Thema und Call for Papers

21. Hochschultage Berufliche Bildung vom 15.-17. März 2021 an der Universität Bamberg unter dem Titel

 

Fachkräftesicherung – 
Berufliche Bildung sichert zukunftsweisende Qualifizierung, gesellschaftliche Teilhabe und Integration

 

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Berufliche Bildung (AG BB) werden die Hochschultage Berufliche Bildung vom 15. bis 17. März 2021 an der Universität Bamberg stattfinden. Ausgerichtet werden die Hochschultage durch die Bereiche Sozial- und Wirtschaftspädagogik. Das Rahmenthema der bundesweiten und größten Veranstaltung zur beruflichen Bildung lautet im Jahr 2021: Fachkräftesicherung – Berufliche Bildung sichert zukunftsweisende Qualifizierung, gesellschaftliche Teilhabe und Integration.

 

Qualifizierte Fachkräfte sind für den Erhalt und die Weiterentwicklung von Unternehmen und Organisationen von herausragender Bedeutung. Berufliche Bildung ist der Ort der Fachkräftequalifizierung und -sicherung. In vielen Bereichen der Beruflichen Bildung ist daher die Gewinnung und nachhaltige Sicherung bzw. Qualifizierung von Fachkräften zentral, um die Folgen gesellschaftlicher Wandlungsprozesse abzumildern und zu bewältigen. Daher gilt es, auf allen Ebenen der beruflichen und akademischen Ausbildung neue Wege zu diskutieren, wie Fachkräfte gewonnen und qualifiziert werden können und gleichzeitig die charakteristischen Konfliktlinien zwischen Vermarktung und Sorge, Integration und Teilhabe sowie der kulturellen und sozialen Demokratiebildung in der Gesellschaft in den Blick zu nehmen. Vor diesem Hintergrund konstituiert sich das Rahmenthema Fachkräftesicherung auf den Hochschultagen Berufliche Bildung 2021 über vier Bereiche:

Fachkräftequalifizierung und -gewinnung

Durch gesellschaftliche Veränderungen wie die digitale Transformation und Akademisierung steht das berufliche Bildungssystem vor der Herausforderung, Antworten hinsichtlich der Qualifikationsinhalte von Fachkräften und dem Profil neuer Fachkräfte zu finden. Die digitale Transformation führt zu Veränderungen im betrieblichen Leistungserstellungsprozess (u. a. digital gesteuerte Produktionssysteme, Vernetzung von physischen und virtuellen Objekten über sog. Cyber Physische Systeme), womit sich die Kompetenzanforderungen zur Bewältigung digital strukturierter Arbeitsprozesse ändern (u. a. Zunahme von überwachenden Fähigkeiten und Problemlösefähigkeiten, Data Analytics, virtuelle Kommunikation) (Gerholz & Dormann 2017). Die curriculare und didaktische Gestaltung von Ausbildungsprozessen und innerbetrieblichen Fort- und Weiterbildungsprozessen müssen diese Veränderungen aufnehmen (Gerholz 2019). Ziel ist die Ausbildung international wettbewerbsfähiger Fachkräfte. Hinsichtlich der Akademisierung zeigen sich Tendenzen, dass junge Menschen zunehmend akademische Bildungswege einschlagen (u. a. Wolter & Kerst 2015). Somit sind Erosionstendenzen am oberen Rand des Dualen Ausbildungssystems dergestalt festzustellen (Euler 2014), dass junge Menschen nach der Schule entweder direkt ein Studium aufnehmen oder im Anschluss eine Ausbildung den akademischen Weg wählen. Duale Studiengänge gewinnen an Attraktivität und etablieren sich im Hochschulsystem. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welcher Typus von Fachkräften zukünftig in Betriebe sowie Organisationen einmünden und ob es eine breite Fächerung von Qualifikationsniveaus von Fachkräften geben wird. Das bedeutet, die länderrechtlich geregelten, zum Teil uneinheitlichen ordnungsrechtlichen Standards der Beruflichen Bildung und die Vielfalt der Bildungsgänge neu zu gestalten. Diskutiert werden sollte die Weiterentwicklung von Qualifikationsprofilen und Merkmalen personenbezogener und industrieller Arbeit in den curricularen Ausbildungsstrukturen sowie in den professionstheoretischen und professionspolitischen Konzepten der beruflichen und akademischen Ausbildung.

Fachkräftezuwanderung

Fachkräftezuwanderung thematisiert die Herausforderung, junge Menschen oder bereits qualifizierte Fachkräfte aus anderen Ländern mit unterschiedlichen Ausbildungssystemen in die heimische Wirtschaft zu integrieren. Durch den demografischen Wandel werden mittelfristig in Deutschland weniger Fachkräfte vorhanden sein. Gleichzeitig hat das berufliche Bildungssystem durch die Flucht- und Migrationsbewegungen Integrationsleistungen zu bewältigen. Auf der Steuerungsebene und curricularen Ebene müssen Wege gefunden werden, junge Menschen mit Migrationshintergrund und anderen Bildungswegen in das berufliche Bildungssystem zu integrieren. Berufliche Schulen und Ausbildungsbetriebe müssen sich mit der Heterogenität der Lernenden auseinandersetzen (Braches-Chyrek & Gottschalk 2019). Im Zuge dessen wird der Aspekt des sprachsensiblen Unterrichts und der Berufssprache Deutsch immer bedeutsamer. Deutsch als Zweitsprache wird für Auszubildende zunehmend wichtiger. Das Prinzip Berufssprache Deutsch unterstreicht die Relevanz berufsspezifischer Sprachnormen. Für die schulische wie betriebliche Seite können in diesem Zuge verstärkt Fachkräfte mit Zuwanderungsgeschichte prognostiziert werden. Hierbei wird auch das Ziel verfolgt, durch Integration von Zugewanderten den Fachkräfteengpässen entgegenzuwirken und die Auswirkungen des prognostizierten Strukturwandels von der Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft abzumildern.

Fachkräfte als Bürgerinnen und Bürger in einer Zivilgesellschaft

Nicht nur durch die Flucht- und Migrationsbewegungen, sondern auch durch die zunehmende Individualisierung junger Menschen ist der Aspekt der Demokratiebildung in der beruflichen Bildung von Bedeutung. Ein Erfolgsfaktor des Beruflichen Bildungssystem ist es, dass nicht nur die Qualifizierung für berufliche Handlungsfelder im Mittelpunkt steht, sondern berufliche Bildung auch das Bildungsziel verfolgt, junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und sie auf die Rolle als verantwortlich agierende Bürgerinnen und Bürger in einer Zivilgesellschaft vorzubereiten (Gerholz 2017). Die berufliche Ausbildung fördert die Bereitschaft und Fähigkeit bei jungen Menschen, sich in beruflichen wie gesellschaftlichen Situationen sachgerecht und sozial verantwortlich zu verhalten (u. a. KMK 2011). Demokratiebildung ist somit Bestandteil der beruflichen Bildung. Auf der curricularen Ebene ist dabei im Dialog zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem sowie Schulen und Betrieben festzulegen, welche konkreten Bereiche Demokratiebildung aufnehmen soll. Auf der didaktischen Ebene geht es um Lehr-Lernkonzepte, welche einen gewinnbringenden Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und Sensibilisierung der zukünftigen Fachkräfte für heimatliche und zivilgesellschaftliche Werte leisten können.

Qualifizierung von Lehrkräften sowie Ausbilderinnen und Ausbildern

Die aufgezeigten Bereiche zur Fachkräftesicherung auf Aus- und Weiterbildungsebene sind auch im Kontext der zukünftigen Qualifizierung von Lehrkräften sowie Ausbilderinnen und Ausbildern. Die Lehrpersonen in beruflichen Schulen und im Betrieb im Rahmen der Aus- und Weiterbildung haben einen entscheidenden Anteil daran, die Ziele der Fachkräftesicherung zu erreichen und die aufgezeigten Anforderungen an die Fachkräftequalifizierung aktiv zu gestalten. Damit im Zusammenhang stehen Fragen der strukturellen und inhaltlichen Gestaltung von Lehramtsstudiengängen und Qualifizierungsprozessen von Ausbildern und ausbildenden Fachkräften.

 

Diese wenigen Hinweise zeigen, dass die Gestaltung der Sicherung von Fachkräften ein Querschnittsthema der Beruflichen Bildung ist, durch welches viele zentrale Problemfelder sichtbar werden. Im Mittelpunkt der Hochschultage Berufliche Bildung 2021 zum Thema Fachkräftesicherung an der Universität Bamberg werden neben regionalen und branchenspezifischen Maßnahmen zu den aufgezeigten Herausforderungen auch die systematische Bildung und Weiterbildung in Unternehmen, Organisationen und deren dialogischer Vernetzung stehen.

Einreichung von Workshops für die Hochschultage

Bei Interesse an der Ausgestaltung eines Workshops senden Sie bitte ein Abstract von maximal 600 Wörtern bis zum 30.06.2020 an die folgende Mailadresse: info.htbb2021(at)uni-bamberg.de

Bitte nutzen Sie für die Erstellung des Abstracts die Formatvorlage für Einreichungen, die Sie hier herunterladen können:

Das Abstract sollte mit Bezug auf das Tagungsthema die Workshops inhaltlich umreißen und das angestrebte Ziel sowie möglicherweise erwartete Ergebnisse herausarbeiten. Hierzu sollte unter Berücksichtigung des theoretischen Bezugsrahmens die wissenschaftliche und praktische Relevanz und Fragestellung des Workshops hergeleitet werden.

Die Planung und Durchführung des Workshops obliegt den einreichenden Personen.

Bei Fragen können Sie sich auch jederzeit an die Mailadresse wenden: info.htbb2021(at)uni-bamberg.de

 

Im Namen des Programmkommittees:

Rita Braches-Chyrek (Sozialpädagogik)

Karl-Heinz Gerholz (Wirtschaftspädagogik)

Anne Wagner (Geschäftsführerin Hochschultage berufliche Bildung 2021)

Hannes Reinke (stellv. Geschäftsführer Hochschultage berufliche Bildung 2021)

Philipp Schlottmann (stellv. Geschäftsführer Hochschultage berufliche Bildung 2021)

 

Literatur:

  • Braches-Chyrek, R./Gottschalk, J. (2019). Sozialpädagogische Förderung von Jugendlichen in der ganztäglichen Bildung: In: Braches-Chyrek, R./Karsten, M. (Hrsg.): Sozialpädagogische Perspektiven auf die Ganztagsbildung. Opladen. Barbara Budrich, S. 35-45
  • Euler, Dieter (2014). Berufs- und Hochschulbildung - (Ungleicher) Wettbewerb oder neue Formen des Zusammenwirkens? Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik : ZBW, 110 (3). 321-334. ISSN 0172-2875
  • Gerholz, K.-H. (im Druck). Unterrichtsarbeit an beruflichen Schulen im Zuge der digitalen Transformation – Ein fachdidaktisches Modell für den Einsatz digitaler Medien. In: U. Buchmann & M. Cleef (Hrsg.), Digitalisierung über berufliche Bildung gestalten. Münster: Waxmann.
  • Gerholz, K.-H. (2017). Kompetenzorientierte Persönlichkeitsentwicklung in der beruflichen Bildung – Grundlagen und Wirksamkeit von Service Learning aus Sicht der Forschung. vlb-akzente, 5/2017, 13-17.
  • Gerholz, K.-H. & Dormann, M. (2017). Ausbildung 4.0: Didaktische Gestaltung der betrieblich-beruflichen Ausbildung in Zeiten der digitalen Transformation. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, Ausgabe 32, 1-22.
  • Wolter, A. & Kerst, C. (2015). The ‘academization’ of the German qualification system: Recent developments in the relationships between vocational training and higher education in Germany. Research in Comparative & International Education 2015, Vol. 10(4) 510–524.