Zum Tod von
Dr. Timothy Tisdale

 

Tim Tisdale ist am 2. September 2021 im Alter von 61 Jahren von uns gegangen. Sein Tod war trotz seiner längeren ernsthaften Erkrankung unerwartet. Die Mitglieder des Instituts für Psychologie, an dem er gearbeitet hat, und der Fakultät Humanwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg trauern sehr um ihn. Das Institut verliert mit Tim Tisdale einen außerordentlich geschätzten Kollegen und einen engagierten, beliebten Dozenten.

Tim Tisdale studierte in Bamberg Psychologie und arbeitete dort schon als Student in der Allgemeinen Psychologie. Sein Studium schloss er 1988 mit dem Diplom in Psychologie ab. Danach war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut, zunächst in der Allgemeinen Psychologie, später in der Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt und in der Pädagogischen Psychologie. In der Allgemeinen Psychologie setzte er sich mit komplexen Problemen und Entscheidungssituationen auseinander, außerdem interessierte er sich für Fragen der Handlungsregulation, die hiermit zu tun haben. Seine mit „summa cum laude“ bewertete Dissertation, die er 1997 vorlegte, trug den Titel „Selbstreflexion, Bewusstsein und Handlungsregulation“. Er bearbeitete hier Themen, die für die Psychologie von essenzieller Bedeutung sind, obwohl sie damals nicht im Mainstream der psychologischen Forschung verankert waren. Für seine herausragende Dissertation wurde er mit dem Promotionsförderpreis der Universität Bamberg ausgezeichnet. Er war danach als Koordinator eines Projekts zu Umweltbewusstsein tätig und von 1999 bis 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt. In dieser Zeit war er beim Aufbau und bei der Gestaltung des entsprechenden Studiums („Schulpsychologie“) wesentlich beteiligt. Professuren hat er an der Pädagogischen Hochschule Freiburg und in Bamberg vertreten.

Seit 2008 arbeitete er als Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Professur für Pädagogische Psychologie. Er organisierte hier den Studiengang Beratungslehrkraft, für den er auch als Fachstudienberater fungierte. Seine Lehre erstreckte sich hauptsächlich auf die Pädagogische Psychologie, die pädagogisch-psychologische Beratung und die Psychologische Diagnostik, die er sowohl für Studierende der Psychologie als auch der Schulpsychologie anbot. Insbesondere die Betreuung letzterer war ein Brennpunkt seiner Arbeit. Er bot hier u. a. gern angenommene Kurse an, welche die Studierenden auf die Anforderungen des Staatsexamens vorbereiteten. Auch dem Thema des komplexen Problemlösens blieb er mit zwei einschlägigen Kursen an der Virtuellen Hochschule Bayern treu.

Tim Tisdale war ein stark nachgefragter Betreuer von Abschlussarbeiten. Die Studierenden schätzten ihn als kompetenten und unterstützenden Dozenten, dessen Engagement weit über die Lehre im engeren Sinne hinausging. So setzte er sich nicht nur im unmittelbaren Kontakt mit den Studierenden, sondern auch in universitären und außeruniversitären Gremien mit ganzer Kraft für die Belange der Studierenden ein, z. B. bei Besprechungen mit dem zuständigen Ministerium oder Vertreterinnen und Vertretern der anderen bayerischen Universitäten, an denen Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt studiert werden kann.

Tim Tisdale hatte eine wichtige und stark beachtete Stimme am Institut für Psychologie. Er war sehr an der Entwicklung des Instituts interessiert und hat vieles für dieses geleistet. Lange vertrat er die Gruppe der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den sog. Mittelbau, in diversen Gremien (z. B. der Institutsleitung). Seine Beiträge zu drängenden Fragen, die am Institut diskutiert wurden, waren bedeutsam und fanden stets Beachtung. In vielen Debatten zu anliegenden Fragen eröffnete er erhellende Perspektiven und vertrat den Mittelbau klar, bestimmt und hörbar. Er war kritisch und hat gerne einmal gestritten, gleichzeitig war er aber auch offen, kompromissbereit und immer lösungsorientiert. Bei Problemen, welche die von ihm mitbetreuten Fächer betrafen, war Tim Tisdale für alle, die Rat suchten, die zentrale Anlaufstelle. Er wird hier kaum zu ersetzen sein.

Im Team der Pädagogischen Psychologie hat Tim Tisdale mit seiner warmherzigen, humorvollen, unkomplizierten und manchmal etwas hintergründigen Art wesentlich zu einer guten und kollegialen Atmosphäre beigetragen. Er war immer unterstützend und hilfsbereit und ist sofort für Andere eingesprungen, wenn Not an der Frau oder am Mann war. Bei der gemeinsamen Organisation und inhaltlichen Ausgestaltung der Lehraufgaben der Professur spielte er eine ganz maßgebende Rolle. 

Tim Tisdale war ein großartiger Gesprächspartner, mit dem man über alles fruchtbar diskutieren konnte. Er fehlt uns sehr. 

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Doris Lohmeier und seiner weiteren Familie.

 

Für das Institut für Psychologie zusammengestellt von Michael Hock. Danke an alle, die mir etwas zu Tim geschickt haben, besonders auch an Detlef Berg und Dietrich Dörner.