Matthias Baumgartl M.A.

 

Kurzvita

* 1990 in Nürnberg, Abitur 2010

2011-2014 Bachelorstudium der Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
2014-2018 Masterstudium der Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Università degli Studi di Firenze (Italien)

Masterarbeit: „Die Visualisierung von Rang und Ehre in der frühneuzeitlichen Diplomatie. Die Reise Ferdinands von Bayern zur Hochzeit Francesco de‘ Medicis mit Johanna von Habsburg.“

Beruflicher Werdegang

2013-2016 studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte

2017 studentische Hilfskraft im FNK-Vorbereitungsprojekt "Internationale Subsidientruppenprojekte der Frühen Neuzeit"

Dissertationsprojekt

Finanzierung: DFG (Sachbeihilfe)
Laufzeit: 1. April 2018 bis 31. März 2021

Große Handelsgesellschaften wie diejenigen der Fugger, Welser, Tucher und Imhoff standen und stehen meist im Mittelpunkt der Forschungen zu süddeutschen Unternehmen des 16. Jahrhunderts. Diese bildeten allerdings nur die ‚Spitze des Eisbergs‘: Kleine und mittelgroße Unternehmen, die von Einzelkaufleuten geleitet wurden, stellten die große Mehrzahl der kommerziellen Tätigkeiten dar. Zudem lässt sich im späten 16. Jahrhundert ein Strukturwandel im süddeutschen Fernhandel beobachten, zu dessen Kennzeichen ein Rückzug des reichsstädtischen Patriziats aus dem aktiven Handel, eine wachsende Präsenz italienischer und niederländischer Migranten in Oberdeutschland sowie die zunehmende Bedeutung flexibler Vertretungsformen (Agenten, Kommissionäre) gehörten. Ob dieser Strukturwandel auf eine langfristig gesehen höhere Resilienz von Einzelunternehmern zurückzuführen ist, steht als Leitfrage über diesem Projekt. Verfügten Einzelkaufleute über strategische Vorteile, etwa in Form schnellerer Entscheidungs- und Reaktionsmöglichkeiten, geringerer Transaktionskosten und einer höheren Flexibilität, die sie gegenüber den großen Handelsgesellschaften auf lange Sicht resilienter machten?
Der transalpine Handel bietet sich für eine derartige Untersuchung an, da hier Einzelkaufleute Träger eines intensiven, bis etwa 1620 anhaltenden Kommerzialisierungsprozesses waren. Die parallele Auswertung zweier überlieferter Buchhaltungen von Einzelkaufleuten im Rahmen verspricht vor diesem Hintergrund sowohl tiefe Einsichten in das Resilienz-Management von Einzelkaufleuten in der Zeit um 1600 als auch neue Perspektiven auf bislang wenig beachtete Aspekte des Transalpenhandels. Im Mittelpunkt dieses Projekts stehen die Kaufleute David Gauger und David Wagner.
David Gauger gelang als Sohn eines Augsburger Gastwirts der Aufstieg in die Reihen der reichsstädtischen Fernhändler. Sein Journal und Schuldbuch aus den Jahren 1588-1591, die im Augsburger Stadtarchiv überliefert sind, lassen ein spezifisches Geschäftsmodell erkennen: Gauger konzentrierte sich demnach auf den Einkauf von Schafwolle auf mitteldeutschen Märkten, etwa in Braunschweig, Halberstadt und Eisenach, sowie auf deren Absatz auf den Bozener Märkten und in Bergamo, einem Zentrum der oberitalienischen Wolltuchproduktion. Die Erlöse aus diesem Handel wurden mittels Wechseln über Venedig nach Augsburg remittiert. Gaugers Resilienz-Management scheint demnach vor allem auf Spezialisierung, dem Aufbau vertrauensbasierter Geschäftsbeziehungen und dem Zugang zu Kreditnetzwerken basiert zu haben.
Mit David Wagner wird ein Kaufmann erforscht, der Ende des 16. Jahrhunderts von Augsburg nach Bozen migrierte. Sein im Tiroler Landesarchiv Innsbruck aufbewahrtes Geschäftsbuch aus den Jahren 1598-1603 weist ein breiteres Warenspektrum  sowie eine größere geographische Reichweite aus als im Falle David Gaugers. Wagner handelte unter anderem mit Textilien, Kupfer und Leder, und seine Geschäftsbeziehungen reichten von Nürnberg bis Neapel. Außerdem kombinierte er Warenhandel und Finanzgeschäfte, etwa indem er Kredite an Tiroler Adelige vergab. Wagners transalpine Migration wirft zudem die Frage nach der Bedeutung des Standorts Bozen auf, der auch für David Gauger eine wichtige Rolle spielte. Da die Geschäftsbücher Gaugers wie Wagners eine ausgeprägte doppelte Buchführung aufweisen und beide Kaufleute die Möglichkeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs intensiv nutzten, erlauben beide Fallstudien weiterhin Rückschlüsse auf die Adaption italienischer Resilienz-Instrumente und Resilienz-Medien.

Publikationen

 

  1. (zusammen mit Michaela Schmölz-Häberlein und Hadrian Silberer) Der Antoni-Siechhof in Bamberg, in: Stiftungen, Fürsorge und Kreditwesen im frühneuzeitlichen Bamberg, hrsg. von Mark Häberlein und Michaela Schmölz-Häberlein (Bamberger Historische Studien, Bd. 13), Bamberg 2015, S. 11−46.
  2. Legate an geistliche und karikative Institutionen, in: Testamente Bamberger Frauen des 16. und 17. Jahrhunderts, hrsg. von Mark Häberlein (Bamberger Historische Studien, Bd. 17), Bamberg 2018, S. 67−87.