Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Neuere Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte

Projekt: Transatlantische Briefe

Bearbeitung: Matthias Schönhofer M.A.

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Der Amerikanische Linné

Wissenschaftliche und kommerzielle Austauschprozesse im atlantischen Raum zur Zeit der frühen Amerikanischen Republik stehen im Zentrum des Forschungsinteresses im von der DFG geförderten Projekt über das Korrespondenznetzwerk Gotthilf Heinrich Ernst Mühlenbergs (1753-1815), bekannt als Sohn des Patriarchen der Lutherischen Kirche in den USA, Heinrich Melchior Mühlenberg (1711-1787) sowie als American Linné.

Etwa zwischen 1780 und 1815 unterhielt Mühlenberg neben seinen seelsorgerischen Pflichten als lutherischer Pfarrer in Lancaster (Pennsylvania) eine sich ständig erweiternde Korrespondenz mit Naturforschern in den USA, Deutschland, Frankreich, Schweden, Portugal, England und Italien. Gerade bei der Sammlung und Erfassung der amerikanischen Flora (und Fauna), für die zu diesem Zeitpunkt lediglich einige Lokalfloren und Überblickswerke europäischer Autoren (unter anderem Linné selbst) zur Verfügung standen, spielte Mühlenberg eine zentrale Rolle. Seinem Ruf als American Linné steht allerdings eine relativ kurze Veröffentlichungsliste eigener botanischer Werke gegenüber, weshalb seine Aktivitäten als Wissenschaftsorganisator und "Netzwerker" in den Mittelpunkt einer Neubewertung seiner Person gerückt sind. 

Ein Grundanliegen des Projekts ist daher die Erschließung und Zusammenführung aller noch verfügbaren Korrespondenzen, die sich über eine Vielzahl europäischer und amerikanischer Archive verteilen. Auf dieser Quellenbasis ergeben sich folgende Bearbeitungsziele:

 - Erstellung einer kommentierten Teil-Edition der erfassten Briefe in einer online-Datenbank.

- Exemplarische Analyse des Aufbaus, der Entwicklung und Funktionsweise
  eines transatlantischen Briefnetzwerks an der Schwelle zum 19. Jahrhundert.

- Biographische Neubewertung der Rolle Mühlenbergs innerhalb der
  amerikanischen Botanik und der deutsch-amerikanischen gelehrten
  Beziehungen.

- Erforschung von Prozessen der Amerikanisierung des Netzwerks vor dem
  Hintergrund einer sich als übernational verstehenden Gelehrtenrepublik.

Methodisch orientiert sich das Projekt am Begriffsinstrumentarium der sozialhistorischen, Netzwerkanalyse; Anknüpfungspunkte ergeben sich insbesondere zur transatlantischen Geschichtsschreibung, zur Wissenschaftsgeschichte, Kommunikationsgeschichte und Geschichte intellektueller Eliten.

Das Mühlenberg-Projekt ist Teil eines größeren DFG-Forschungsvorhabens mit dem Titel "Atlantische Korrespondenzen: Genese und Transformation deutsch-amerikanischer Netzwerke 1740-1870", das an den Universitäten Bamberg, Hamburg und Göttingen angesiedelt ist.

Das Projekt strebt eine vergleichende Auswertung ausgewählter deutsch-amerikanischer Korrespondenznetzwerke an, die die zeitliche Entwicklung, Veränderbarkeit und Mehrdimensionalität transatlantischer Austauschsprozesse analysieren und verdeutlichen wird. Die Veröffentlichung der Ergebnisse wird in einer gemeinschaftlich erstellten Monographie erfolgen.