Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Neuere Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte

Arbeitsstelle zur Geschichte des Deutschen als Fremdsprache

Die Arbeitsstelle zur Geschichte des Deutschen als Fremdsprache (AGDaF) an der Universität Bamberg wurde im Sommer 2000 eingerichtet. Sie befaßt sich mit Untersuchungen zum Erwerb des Deutschen als Fremdsprache (DaF) durch Anderssprachige auf dem jeweiligen Stand der Sprachentwicklung. Der Untersuchungszeitraum reicht vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Dabei werden der hoch- und der niederdeutsche Sprach- bzw. Kontaktraum gleichermaßen berücksichtigt. Gegenstand der Forschung sind Berichte

- über die Verbreitung, d.h. den Erwerb von DaF infolge von Kolonisations- und Migrationsprozessen

- über die Entstehung und Entwicklung von Zweisprachigkeit mit Deutsch als Kontaktsprache

- über das Deutschlernen als Erfordernis für Reisende, Kaufleute, Handwerks- und Kaufmannsgesellen, Pilger, Diplomaten, Soldaten, Intellektuelle, ‚fahrendes Volk‘ und für temporäre Einwanderer

- und explizite Zeugnisse für das Erlernen des Deutschen, nämlich Glossare, Sprachbücher, Lerngrammatiken und (vor-)wissenschaftliche Grammatiken vom Späthumanismus bis zum 20. Jahrhundert.

Es werden aber auch komplementäre Erscheinungen im deutschen Sprachraum bearbeitet: die Geschichte des Erwerbs und der Lehre moderner, lebender Fremdsprachen hierzulande. Die AGDaF verfolgt zwei Ziele: sie möchte zum einen dem Arbeitsfeld Deutsch als Fremdsprache, dessen Nobilitierung zum akademischen Teilfach nicht sehr lange zurückliegt, die Perspektive auf seine eigene Geschichte öffnen, die jahrhundertlang im praktischen, handfesten Lernen und Lehren des DaF bestand. Sie will die Fachgeschichte des DaF voranbringen, die selbstredend nicht als die Geschichte eines wissenschaftlichen Faches verstanden wird, wie Hans-Martin Gauger (in der FAZ, s.u.) fälschlich vermutete, sondern als Geschichte eines Praxisfeldes, das bis ins Frühmittelalter zurückreicht.

Zum anderen möchte die AGDaF der sprachwissenschaftlichen Germanistik die transkulturelle Geschichte ihres Arbeitsgegenstandes verdeutlichen. Es ist ein Gemeinplatz, daß das Deutsche in jedem Abschnitt seiner Entwicklung im sprachlichen Austausch mit Nachbarsprachen stand. Ein zentraler sozialer Ort, an dem dieser Austausch stattfand, war das Lernen und Lehren des DaF durch Nichtdeutsche und das Lehren und Lernen anderer Sprachen durch Deutsche. Im Zentrum des Interesses stehen nicht die Resultate von Sprachkontakten, sondern die Personen(gruppen), die Träger von und Akteure in Sprachkontakten waren. Am intensivsten waren diese Kontakte in Mittel-, Nord- und Osteuropa, doch kam das Deutsche auch mit vielen weit entfernten Sprachen in Kontakt, namentlich durch Auswanderer, Kaufleute und Missionare und, während der kurzen kolonialen Geschichte Deutschlands, durch Militär- und Verwaltungspersonal.

Die AGDaF ist Trägerin von Forschungsprojekten, dient aber auch der Koordination der Forschung auf diesem Feld; ihre Sammlungen von Quellen (Filme, Schriftzeugnisse) sind externen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zugänglich. Sie ist in ein internationales Forschungsnetzwerk eingebunden, namentlich mit Wissenschaftlern in Dänemark, Finnland, Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Rußland, Schweden, Spanien, der tschechischen Republik und Ungarn. Sie wird von einem Beirat unterstützt, dem Vertreter verschiedener Nachbarfächer der Universität Bamberg angehören: Prof. Dr. Thomas Baier (Latinistik), Prof. Dr. Martin Haase (Romanistik), Prof. Dr. Christa Jansohn (Anglistik), Prof. Dr. Karl Möckl (Neuere und Neueste Geschichte), Priv. Doz. Dr. Friederieke Schmöe (Germanistik), Prof. Dr. Rudolf Stöber (Kommunikationswissenschaft), Prof. Dr. Peter Thiergen (Slavistik). Weiterhin arbeitet die AGDaF mit dem Interdisziplinären Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit der Universität Osnabrück zusammen (Geschäftsführender Direktor: Prof. Dr. Klaus Garber). Die AGDaF stützt sich auf Forschungsprojekte, Dissertationen und Abschlußarbeiten (Diplom, Magister). Ihre Aktivitäten werden auf den folgenden Seiten vorgestellt.

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Tagungen 

Publikationen

Prospekt der AGDaF