieren demnach zwischen Staaten in Abhängigkeit von der institutionellen Ausgestaltung wohlfahrtsstaatlicher Programme. Diese These wird mit Großbritannien, Schweden und Deutschland anhand dreier Wohlfahrtsstaaten untersucht, die sich hinsichtlich ihrer Strukturen deutlich voneinander unterscheiden.

Zugehörige Veröffentlichungen bzw. Manuskripte

Frank Bandau (2011): Do Parties Still Matter in Protecting the Unemployed? A Contextualized Comparison of Great Britain, Sweden and Germany. Arbeitspapier präsentiert auf der Jahrestagung der DVPW-Sektion Politische Ökonomie „Der Wandel politischer Intervention“, Bamberg, 15./16. September Haushaltskonsolidierung nach der Finanzkrise(243.8 KB)

 

Der deutsche Niedriglohnsektor im wohlfahrtsstaatlichen Vergleich (Dissertationsprojekt, Valeska Gerstung)

Die Bundesrepublik Deutschland gehört innerhalb der Wohlfahrtsregimetypologie von Esping-Andersen zu der Gruppe der konservativen Wohlfahrtsstaaten. Dieser Typus weist ein mittleres Dekommodifizierungsniveau auf, während sich sozialdemokratische Regime durch ein hohes, und liberale Regime durch ein geringes Dekommodifizierungsniveau auszeichnen. Aus der Typologie lässt sich die theoretische Erwartung ableiten, dass der Niedriglohnsektor, dessen Größe als ein Indikator für staatliche Dekommodifizierungsbemühungen betrachtet werden kann, in sozialdemokratischen und konservativen Wohlfahrtsstaaten kleiner sein müsste, als in liberalen Regimen. Die empirischen Beobachtungen im Fall Deutschlands entsprechen jedoch nicht der theoretisch begründeten Annahme über den Zusammenhang zwischen konservativem Wohlfahrtsregime, Dekommodifizierungsniveau und der Ausdehnung des Niedriglohnsektors. Anstelle eines geringen bzw. moderaten Ausmaßes an Niedriglohnbeschäftigung, weist Deutschland, trotz eines relativ hohen Dekommodifizierungsgrads, einen Niedriglohnsektor von der Dimension der liberalen Wohlfahrtsstaaten auf. In der Gruppe der konservativen Wohlfahrtsregime stellt Deutschland ein untypisches Phänomen dar und begründet somit das Puzzle des Promotionsvorhabens, das nach den politisch-institutionellen Determinanten des Niedriglohnsektorwachstums fragt. Der Fokus liegt dabei einerseits auf der Frage, welche materiellen Politikinhalte die Entwicklung der Niedriglohnbeschäftigung beeinflussten und andererseits, weshalb entsprechende Policies implementiert wurden. Die Forschungsfrage wird mithilfe eines most similar systems designs untersucht, welches im Rahmen eines qualitativen Vergleichs die Fälle Deutschland, Belgien und Frankreich umfasst.