Patrick Reitinger M.A.

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften
Professur für Historische Geographie
Am Kranen 12
D-96047 Bamberg

Telefon: +49 951 863 2378
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E-Mail: patrick.reitinger(at)uni-bamberg.de


Forschungsschwerpunkte

  • Historisch-Geographische Ostmitteleuropaforschung
  • Geopolitik und Raumpolitik in Mittel- und Ostmitteleuropa im 19. und 20. Jahrhundert
  • Raumwissen und Raumimaginationen im Habsburgerreich und der Tschechoslowakei

Kurzbiographie

Ausführlicher Lebenslauf, inkl. Vortrags- und Publikationsverzeichnis(70.2 KB)


Promotionsprojekt

Im Mittelpunkt des Dissertationsprojektes steht die Frage, wie die Raumpolitiken in der gemeinsamen Grenzregion des Freistaats Bayern und der Ersten Tschechoslowakischen Republik in der Zwischenkriegszeit (1918-1938) zueinander in Beziehung standen.

Mit den staatlich-territorialen Veränderungen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sind neue Grenzsituationen entstanden, die sich in Bayern und der Tschechoslowakei unmittelbar auf den gemeinsamen Grenzraum auswirkten. Auf der bayerischen Seite dominierten schon bald die Diskurse über die sogenannte Grenzlandproblematik in den wenig entwickelten, ländlich-peripher gelegenen Gebieten, auf der tschechoslowakischen Seite spielte der Umgang mit der stark deutschsprachigen Bevölkerung im Grenzgebiet im Kontext des Nationsbildungsprozesses eine zentrale Rolle. Diese Phänomene sind bisher vor allem getrennt bearbeitet, jedoch noch nicht in einem historisch-geographischen Sinne zusammen und im Hinblick auf ihre grenzüberschreitenden Bezüge untersucht worden.

Auf einer theoretisch-konzeptionellen Ebene schließt das Projekt an die Arbeit des Geographen und Raumplaners Ludger Gailing (2014) an, der sich über den Begriff der Kulturlandschaftspolitik mit der gesellschaftlichen Konstituierung von Kulturlandschaft durch Institutionen und Governance beschäftigte. Dieses Verständnis wird um eine praxeologische Perspektive im Sinne Pierre Bourdieus erweitert: Es wird ein stärkerer Fokus auf die biographische und lebensweltliche Sozialisation von Politikerinnen und Politikern gelegt, indem mit Ansätzen aus der Bourdieu’schen Habitus-Feld-Theorie gearbeitet wird, um sich den Denk-, Handlungs- und Wahrnehmungsstrukturen dieser Akteure im spezifischen gesellschaftspolitischen Kontext der Zwischenkriegszeit zu nähern. Sowohl der Begriff der Kulturlandschaftspolitik als auch die praxeologischen Erweiterungen werden vor dem Hintergrund einer sozialkonstruktivistisch-wissenssoziologisch inspirierten Raum- und Zeitforschung neu miteinander verbunden, was im Ergebnis zu einem spezifischen Verständnis von Raumpolitik führt.

Methodisch wird im Projekt auf klassische Archivquellen und Dokumente, Karten, Bilder und Statistiken zurückgegriffen. Dies wird mit Ansätzen einer Historischen Biographie- und Habitusforschung verbunden und um Aspekte einer Historischen Netzwerkanalyse erweitert.