Oberseminar der Historischen Geographie

Das Oberseminar ist ein Forum für alle an der Historischen Geographie Interessierten und fördert den Austausch zwischen Studierenden, Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern und Gästen.

Das Format erlaubt spannende Einblicke in geplante und laufende Masterarbeiten und Promotionen, die an der Professur für Historische Geographie verfasst werden. Darüber hinaus werden aber auch Studierende und Promovierende aus anderen Fachbereichen und von anderen Universitäten eingeladen, um mit ihnen in den Dialog zu treten. Abgerundet wird das Oberseminar mit ausgewählten Gastvorträgen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Historischen Geographie und den benachbarten historischen Kulturwissenschaften. Alle Vorträge sind dadurch gekennzeichnet, dass sie Work in Progress sind und somit die ganze Bandbreite von der ersten Projektidee bis kurz vor Beendigung der Forschungsarbeit abbilden. Gäste sind zum Zuhören und Diskutieren herzlich eingeladen.

Die Vorträge und anschließenden Diskussionen finden jeweils donnerstags 16.15 - 17.45 Uhr im Raum KR1/00.05 statt.
Der Raum befindet sich im "Alten Schlachthaus" Am Kranen 1.

Bitte beachten Sie die geltenden Regeln der Universität zur Pandemiebekämpfung, siehe Informationen zum Coronavirus.

Die Terminliste für das Wintersemester 2022/2023 ist hier(463.9 KB) abrufbar.


Termine Wintersemester 2022/2023

03.11.2022

Klimautopien und Umweltschutz in den USA im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts

Nils Loth, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

"In den USA ist seit dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs eine große Zahl an utopischer Literatur entstanden, in der Visionäre und Reformer die klimatischen Voraussetzungen vorbildlicher menschlicher Siedlungen ergründeten. Darin wurde einerseits der Wunsch nach einer lebenswerteren Erde mit einem günstigeren Klima für den Menschen bekräftigt und darüber hinaus Möglichkeiten gezeigt, sich erfolgreicher an dieses anzupassen. Aus dem Bedürfnis nach Beständigkeit und der Suche nach Verlässlichkeit heraus, wurden stabilere Umweltbedingungen angestrebt.

Die Auswirkungen des Klimawandels haben gezeigt, dass unsere bisherigen Wohn- und Lebensformen zunehmend inadäquat werden. Die historische Diskussion des idealen Klimas und der regionalen Klimageographie der USA, wie sie für die gebildete Öffentlichkeit wissenschaftlich fundiert geführt wurde, liefert nicht nur neue Denkanstöße für drängende Fragen unserer Zeit, sondern verdeutlicht auch, worauf sich viele unserer aktuellen Diskurse stützen."

10.11.2022

Schmuggel über die Hohen Tauern – der Salzburger Pinzgau als Tatort

Anselm Eberl, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

"Beim Betrachten der Geschichte des Landes Salzburg fällt in den letzten 222 Jahren eine Konstante auf – der Wandel. Seine heutige Lage – im Herzen Österreichs und doch an zwei internationalen Grenzen – scheint es auch für Durchzugsverkehr zu prädestinieren, wäre da nicht der Alpenhauptkamm, der die südliche Landesgrenze darstellt und die Durchquerung erschwert. Diese natürliche Barriere bietet historisch betrachtet aber auch Schutz, oder Möglichkeiten verdeckt Grenzen zu überschreiten.  

Im Vortrag beleuchten wir diese undurchsichtige Vergangenheit im Bereich des heutigen Bezirks Zell am See. Gründe und Möglichkeiten für illegale Grenzübertritte werden diskutiert, ebenso was und wie geschmuggelt wurde. Herrschaftswechsel – damit einhergehender politischer Wandel oder Grenzveränderungen – sowie Bedeutungsgewinne oder -verluste bestimmter Gruppen/Waren/etc. spielen hierbei eine wichtige Rolle. Ein Blick über die Zeit verdeutlicht die sich ändernden Herausforderungen, denen die lokale Bevölkerung sowie die Staatsmacht ausgesetzt war."

08.12.2022

Spätmittelalterliche Landwehren im Landkreis Lüchow-Dannenberg

Dana Dietrich, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Die vorgestellte Masterarbeit befasst sich mit mittelalterlichen Wehranlagen als Quellen der Historischen Geographie an Beispielen von Landwehren aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg. Der Vortrag stellt den aktuellen Stand der Arbeit vor und soll das Potential dieses interdisziplinaren Forschungsfeldes sowie Problematiken aufzeigen. Als Quellen dienen hauptsächlich Altkarten, Urkunden und Akten aus dem Archivstudium sowie Erkenntnisse aus Begehungen und Studien der Relikte im Feld. Darüber hinaus befasst sich die Arbeit mit der Bedeutung der Anlagen als historische Kulturlandschaftselemente allgemein und im Kontext der Region.

12.01.2023

Museale Ausstellungen im Nationalsozialismus. Eine Analyse ausgewählter Reichs- und Gauausstellungen

Sandra Kropf, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Beschreibung folgt.


19.05.2022

Frühneuzeitliche Landesaufnahme, Feldmesserwesen, Markenbeschriebe und Grenzbefunde auf ehemaligen Territorien der Reichserbtruchsessen zu Waldburg

Philipp Scheitenberger, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Mit Kartenwerken von Johann Andreas Rauch und Johann Rudolph Mohr sind einige prominente Beispiele der frühneuzeitlichen Landesaufnahme des 17. und 18. Jahrhunderts auf den ehemaligen Territorien der Reichserbtruchsessen zu Waldburg überliefert. Ausgewählte Beispiele dieser Kartenwerke werden im Rahmen des Vortrags vorgestellt und im Kontext Ihrer zeitgeschichtlichen und praktischen Entstehungskontexte besprochen. Kartographische Landeaufnahmen der Frühen Neuzeit visualisieren meist temporäre Endpunkte von Herrschaftsräume strukturierenden Territorialisierungsprozessen, die bereits im Spätmittelalter abliefen. Bedeutend wurde diesbezüglich auch ein neues Verständnis von Grenzen als trennende Linien zwischen räumlich klar definierten, flächenhaften Herrschaftsgebilden. Notwendig war zur Umsetzung von Landesaufnahmen und vor allem zur Festlegung und Kontrolle von Grenzverläufen die Verfügbarkeit eines professionellen Feldmesserwesens sowie die schriftliche Dokumentation der Lage und Beschaffenheit von Grenzmarken. Ein kohärentes Verständnis der frühneuzeitlichen Landesaufnahme auf den ehemaligen Territorien der Reichserbtruchsessen zu Waldburg soll zudem mittels der Präsentation von Ergebnissen aus der zusammenschauenden Auswertung von historischen Text- und Kartenquellen sowie Befunden in der rezenten Landschaft hergestellt werden.

09.06.2022

Herausforderungen der geographiegeschichtlichen Quelleninterpretation im Übergang von der Weimarer Republik zur NS-Zeit. Das Beispiel Bayerische Ostmark

Patrick Reitinger, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Wer sich mit der Geschichte des NS-Gaus Bayerische Ostmark beschäftigt, stößt automatisch auf den Namen Kurt Trampler und eine Vielzahl von ihm veröffentlichter Bücher und Aufsätze aus den Jahren 1931 bis 1935. Trampler hat sich in der Forschungsgeschichte durch seine zeitgenössischen Publikationen zu „Not und Aufbau der bayerischen Ostmark“ (1934) eine prominente Position erarbeitet und gilt heute als wichtigster nationalsozialistischer Wissenschaftler in der ersten Hälfte der 1930er Jahre zu diesem Themenkomplex. In den zentralen Monographien zur Geschichte des NS-Gaus Bayerische Ostmark, die seit Anfang der 2000er Jahre erschienen sind, wird bisher nicht die Frage gestellt, warum ein so verdienter Forscher im zentralen wissenschaftlichen Propagandawerk, dem „Atlas Bayerische Ostmark“ (1939), nicht mehr auftaucht. Der Vortrag geht den biographischen Stationen eines jungen Nachwuchswissenschaftlers im Übergang von der Weimarer Republik zur NS-Zeit nach und zeigt am Beispiel ausgewählter Archivalien, welche Fallstricke sich bei der Quellenauswertung in historisch-geographischen Forschungsprojekten zur NS-Zeit ergeben können.

30.06.2022

Aushandlungsprozesse um kulturelles Erbe an Orten des Nationalsozialismus

Sarah Leuders, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Der Vortrag gibt einen Einblick in das Promotionsvorhaben der Referentin, das sich mit Aushandlungsprozessen um die Entstehung und Gestaltung von Gedenk- und Erinnerungsorten an Opfer der sogenannten NS-„Euthanasie“ auseinandersetzt. Angelehnt an Debatten um Teilhabe marginalisierter Gruppen an kollektiven Erinnerungspraktiken, soll der Fokus dabei auf die Perspektive einer aktivistischen Behindertenbewegung gelegt werden. Neben der historischen Entwicklung von Erinnerungsorten an Opfer der NS-„Euthanasie“ nach 1945, werden in dem Vortrag auch aktuelle Aushandlungsprozesse um Gedenkorte aufgegriffen.

02.12.2021

Anarchists care about books. Über die Räumlichkeit radikaler Druckwerke und die Buchgeographie als Methodik für die Rekonstruktion globaler Buchmigration

Anna Regener, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Ich möchte in meinem Vortrag mein Promotionsprojekt zur Historischen Geographie von Büchern vorstellen. Ich untersuche dabei gedruckte Bücher, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts zur Idee und zum Thema des Anarchismus veröffentlicht wurden. Die Zirkulationen und Migrationen dieser Bücher zu verorten, in ihrem jeweiligen lokalen historischen Kontext zu situieren und zu kartieren, das ist der Ansatz, um am Ende eine globale historische Buchgeographie des Anarchismus zu schreiben. Der Ansatz zeigt desweiteren Wege auf, wie bibliographische Daten systematisch ausgewertet und visualisiert werden können.

09.12.2021

Das Hochwasser von 1882 im Kronland Tirol (insbesondere Südtirol) und die Institutionalisierung der Wildbachverbauung – Rekonstruktion einer landschaftsprägenden Debatte

Manuel Feilner, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Die Hochwasserkatastrophe von 1882 in Tirol und Kärnten war besonders für Südtirol ein Ereignis mit schwerwiegenden Folgen: So entstand nicht nur ein Schaden von 30 Millionen Gulden (etwa 400 Mio. Euro), sondern ein gesteigertes Bedürfnis nach wirksamen und konsequenten Maßnahmen zur Kontrolle der Gewässer, insbesondere der Wildbäche. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Zeitungen wurden zahlreiche Ideen und Möglichkeiten der Wildbachverbauung bzw. Gewässerregulierung diskutiert. Dies hatte zur Folge, dass die Donaumonarchie ab 1883 die Wildbachverbauung gesetzlich regelte und schließlich 1884 das „K. u. k. Amt für Wildbachverbauung“ ins Leben rief. In meinem Vortrag möchte ich einen Überblick über den Ursprung und die Bedeutung der modernen Wildbachverbauung in Tirol geben.

13.01.2022 TERMIN MUSS LEIDER ENTFALLEN

Die neue Wanderlust? Der Einfluss von Wandervereinen auf die touristische Wegeerschließung

Andreas Fenz, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Termin entfällt.

20.01.2022 TERMIN MUSS LEIDER ENTFALLEN

Aushandlungsprozesse um kulturelles Erbe an Orten des Nationalsozialismus

Sarah Leuders, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Der Vortrag gibt einen Einblick in das Promotionsvorhaben der Referentin, das sich mit Aushandlungsprozessen um die Entstehung und Gestaltung von Gedenk- und Erinnerungsorten an Opfer der sogenannten NS-„Euthanasie“ auseinandersetzt. Angelehnt an Debatten um Teilhabe marginalisierter Gruppen an kollektiven Erinnerungspraktiken, soll der Fokus dabei auf die Perspektive einer aktivistischen Behindertenbewegung gelegt werden. Neben der historischen Entwicklung von Erinnerungsorten an Opfer der NS-„Euthanasie“ nach 1945, werden in dem Vortrag auch aktuelle Aushandlungsprozesse um Gedenkorte aufgegriffen.

27.01.2022

Schienengebundener Nahverkehr in Karlsruhe - von den Anfängen in der Stadt zum „Karlsruher Modell“

Andreas Metz, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Karlsruhe ist die 1715 gegründete Badische Residenzstadt. Im Jahre 1843 begann mit der Eröffnung des damaligen Bahnhofs das Bahnzeitalter. Die Stadt besaß zu diesem Zeitpunkt rund 25.000 Einwohner. Mit dem stetigen Anstieg der Bevölkerung wuchs auch das Bedürfnis nach öffentlichen Personennahverkehr, welches alsbald befriedigt werden sollte. Zeitweise gab es bis zu vier unterschiedliche Bahnunternehmen mit ihren jeweils eigenen Gleisen. Die Schienen der Staatsbahn behinderten jedoch auch die Entwicklung der Stadt, weshalb bald, wie gleichfalls in anderen Städten, die Bahnhofsfrage gestellt wurde. Die Karlsruher Straßenbahn baute währenddessen ihr Netz immer weiter aus, übernahm die Konkurrenz und vertraute auf das System, während andere Städte nach und nach auf Busse umstellten. In den 1990er Jahren entstand unter Führung des „Straßenbahnpapstes“ Dieter Ludwig das viel beachtete Karlsruher Modell, bei dem Straßenbahn und Stadtbahn miteinander verknüpft sind. Vor wenigen Wochen begann auch das neue Zeitalter der U-Straßenbahn in der heute rund 300.000 Einwohner zählenden Stadt.

In meiner Untersuchung für die Abschlussarbeit versuche ich, die Netze des schienengebundenen ÖPNV in Karlsruhe mittels Altkarten in GIS zu rekonstruieren. Des Weiteren werden noch heute vorhandene Relikte vergangener Strecken und Bahnen im Stadtbild ausfindig gemacht sowie kartiert. Nebenbei spielt auch die Stadtentwicklung eine untergeordnete Rolle.

03.02.2022 TERMIN MUSS LEIDER ENTFALLEN

Buchvorstellung

Villen und Landhäuser im Vordertaunus. Eine Kulturlandschaft im Rhein-Main-Gebiet“

Johannes Müller

Nirgendwo sonst in der Bundesrepublik verdichtet sich der Reichtum derart kleinräumig wie am Ostabfall des Taunus, zwischen Königstein, Kronberg und Bad Homburg vor der Höhe. An den ‚Millionärshügeln‘ bildete sich bereits im 19. Jahrhundert eine Villen- und Gartenlandschaft heraus, die den Vergleich mit dem Starnberger See und Berliner Grunewaldgebiet nicht zu scheuen braucht. Die Kulturlandschaft des Vordertaunus wird mit diesem Werk erstmals umfassend gewürdigt.
In einem Panorama fächert der Autor die Bedingungen auf, die zur Entdeckung und Erschließung der Landschaft geführt haben. Hierzu gehören die Entwicklung einer Malerkolonie, das Vorhandensein von Heilquellen als frühe Ansätze des Kurwesens und schließlich auch die nahe Lage zu Frankfurt, die erst die finanziellen Ressourcen zur Entstehung dieser einzigartigen Siedlungsstruktur hervorgebracht haben.

Das Buch erscheint 2022 im Nünnerich-Asmus Verlag.

22.04.2021

Klimawandeladaption in fränkischen Städten – Hitze, Dürre & Niedrigwasser in der Stadtentwicklung

Vitus Mayr, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

In den 2010er Jahren konnten die Folgen der Klimaerwärmung im Alltagsleben stärker nachvollzogen werden, als zuvor erwartet. Die Debatte um die Folgen des Klimawandels hat Fahrt aufgenommen und ist, parallel zum Erstarken der Klimabewegung, auch in die Pläne der Städte in Franken eingegangen. Adaption und Resilienz sind nicht neu gewesen in den betrachteten Städten, doch momentan ist trotz der Covid19-Pandemie vieles in Bewegung. Dabei haben sich die Städte im Wesentlichen auf Strategien festgelegt, die Anreize für Eigentümer*innen schaffen sollen, den öffentlichen Raum besser auf Erhitzung vorzubereiten. In meinem Vortrag möchte ich einen Überblick über Maßnahmen geben und inwiefern weitreichende Ideen und Debatten aus der Wissenschaft aufgegriffen werden können. 

29.04.2021

Historische Geographie und raumbezogene Perspektiven in den historischen Kulturwissenschaften: Eine interdisziplinäre Diskussion

Podiumsdiskussion

Dem Spatial Turn ist es zu verdanken, dass auch jenseits der Geographie Raum in vielen Disziplinen eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielt. Besonders spannend wird die Frage nach Räumlichkeit im Kontext explizit historisch arbeitender Fächer. Im Rahmen des Oberseminars wird anhand von vier Dissertationsprojekten aus der Historischen Geographie und den historischen Kulturwissenschaften über Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Verwendung von Raumkonzepten diskutiert. Die (digitale) Podiumsdiskussion findet im Rahmen eines Aufenthalts von drei Nachwuchswissenschaftlerinnen an der Professur für Historische Geographie im Sommersemester 2021 statt. Einblicke in ihre Arbeiten geben Verena Baier (Universität Regensburg), Hannah Beck (Universität Konstanz), Patrick Reitinger (Universität Bamberg) und Kathleen Siemermann (LMU München).

06.05.2021

Anarchists care about books. Über die Räumlichkeit radikaler Druckwerke und die Buchgeographie als Methodik für die Rekonstruktion globaler Buchmigration

Anna Regener, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Vortrag entfällt und wird im Wintersemester 2021/2022 nachgeholt.

20.05.2021

Zeit, dass sich was dreht – Windenergieanlagen aus denkmalkundlicher Perspektive

Leo Bockelmann, Bauhaus-Universität Weimar

Mittlerweile zeugen fast 30.000 Windenergieanlagen davon, dass die Energiewende nicht mehr nur Zukunftsvision, sondern bereits in vielerlei Hinsicht (gebaute) Realität ist. In der Denkmalpflege bleibt die Perspektive darauf bisher jedoch primär auf mögliche Auswirkungen der Neuerrichtung auf bestehende Denkmale beschränkt. Allerdings zeigt nicht zuletzt der Abriss zahlreicher älterer Anlagen im Zuge des sogenannten „Repowerings“, dass die Energiewende in Teilen bereits wieder „Geschichte“ ist. Daher bedarf es auch einer denkmalkundlichen Auseinandersetzung mit Windenergieanlagen, um diese als bedeutende Zeugnisse einer prägenden Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zu erhalten. Der Vortrag möchte überblicksartig Vorgehen, Ergebnisse und Rückschlüsse aus einer solchen Auseinandersetzung vorstellen.

27.05.2021

Genossenschaftliche Lagerhäuser in Franken – Elementare Bestandteile eines Strukturwandels in der Landwirtschaft

Simon Kotter, Institut für Fränkische Landesgeschichte

Genossenschaftliche Lagerhäuser waren und sind in vielen Städten und Gemeinden ortsbildprägende Gebäude, deren Bedeutung für die Entwicklung einer modernen Landwirtschaft bisher nicht gewürdigt wurde. Dass diese Lagerhäuser eng verknüpft waren mit den landwirtschaftlichen Genossenschaften nach den Grundsätzen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888), liegt auf der Hand, doch lässt sich das Phänomen nicht allein aus der Genossenschaftsgeschichte heraus erklären. Ausgehend vom spezifischen Gebäudetypus, soll daher im vorgestellten Dissertationsprojekt auf die Funktion und Organisation eines genossenschaftlichen Lagerhauses sowie die dahinterstehenden Akteure eingegangen und so für die Agrargeschichte eine neue Perspektive eröffnet werden. 

10.06.2021

Der Beginn der Elektrifizierung in Oberfranken. Akteure, Voraussetzungen, Hindernisse, Auswirkungen und Reichweite

Walter Gaube, Institut für Fränkische Landesgeschichte

Elektrische Energie zählt zu den zentralen Versorgungsgrundlagen und häufig unhinterfragten Selbstverständlichkeiten des unseres Alltages. Stromtrassen, Trafostationen, Umspannwerke und Oberleitungen fügen sich nahezu „natürlich“ in das gewohnte Bild unserer heutigen Umwelt ein. Als Untersuchungsgegenstand der Geschichtswissenschaft wurde die Elektrifizierung mithilfe verschiedener Ansätze untersucht. In den letzten Jahrzehnten widmete sich die Forschung vor allem kultur- und wirkungsgeschichtlichen Fragestellungen. Im vorgestellten Dissertationsprojekt zum Beginn der Elektrifizierung in Oberfranken geht es nicht primär darum, die technische Entwicklung und einen vermeintlich geradlinigen Prozess hin zu unserem heutigen Stromnetz nachzuzeichnen. Vielmehr soll hier der Versuch unternommen werden, die Elektrifizierung als wichtigen Faktor für die Konstitution und Konstruktion von Räumen, sowie die wechselseitigen Verflechtungsprozesse von Elektrizität und gesellschaftlicher Realität darzustellen.

17.06.2021

Moderne auf dem Land? Städtebau und Raumplanung im Kontext der industrialisierten DDR-Landwirtschaft

Fridtjof Florian Dossin, Bauhaus-Universität Weimar

Das Bauwesen war ein konstituierender Bestandteil der gesellschaftlichen Entwicklung der DDR. Neben dem „urbanen Raum der Arbeiter“ wurde deshalb auch der „nicht-urbane Raum der Bauern“ gestaltet. Die dafür entwickelten Konzepte aus dem Bereich der Architektur-, Stadt- und Territorialplanung sind besonders mit der sogenannten „Einführung industriemäßiger Methoden in der Land- und Bauwirtschaft“ ab den 1960er-Jahren kaum untersucht. Ziel war die „Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land“ sowie die „Anpassung der Lebensverhältnisse an die industrialisierte Landwirtschaft.

Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die sogenannten „Ländlichen Siedlungszentren“, welche durch moderne Planungen ein neues Dorf- und Landschaftsbild prägten und noch heute räumlicher Ausdruck dieser Bestrebungen sind.

24.06.2021

Entwicklung und Einfluss von historischen Wander- und Pilgerwegen auf die touristische Wegeerschließung

Andreas Fenz, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

In Zeiten von Corona erfährt der Wandertourismus im Augenblick regen Zuspruch. „Das Wandern“ stellt dabei allerdings kein neues Phänomen dar, sondern kann auf eine lange Tradition zurückblicken.

Aber welche konkreten Spuren und Veränderungen hat diese Form des Tourismus nun in einem abgrenzbaren Raum hinterlassen? Im Rahmen einer Masterarbeit soll sich deshalb mit historischen Tourismusformen im Kontext der historischen Tourismusgeographie auseinandergesetzt werden. Im Mittelpunkt steht die, bis ins 18. Jahrhundert zurückreichende, historische Wanderwegforschung. Als geographischer Raum der Darstellung dient dabei Neustadt an der Aisch und dessen Umland.

Der Fokus des Vortrages richtet sich darauf, erste konzeptionelle Überlegungen vorzustellen und die Fragestellung, nach Möglichkeit im Rahmen der Diskussion, zu konkretisieren.

01.07.2021

Kaffee-Schmuggel in der Eifel: Lukratives Geschäft in den Nachkriegsjahren. Eine historisch-geographische Betrachtung

Robin Radl, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte eine Knappheit an Nahrungsmitteln. Gegen Bezugsschein und Bargeld konnten in den Läden nur bestimmte Lebensmittel in einer festgelegten Menge erworben werden. Auf dem Schwarzmarkt dagegen gab es alles zu kaufen. Der Schmuggel von Bohnenkaffee war besonders lukrativ, weil es in der britischen Besatzungszone eine hohe Steuer auf Kaffee gab. Die Stadt Aachen mit ihrem Umland wurde wegen der Nähe zur belgischen und niederländischen Grenze zum Zentrum des Kaffee-Schmuggels in der Nachkriegszeit von 1945 bis 1953.

In dem Vortrag werde ich die Fragestellung mit einem theoretischen Konzept konkretisieren und erste Ergebnisse vorstellen. Im Zentrum stehen die Mittel, mit denen die Schmuggler durch die Grenze gelangten und die Art der Wege, die die Schmuggler benutzten.

08.07.2021

„God save the village green!“ – Britische Identität im Pop und Rock der 1960er Jahre

Jost Dockter, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

„Längst sind Werke der Literatur und der bildenden Künste als Gegenstand historisch-geographischer Forschung etabliert. Weitaus seltener sind Versuche, sich musikalischen Werken mittels historisch-geographischen Fragestellungen zu nähern. Der Vortag möchte das Potential solcher Ansätze anhand der Pop- und Rockmusik der 1960er Jahre verdeutlichen, indem gefragt wird, inwiefern Lieder und Alben international erfolgreicher Interpreten aus dem Vereinigten Königreich tatsächlich „typisch britisch“ waren. In welchem Maße hallt in ihnen ihr historisch-geographischer Entstehungskontext nach? Zur Beantwortung dieser Fragen werden die von britischen Künstlern im Verlaufe des Jahrzehnts gezeichneten Raumbilder und ihre prägende Wirkung auf unser heutiges Bild von Großbritannien in den sogenannten „Swinging Sixties“ erörtert.“

05.11.2020

Den historischen Wurzeln von Aquaponik auf der Spur – eine agrargeographische Untersuchung

Julia Eisenmann, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Moderne wasserbasierte Anbauverfahren wie Hydroponik oder Aquaponik nehmen eine immer wichtigere Stellung in der globalen Nahrungsmittelproduktion ein. Chemische Nährlösungen oder aufwendige Technik mindern jedoch häufig ihre Nachhaltigkeit. Interessanterweise waren wasserbasierte Systeme zur Nahrungsmittelproduktion bereits zu vorindustrieller Zeit weltweit verbreitet. Diese waren nicht nur artenreiche Ökosysteme, sondern auch in der Lage, ohne Technik und chemische Mittel in landwirtschaftlich minderwertigen Regionen hohe Erträge zu erzielen. Die Tradition der betrachteten wasserbasierten Systeme reicht in manchen Fällen bis zu mehrere tausend Jahre zurück und wird oft bis in die Gegenwart weitergeführt. In meinem Vortrag präsentiere ich die Ergebnisse meiner Masterarbeit und zeige, dass Traditional Ecological Knowledge (TEK) zur Lösung verschiedener Fragestellungen in der Nahrungsmittelproduktion beitragen kann, während durch sie geprägte Kulturlandschaften dank Öko-Tourismus erhalten werden können und Einkommensmöglichkeiten generieren.

12.11.2020

Die Chausseen des Fränkischen Reichskreises – Signum und Vehikel eines beginnenden Strukturwandels?

Jost Dockter, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Zwei Jahre nachdem das Promotionsvorhaben über die Chausseen des Fränkischen Reichskreises erstmals im Rahmen des Oberseminars der Historischen Geographie vorgestellt wurde, steht nun der Beginn des eigentlichen Schreibprozesses unmittelbar bevor. Daher soll die schließlich gewählte Fragestellung und Methodik nochmals in den Fokus und anschließend zur Diskussion gestellt werden. Zentrale Bedeutung kommt dabei dem Begriff des Strukturwandels und der Frage zu, inwiefern dieser sich zur Analyse der verkehrspolitischen Tätigkeiten der fränkischen Kreisstände in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eignet. Ebenso soll erörtert werden, inwiefern die Beschäftigung mit den Chausseen des Fränkischen Reichskreises auch für die Gegenwart von Relevanz ist.

26.11.2020

„Lieber tschechisch sterben als bayerisch verderben!“ Der kleine Ostgrenzendiskurs in der Weimarer Republik

Patrick Reitinger, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Die bisherige Forschung zu Ostbayern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert sich vor allem auf die Zeit des Nationalsozialismus. Mit der Gründung des NS-Gaus Bayerische Ostmark wurden ab 1933 die ehemaligen Kreise Oberfranken, Oberpfalz und Niederbayern zusammengefasst und in den Fokus nationalsozialistischer Raumpolitik gerückt. Ziel war zunächst die Errichtung eines Bollwerks gegen die Slavengefahr aus dem Osten und die Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung in der Grenzregion. Diese litt nicht zuletzt durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise unter hoher Arbeitslosigkeit und großer Armut. Die Wurzeln der NS-Raumpolitik liegen in der Weimarer Republik. Der Vortrag zeichnet die Entwicklung dieses „kleinen Ostgrenzendiskurses“ nach und zeigt exemplarisch, wie ländliche Strukturpolitik zur internationalen Geopolitik werden konnte.

07.01.2021

Klimawandeladaption in fränkischen Städten – Hitze, Dürre & Niedrigwasser in der Stadtentwicklung

Vitus Mayr, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Der Vortrag muss leider an diesem Termin entfallen und wird voraussichtlich auf April 2021 verschoben.

21.01.2021

Ein Geograph in Japan. Die Reisetagebücher Johannes Justus Reins

Tobit Nauheim, Universität Bonn

J.J. Rein unternahm in den Jahren 1873-1875 im Auftrag des preußischen Handelsministeriums eine Forschungsreise nach Japan, während der er neben der Dokumentation japanischer Technologien zahlreiche geographische Untersuchungen durchführte und kontinuierlich Tagebuch schrieb. In Japan selbst gilt der ehemalige Bonner Geographieprofessor als einer der Begründer der wissenschaftlichen geographischen Forschung und wird bis heute dementsprechend gewürdigt. Am Anfang meines Promotionsvorhabens stehend, soll der Fokus des Vortrags auf der Relevanz des Reisetagebuchs für die Disziplingeschichte und ersten konzeptionellen Überlegungen des Forschungsprojekts liegen, um im Anschluss daran die Fragestellung sowie mögliche methodische Zugänge zu diskutieren.

28.01.2021

Entwicklung und Einfluss von historischen Wander- und Pilgerwegen auf die touristische Wegeerschließung

Andreas Fenz, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Der Vortrag muss leider krankheitsbedingt  entfallen.

04.02.2021

Die M.A.N. Brückenbauanstalt in Ginsheim-Gustavsburg. Eine industrielle Kulturlandschaft am Zusammenfluss von Rhein und Main

Johannes Müller, Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Bereits vor dem ersten Weltkrieg macht das Zweigwerk Gustavsburg der Vereinigten Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg (M.A.N.) mit bahnbrechenden Innovationen im Stahlhoch- und Brückenbau auf sich aufmerksam. Nahezu alle bedeutenden Rheinbrücken zwischen Worms und Duisburg sind unter Mitwirkung der Gustavsburger Filiale entstanden. Spätestens mit dem Bau des Tragwerks für die Wuppertaler Schwebebahn (1901) und dem Bau der Frankfurter Festhalle (1908) avanciert die Mainspitze  - die damals im Großherzogtum Hessen lag - zu einem Aushängeschild des größten Industrieunternehmens im Königreich Bayern.

Die Anfänge der Unternehmensfiliale gehen bis in die 1850er Jahre zurück als man von der Hessischen-Ludwigsbahn-Gesellschaft den Auftrag erhielt, an jenem Ort eine Eisenbahnbrücke, die heutige Mainzer Südbrücke (1862), über den Rhein zu bauen. Die Lage, der als Provisorium angedachten Brückenbauanstalt war derart günstig, dass sich das Unternehmen kurzerhand entschloss, hier dauerhaft sesshaft zu werden. Mit der Internationalisierung des Unternehmens in den 1890er Jahren erlebt Gustavsburg – bis dato nur aus wenigen Häusern bestehend - einen ungeahnten Aufstieg.

Im Vortrag soll der Entwicklungspfad von einem Montageplatz, zu einem der bedeutendsten Industriestandorte im Rhein-Main-Gebiet nachgezeichnet werden.

Der Vortrag findet in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen statt.