Das sowjetische Massenfest: Symbol- und Ritualpolitiken in der UdSSR und im Ostblock

Das Massenfest als Herrschaftsmittel der Bolschewiki ist der Gegenstand dieses Forschungsschwerpunktes. Und das in einem doppelten Sinne: Offizielle Festlichkeiten dienten den Bolschewiki und ihrem Propagandaapparat als Instrument, das sie zur Popularisierung von politischen Zielen und zur Manipulation von Menschen einsetzten. Aber es war auch ein Medium, durch das sich die Politik des Regimes erst realisierte. Herrschaft bediente sich der Feste, stellte sich aber auch in ihrem Vollzug her. Inszenierung und Realisierung von Herrschaft standen im Wechselverhältnis zueinander. Massenfeste nahmen in den ersten zwei postrevolutionären Dekaden einen bedeutenden Platz im Aufmerksamkeitsspektrum der Bolschewiki und ihrer Verbündeten ein. Die Sowjetunion der Zwischenkriegszeit war nicht nur ein „Propagandastaat“, sondern auch eine „Inszenierungsdiktatur“. Propaganda wurde zu wesentlichen Bestandteilen als öffentliche Zurschaustellung von Dogmen, Normen und Zukunftsvisionen betrieben.

Das Fest hatte dabei einen privilegierten Status im Kanon der Inszenierungskünste. Festliche Inszenierungen und Selbstinszenierungen des Regimes beschäftigten einen ständig wachsenden Apparat an Aktivisten, forderten zunehmend größere Ressourcen und mobilisierten immer mehr Menschen. Im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes wird der Frage nachgegangen, wie und warum das sowjetische Fest in den Jahren 1917 bis 1941 zu einem privilegierten Medium des Parteistaats werden und weshalb es diese Stellung behalten konnte.

 

Veröffentlichungen im Rahmen dieses Projekts:

 

Monographien und herausgegebene Schriften:

Soviet Mass Festivals, 1917-1991 [englische Übersetzung von Das sowjetische Massenfest], Pittsburgh: University Press, 2013.

Sovetskie massovye prazdniki [russische Übersetzung von Das sowjetische Massenfest], Moskau: ROSSPEN, 2009.

Fest und Diktatur / Festivals and Dictatorship, Journal of Modern European History, 3:1 (2006), Themenheft, herausgegeben zusammen mit Dietrich Beyrau.

Das sowjetische Massenfest, Hamburg: Hamburger Edition, 2006 (Link).

Sovetskij massovyj prazdnik v Voroneže i Central'no-Černozemnoj oblasti Rossii, 1927-1932 [Das sowjetische Massenfest in Voronež und dem zentralen russischen Schwarzerdegebiet, 1927-1932], Voronež: Verlag der Staatlichen Universität Voronež, 2000.

 

Aufsätze:

Leere 'Räume des Jubels'. Zur Erosion der Kampagnenöffentlichkeit in der späten Sowjetunion“, in: „Entwickelter Sozialismus“ in Osteuropa. Arbeit, Konsum und Öffentlichkeit, herausgegeben von Nada Boškovska, Angelika Strobel und Daniel Ursprung, Berlin: Duncker & Humblot, 2016, S. 83-108.

„Die Renaissance des Ausnahmezustands im "Zeitalter der Stabilität": Zur sowjetischen Mobilisierungsdiktatur und der Krise des Staatssozialismus in der Breschnew-Ära", in: Ausnahmezustände. Entgrenzungen und Regulierungen in Europa während des Kalten Krieges, herausgegeben von Cornelia Rauh und Dirk Schumann, Berlin: Wallstein, 2015, S. 92-112.

„Sovetizacija gorodskogo postranstva: Projektirovanie i perestrojka gorodov v Stalinskich vremen [Die Sowjetisierung des urbanen Raumes: Städtebau in der Stalin-Periode]“, in: Gumanitarnye nauki v Sibiri, 17:1 (2010), S. 21-35.

„Kanon und Gegenkanon: Offizielle Kultur und ihre Inversion in der UdSSR“, in: Osteuropa. Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens, Themenheft Dissidenz und Samizdat, 60:11 (2010), S. 173-189.

„A Hall of Mirrors. Sovietizing Culture under Stalinism“, in: Slavic Review. Interdisciplinary Quarterly of Russian, Eurasian, and East European Studies, 68:3 (2009), S. 601-630.

„Writing a Cultural History of Stalinism in Post-Soviet Times“, in: Revista de Historiografia, 10:VI (1/2009), S. 16-25.

„Die schönen Körper des Kommunismus. Sportparaden in der Sowjetunion der dreißiger Jahre“, in: Sport zwischen Ost und West. Beiträge zur Sportgeschichte Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert, herausgegeben von Arié Malz, Stefan Rohdewald und Stefan Wiederkehr, Osnabrück: fibre, 2007, S. 309-325.

„Die Feste der Anderen: Dissidenz und der sowjetische Symbolkosmos“, in: Eine andere Welt? Kultur und Politik in Osteuropa 1945 bis heute. Festschrift für Wolfgang Eichwede, herausgegeben von Heidrun Hamersky, Heiko Pleines und Hans-Henning Schröder, Stuttgart: ibidem 2007, S. 129-137.

„Norm, Abweichung und Aneignung: Kulturelle Konventionen und unkonventionelle Kulturen in der Nachkriegssowjetunion“, in: Totalitarismus und Demokratie, Themenheft Opposition im Ostblock, 4 (2007), S. 223-242.

„Feste im zarischen Russland“, in: Enzyklopädie des europäischen Ostens (EEO), Klagenfurt 2007 (http://eeo.uni-klu.ac.at/index.php?title=Feste_%28Russland%29#Feste_im_zarischen_Russland).

„Sozialistische Feste“, in: Enzyklopädie des europäischen Ostens (EEO), Klagenfurt 2007 (http://eeo.uni-klu.ac.at/index.php?title=Feste_%28Russland%29#Sozialismus).

„Die Feste der Macht und die Macht der Feste. Fest und Diktatur - eine Einleitung“, in: Journal of Modern European History, 3:1 (2006), S. 39-59.

„Das sowjetische Massenfest im Stalinismus (1932-1941)“, in: Geschichte und Gesellschaft, 32:1 (2006), S. 69-92.

„Imperium und Regionalität. Sportparaden und regionale Feste im Stalinismus“, in: Osteuropa, 56:5 (2006), S. 99-121.

„Feiern in Zeiten der Kulturrevolution. Das Massenfest in der Sowjetunion (1917-1932)“, in: Historische Anthropologie,13:2 (2005), S. 149-176.

„Zwischen antikirchlichem Gegenfest und volksreligiöser Feiertradition. Festkultur, Religion und Stalinismus in Sowjetrußland vor dem Zweiten Weltkrieg“, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 52:4 (2004), S. 494-514.

„The Leader's Many Bodies: Leader Cults and Mass Festivals in Voronezh, Novosibirsk, and Kemerovo in the 1930s“, in: Personenkulte im Stalinismus / Personality Cults in Stalinism, herausgegeben von Klaus Heller und Jan Plamper, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2004, S. 86-97.

„Working Towards the Centre: Leader Cults and Spatial Politics in Pre-war Stalinism“, in: The Leader Cult in Communist Dictatorships: Stalin and the Eastern Bloc, herausgegeben von Balazs Apor, Jan C. Behrends, Polly Jones und E. Arfon Rees, Palgrave: Macmillan, 2004, S. 141-157.

„Feste der Einheit und Schauspiele der Partizipation. Die Inszenierung von Öffentlichkeit in der Sowjetunion während des Ersten Fünfjahresplanes“, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 50:2 (2002), S. 163-171.

„Kul’ty ličnosti v gorodskom prostranstve. Voronež, Novosibirsk i Kemerovo v 1930-e gody“ [Führerkulte im städtischen Raum. Voronež, Novosibirsk und Kemerovo in den 1930er Jahren], in: Gorodskaja kul’tura Sibiri: Tradicii i novacii, herausgegeben von N.N. Pokrovskij und S.A. Krasil’nikov, Novosibirsk: SORAN, 2002, S. 86-97.

"„Das Leben ist leichter geworden“: Inszenierte Lebensstile zwischen 1927 und 1939 (Voronež)“, in: Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte, 1 (2002), S. 147-175.

„Feste des „roten Kalenders“: der Große Umbruch und die sowjetische Ordnung der Zeit“, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 49:2 (2001), S. 101-118.

„Constructing a Soviet Time. Bolshevik Festivals and their Rivals during the First Five-Year Plan“, in: Kritika. Explorations in Russian and Eurasian History, 1:3 (2000), S. 447-473.