Patrick Reitinger M.A.

Patrick Reitinger ist Projektkoordinator im internationalen Forschungsprojekt "Management of Crossborder Rurality | Bavaria Bohemia 1990 2020". Sie erreichen ihn unter der E-Mail-Adresse patrick.reitinger(at)uni-bamberg.de.

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Kurzbiographie

Patrick Reitinger promoviert seit Mai 2018 im Fach Historische Geographie. Er studierte zuvor Staatswissenschaften an der Universität Passau sowie Sozial- und Bevölkerungsgeographie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Als Lehrbeauftragter unterrichtet er in Bamberg, Passau und Prag.

Ausführlicher Lebenslauf, inkl. Vortrags- und Publikationsverzeichnis(85.8 KB)


Promotionsprojekt

Der Einfluss politischer Entwicklungen in der Tschechoslowakei auf die Raumpolitik in Ostbayern (1918-1933)

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Im Mittelpunkt des Promotionsprojektes steht die Raumpolitik in Ostbayern zur Zeit der Weimarer Republik. Die Studie soll zeigen, wie der deutsche Staat nach der Gründung der Tschechoslowakei mit der neuen Grenzsituation Ostbayerns umging. Zentral ist dabei die Frage, ob die politischen Entwicklungen in der Tschecholsowakei einen Einfluss auf die Raumpolitik in Ostbayern zur Zeit der Weimarer Republik hatten.

Die bisherige Forschung zu Ostbayern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert sich auf die Zeit ab 1933. Dies führt dazu, dass die Phase der Weimarer Republik häufig als Vorspiel zur NS-Diktatur gelesen wird und die Prozesse zwischen 1918 und 1933 sehr oft vom Ergebnis her interpretiert werden. Für den konkreten Kontext in Ostbayern führt dies dazu, dass das zentrale Argument der nationalsozialistischen Raumpolitik, nämlich die notwendige Ertüchtigung der Grenzregion als Bollwerk gegen eine tschechische bzw. slavische Invasion, häufig auch schon für die Zeit zwischen 1918 und 1933 angenommen wird. Umfassend untersucht wurde diese These bisher nicht.

Die Studie untersucht Raumpolitik in Ostbayern in der grundsätzlichen Annahme, dass die Entwicklung der Weimarer Republik auch anders hätte verlaufen können und sie nicht zwangsläufig im Nationalsozialismus münden musste. Es wird davon ausgegangen, dass alternative Entwicklungen grundsätzlich möglich waren - und somit die jeweiligen Akteure mit diesen offenen Möglichkeiten umgehen mussten. Zudem waren sie mit neuen politischen Strukturen konfrontiert, die neue Formen der Partizipation und Gestaltung eröffneten, für die aber bisher kollektive Erfahrungen fehlten.

Das Projekt geht von der Annahme aus, dass das Jonglieren mit Wissen, Nichtwissen und der Kontingenz der Zukunft im Kontext vergangener Lebenswelten die Raumpolitik in Ostbayern in der Weimarer Republik in dem Maße prägte, dass sich ihre praktische Umsetzung in die räumlichen Strukturen über die historische Zeit hinaus einschrieben und somit tatsächliche Veränderungen im Raum im Sinne eines Institutionalisierungsprozesses zur Kontingenzbewältigung dieser Zeit beitrug.