Foto einer Brieftaube im Fluge. Im Hintergrund: Schloss Friedrichshof mit Marstall und Rosengarten, undatiert, vermutlich um 1910.

- Professur für Historische Geographie

Topographien des Reichtums im wilhelminischen Deutschland: Eine Spurensuche an den mondänsten Orten der Republik

Vortrag von Johannes Martin Müller im Oberseminar der Historischen Geographie am 10. Januar 2019 von 16:15 Uhr bis 17:45 Uhr in KR1/00.05

Wir gehen gemeinsam auf Spurensuche, im zweitreichsten Landkreis der Bundesrepublik, dem Hochtaunuskreis (nach prognostizierter Kaufkraft, Referenz: 2018). 

Die auf der Altkönigvorstufe beheimateten Taunusrandgemeinden Kronberg und Königstein werden nicht erst seit heute als ‚Millionärshügel‘ und ‚Wohlstandsbalkon‘ bezeichnet. Mit dem Zug Frankfurter Eliten aufs Land, entwickelte sich dort ab den 1880er Jahren eine monetär hochgradig aufgeladene Kulturlandschaft, deren spezifische Relikte wir aufspüren wollen. Hierbei werden erste - und bedingt durch den privaten Charakter der Siedlungslandschaft - durchaus auch exklusive Forschungsergebnisse (des laufenden Masterprojekts) vorgestellt. Mit den Brieftaubenfotos des Kronberger Hofapothekers Dr. Julius Neubronner wurde auch hinsichtlich des kulturlandschaftlichen Methodenkoffers Neuland betreten.

Ebenso sind die Taunusvillen Technopolen, wenn es um die Verbreitung moderner Wohnkultur geht: Zum letzten Schrei um die Jahrhundertwende entwickelte sich nicht zuletzt eine Vacuum-Cleaner-Anlage (Zentralstaubsauger). Ferner wollen wir uns auch dem facettenreich gesellschaftlichen Leben, den Soireen, der Hausmusik, Lawn-Tennis und der Präsentation von Kunst zuwenden. Abgerundet wird der Vortrag durch eine Auswertung aller (zumeist temporär) am Taunusrand lebenden Millionäre um 1913, basierend auf Rudolf Martins Jahrbuch der Millionäre.