Vortragsreihe "Sodomiter, Päderasten, Homosexuelle" WS 2021/22

Im Wintersemester 2021/22 veranstaltet das Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg eine an eine breite Öffentlichkeit gerichtete Reihe von online-Vorträgen zum Thema:

Sodomiter, Päderasten, Homosexuelle.
Mann-männliches Begehren und sexuelles Handeln von der Antike bis zur Ehe für alle“

(Do. 19h00; uni-bamberg.zoom.us/j/95890490110; password: Sodom@2021; Organisation: Prof. Dr. Klaus van Eickels/Dr. Christine van Eickels; Beginn: 04.11.2021).

In den meisten westlichen Ländern besteht inzwischen ein weitgehender Konsens, dass sexuelle Orientierung (ebenso wie Geschlecht, Religion oder Hautfarbe) kein Grund für Diskriminierung sein darf. Dieser Konsens hat sich jedoch erst in den letzten Jahrzehnten herausgebildet. 1969 wurde in Deutschland der § 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern als „widernatürliche Unzucht“ unter Strafe stellte, in einen reinen Jugendschutzparagraphen umgewandelt (und 1994 abgeschafft). Erst die AIDS-Krise der 1980er Jahre aber führte (nach anfänglicher Polarisierung) zu einem neuen Nachdenken über eine vollständige Gleichstellung sexueller Minderheiten. Dennoch war die Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft 2001 und schließlich der „Ehe für Alle“ 2017 bis zuletzt von zahlreichen Diskussionen und Vorbehalten begleitet.

Toleranz und Gleichstellung für sexuelle Minderheiten sind keine Selbstverständlichkeit. Sie waren (und sind) Gegenstand teilweise sehr konfrontativ geführter Kontroversen in vielen europäischen Ländern. Homosexuelle Handlungen und ein als „queer“ erkennbarer Lebensstil werden in weiten Teilen der Welt bis heute von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung entschieden abgelehnt. Diese Gegensätze stellen sowohl die im weltweiten Rahmen agierenden christlichen Kirchen als auch eine an den Menschenrechten orientierte Entwicklungszusammenarbeit vor große Herausforderungen, die nur in Kenntnis und Bewusstsein der Entstehungszusammenhänge bewältigt werden können. Ein Blick auf die Entwicklung seit der Antike und auf die historischen Grundlagen der unsere heutigen Einstellungen prägenden Elemente ist daher von großer Aktualität.

Gegenstand der Vortragsreihe ist in erster Linie das mann-männliche Begehren, da dieses (nicht nur in Europa) in ganz anderer Weise als weibliche Homosexualität im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung stand und (was sexuelle Handlungen betrifft) Gegenstand negativer Normierung oder Bestrafung wurde. Anhand konkreter Beispiele aus Antike, Mittelalter, Früher Neuzeit und aus dem 19./20. Jahrhundert aus Europa, aber auch aus der islamischen Welt wird deutlich werden, dass sich die Wahrnehmung gleichgeschlechtlicher Liebe und Zuneigung ebenso wie das Verständnis menschlichen sexuellen Verhaltens (des homo- wie des heterosexuellen) im Laufe der letzten Jahrhunderte, vor allem aber seit der Zeit um 1900 grundlegend gewandelt haben.

Es erscheint aus heutiger westlicher Sicht selbstverständlich, das sexuelle Begehren als einen grundlegenden und wesensbestimmenden Teil der menschlichen Persönlichkeit zu begreifen und daher mann-männliche Zuneigung und homosexuelles Handeln als zusammengehörig zu betrachten. In der europäischen Vormoderne dagegen (und in vielen Teilen der Welt bis heute) wurde (und wird) das sexuelle Begehren als eine von außen an den Menschen herangetragene Versuchung verstanden, der es zu widerstehen gilt. Vormoderne Gesellschaften sahen (und sehen) daher kein Problem darin, einerseits homosexuelles Verhalten unter Männern als Störung der gottgewollten Ordnung der Geschlechter unter Strafe zu stellen, zugleich aber andererseits engen affektiven Bindungen unter Männern eine große soziale Bedeutung beizumessen. Die Vorträge der Reihe werden Schlaglichter auf die Vergangenheit werfen, die ein besseres Verständnis der historischen Entwicklung wie der Debatten unserer eigenen Gegenwart erlauben.

Die Vortragsreihe beginnt am 04.11.2021. Die Vorträge für November und Dezember sind dem beigefügten Programm zu entnehmen. Vorträge zur islamischen Welt, zum 19./20. Jahrhundert und zur Antike folgen im Januar und Februar 2022.

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Vortragsreihe Sodomiter, Päderasten, Homosexuelle(99.9 KB, 1 Seite)

Programm

Hinweis: Die Online-Vortragsreihe des Instituts für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Bamberg „Sodomiter, Päderasten, Homosexuelle. Mann-männliches Begehren und sexuelles Handeln von der Antike bis zur Ehe für alle (Do. 19h00-20h30; https://uni-bamberg.zoom.us/j/95890490110; password: Sodom@2021) wird morgen (25.11.2021) fortgesetzt. Der Vortrag von Prof. Dr. Günther Wassilowsky (Humboldt-Universität Berlin) zum Thema „Homosexuelle Netzwerke am frühneuzeitlichen Hof des Papstes“ muss aufgrund kurzfristiger Verhinderung des Referenten vorerst entfallen. Stattdessen spricht Prof. Dr. Klaus van Eickels (Bamberg) zum Thema „Eduard II. von England und seine Favoriten: Eine homosexuelles Liebesdrama im 14. Jahrhundert?“.

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Pressemitteilung: https://www.uni-bamberg.de/presse/pm/artikel/vortragsreihe-mann-maennliches-begehren/