Imperiale Biographien. Elitekarrieren in den Vielvölkerreichen der Romanows, Habsburger und Osmanen (1850-1918)

Konferenz- und Forschungsprojekt

Die Forschung zu den großen europäischen und asiatischen Imperien hat in den letzten Jahren eine neue Dynamik angenommen. Anknüpfend an die Einsichten der post colonial studies richtet sich der Fokus wieder stärker auf die kolonialen Akteure und ihre Biographien. Sie rezipiert dabei jene Befunde der neueren Biographik, die mehr denn je die sozio-kulturelle und situative Gebundenheit der Individuen unterstreicht. Das Forschungsprojekt „Imperiale Biographien“ wird diese Neuausrichtung aufgreifen und sich jener drei Vielvölkerreiche annehmen, die im langen 19. Jahrhundert den ostmitteleuropäisch-eurasischen Raum dominierten. Dabei ist intendiert, die Forschung auf drei Ebenen grundsätzlich weiter voranzubringen.

Das Forschungsprojekt wird zum einen die hohe Mobilität der imperialen Akteure in den Blick nehmen und in interdisziplinärer Weise deren Relevanz für den Wandel der Reichsverfassungen diskutieren. Dabei richtet sie ihren Fokus auf jene imperialen Eliten, deren berufliche Karrieren oft reichsweite Laufbahnen bedingten und deren Biographien auf vielfältige Weise mit den Reichstrukturen verbunden waren. Es ist zu klären, wie sie als Entscheidungsträger und professionelle Experten das Geschehen an verschiedenen Orten des Imperiums nachhaltig beeinflussten. Hier sind zugleich jene Mobilitätsmuster zu untersuchen, die die imperialen Karrierewege und Elitenzirkulationen prägten.

Zum zweiten gilt es, diese Strukturgegebenheiten mit den Selbstbildern der mobilen Akteure zu verknüpfen und nach der Genese ihrer Reichsbilder, Loyalitäten und Identitäten zu fragen. Der interdisziplinäre Blick auf die individuellen Biographien erlaubt Einsichten in die subjektive Sinngebung der Protagonisten, als deren Erfahrungs-, Vorstellungs- und Erwartungsraum uns das Imperium entgegentritt.

Zum dritten will das Forschungsprojekt die Transfer- und Verflechtungsgeschichte der Großreiche voranbringen. Die mobilen Eliten im ostmitteleuropäisch-eurasischen Interaktionsraum waren in vielfacher Form grenzüberschreitend miteinander verbunden und ihre Biographien offenbaren gerade in fächerübergreifender Perspektive transimperiale Verflechtungsmuster.

Das Forschungsprojekt macht also imperiale Biographien als Schnittstellen zwischen individuellen Lebenswirklichkeiten und ihren Sinndeutungen einerseits sowie den Reichsstrukturen und den bisweilen grenzüberschreitenden Mobilitätsmustern andererseits zum Thema. Ein solcher Zugang ermöglicht eine Neuausrichtung der komparativen Erforschung der Großreiche im langen 19. Jahrhundert, indem er die Wechselwirkungen von strukturellen Mobilitätsmustern, transimperialen Austauschbeziehungen und Akteursperspektiven in das Zentrum der Debatte stellt.

 

Im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft gegenwärtig das Projekt "Im Dienst des Zaren: Lebens- und Karrierewege der imperialen Verwaltungselite im ausgehenden Zarenreich (1855-1914)".

 

 

Konferenzprogramme "Imperiale Biographien"

 

Call for papers

http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=17048&sort=datum&order=down&search=imperiale+biographie

Konferenz in Berlin vom 3. bis zum 5. Mai 2012

http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/hist_mittelosteuropa/Imperiale_Biographien_I_-_Tagungsprogramm_-_Mai_2012.pdf

Konferenz in Bamberg vom 19. bis zum 21. Juli 2012

http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/hist_mittelosteuropa/Imperiale_Biographien_II_-_Tagungsprogramm_-_Juli_2012.pdf

 

Veröffentlichungen im Rahmen dieses Projekts:

 

Monographien und herausgegebene Schriften:

Imperija i Korolevstvo. Carskaja vlast’ v Pol’še [überarbeitete und ergänzte Übersetzung von Imperiale Herrschaft im Weichselland], Moskau: Novoe literaturnoe obozrenie, in der Reihe Historia Rossica. Okrainy Rossijskoj imperii, in Vorbereitung, 2018.

Rządy imperialne w Kraju Nadwiślańskim. Królestwo Polskie i cesarstwo rosyjskie (1864–1915), Warschau: Wydawnictwa Uniwersytetu Warszawskiego, 2016 (http://www.wuw.pl/product-pol-5999-Rzady-imperialne-w-Kraju-Nadwislanskim-Krolestwo-Polskie-i-cesarstwo-rosyjskie-1864-1915.html).

Untergangsszenarien und Zukunftsvisionen: Deutschland und Russland im Fin de Siècle, Themenheft Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, herausgegeben mit Peter Haslinger, 63:11 (2015).

Eliten im Vielvölkerreich: Imperiale Biographien in Russland und Österreich-Ungarn (1850-1918) / Elites and Empire: Imperial Biographies in Russia and Austria-Hungary (1850-1918), herausgegeben zusammen mit Tim Buchen, Berlin: De Gruyter, 2015 (http://www.degruyter.com/view/product/454997).

Imperiale Biographien, Themenheft Geschichte und Gesellschaft, 40:1 (2014), http://www.v-r.de/de/magazine_edition-0-0/geschichte_und_gesellschaft_2014_40_1-1010197/.

Imperiale Herrschaft im Weichselland: Das Königreich Polen im Russischen Imperium (1864-1915), München: Oldenbourg, in der Reihe Ordnungssysteme - Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit, 2014, http://www.degruyter.com/view/product/247946. Nominiert vom polnischen Historikerverband (Polskie Towarzystwo Historyczne) für den Preis „Pro Historia Polonorum“ als bestes ausländisches Buch zur polnischen Geschichte der Jahre 2012-17

Grenzgänger in Vielvölkerreichen: Grenzziehungen und -überschreitungen in Russland und Österreich-Ungarn (1840-1918), herausgegeben zusammen mit Jörn Happel, Berlin: Metropol, 2011 (Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 59:5).

Aufsätze:

„Kooperation im Konflikt? Die zarische Verwaltung im Königreich Polen zwischen Staatsausbau und gesellschaftlicher Aktivierung (1863-1914)“, in: Vom Vorrücken des Staates in die Fläche. Ein europäisches Phänomen des langen 19. Jahrhunderts, herausgegeben von Jörg Ganzenmüller und Tatjana Tönsmeyer, Köln: Böhlau, 2016, S. 35-64.

„Namiestnicy Królestwa Polskiego i generał-gubernatorzy warszawscy po powstaniu styczniowym (do 1914 roku)“ [Die kaiserlichen Statthalter und die Warschauer Generalgouverneure nach dem Januaraufstand von 1863 (bis 1914)], in: Wbrew królewskim aliansom. Rosja, Europa i polska walka o niepodległość w XIX wieku, herausgegeben von Łukasz Adamski und Sławomir Dębski, Warschau 2016, S. 355-391.

„Die Revolution von 1905 und der Wandel der Nationsbilder im Russischen Reich“, in: Revolution, Krieg und die Geburt von Staat und Nation. Staatsbildung in Europa und den Amerikas 1770-1930, herausgegeben von Ewald Frie und Ute Planert, Tübingen: Mohr Siebeck, 2016, S. 193-210.

„Untergangsszenarien und Zukunftsvisionen: Deutschland und Russland im Fin de Siècle. Einleitung", mit Peter Haslinger, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 63:11 (2015), Themenheft, herausgegeben von Peter Haslinger und Malte Rolf, S. 925- 929.

„Eliten und ihre imperialen Biographien. Zur Einführung“ / „Elites and Their Imperial Biographies. Introduction“, mit Tim Buchen, in: Eliten im Vielvölkerreich: Imperiale Biographien in Russland und Österreich-Ungarn (1850-1918) / Elites and Empire: Imperial Biographies in Russia and Austria-Hungary, 1850-1918, herausgegeben von Tim Buchen und Malte Rolf, Berlin: De Gruyter, 2015, S. 3-31.

Imperiale Biographien. Lebenswege imperialer Akteure in Groß- und Kolonialreichen (1850-1918) - zur Einleitung", in: Imperiale Biographien, herausgegeben von Malte Rolf, Themenheft Geschichte und Gesellschaft, 40:1 (2014), S. 5-21.

„Bureaucracy and Mobility in Late Imperial Russia. Reflections on Elite Careering and Imperial Biographies in a Multiethnic Empire“, in: Moskauer Vorträge zum 18. und 19. Jahrhundert, Nr. 16 (2013), herausgegeben von Ingrid Schierle (http://www.perspectivia.net/content/publikationen/vortraege-moskau/rolf_bureaucracy).

 "Russifizierung, Depolonisierung oder innerer Staatsaufbau? Konzepte imperialer Herrschaft im Königreich Polen (1863-1915)", in: Kampf um Wort und Schrift: Russifizierung in Osteuropa im 19.-20. Jahrhundert, herausgegeben von Zaur Gasimov, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2012, S. 51-88.

"Imperiale Herrschaft im städtischen Raum: Zarische Beamte und urbane Öffentlichkeit in Warschau (1870-1914)", in Russlands imperiale Macht. Integrationsstrategien und ihre Reichweite in transnationaler Perspektive, herausgegeben von Bianka Pietrow-Ennker, Köln: Böhlau Verlag, 2012, S. 123-153.

"Die Durchlässigkeit der Grenze: Einleitende Überlegungen zu Grenzgängern und ihren Lebenswelten in der späten Habsburger- und Romanow-Monarchie", in: Grenzgänger in Vielvölkerreichen: Grenzziehungen und -überschreitungen in Russland und Österreich-Ungarn (1840-1918), Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 59:5 (2011), Themenheft, herausgegeben von Malte Rolf und Jörn Happel, S. 397-404.