Fast vergessene Geschichte

Trotz deutlicher Minustemperaturen und z.T. starkem Schneegestöber brachen am Donnerstag, 28. Januar 2010, zehn Bamberger Studierende in Begleitung von Prof. Dr. Bert Freyberger zu einer geschichtsdidaktischen Tagesexkursion auf. Ziele waren das KZ-Außenlager Hersbruck im Nürnberger Land und das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. 

Die Exkursion, die Bestandteil der Vorlesung ‚Gedenkstättendidaktik in Bayern’ bei Prof. Dr. Bert Freyberger und der Übung ‚NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Deutschland’ des Gastdozenten Dr. Eckart Dietzfelbinger war, führte zunächst in das ehemalige KZ-Außenlager Hersbruck.

1944/45 waren dort mehr als 6.000 Häftlinge u.a. aus dem Stammlager Flossenbürg untergebracht, die im nahe gelegenen Doggerstollen der Houbirg oberhalb von Happurg zur Erschließung und später Produktion kriegswichtiger BMW-Flugzeugmotoren eingesetzt wurden.

„Da jedoch teilweise bis zu 30 Menschen pro Tag an den Verhältnissen im Lager, durch Hinrichtungen, Hunger und brutale Gewalt der SS-Bewacher oder Lagerkorps starben, lag die Gesamtzahl der Hersbrucker Häftlinge mit etwa 9.000 bis 9.500 Menschen beträchtlich höher“, erklärte Dr. Alexander Schmidt, lange Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und seit kurzem nun im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg in maßgeblicher Position tätig.

Er führte die Studierenden mit großer Sachkenntnis über das heute konventionell genutzte ehemalige Lagergeländer rund um das neu erbaute Hersbrucker Finanzamt und stellte die unlängst eingeweihten Informationstafeln vor, durch welche das ehemalige Lagergelände zumindest indirekt wieder lesbar wird. Ferner erläuterte er die Diskussionen über Konzepte für einen Ausstellungspavillon beispielsweise auf dem alten Lagergelände oder direkt im Happurger Stollen. Nach der Besichtigung des Eingangs zum Doggerstollens sowie des ehemaligen Leichenverbrennungsplatzes bei Hubmersberg fuhren die Exkursionsteilnehmer in das 2001 eröffnete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände nach Nürnberg weiter.

Nachdem eine Geländebegehung aufgrund des widrigen Winterwetters entfallen musste, berichtete Dr. Eckart Dietzfelbinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dokumentationszentrum Nürnberg, umso ausführlicher über die bewegte Geschichte des Reichsparteitagsgeländes vor und nach 1945. Erst nach langwierigen Diskussionen und gegen zahlreiche Widerstände aus Politik und Bevölkerung, so Dietzfelbinger, sei der Bau des Zentrums nach einem halben Jahrhundert seit Kriegsende möglich worden. Darüber hinaus erläuterte er auch zukünftige Veranstaltungen, wie etwa ein in Planung befindliches gemeinsames Projekt mit der KZ-Gedenkstätte Auschwitz. Den Abschluss bildete ein Dokumentarfilm über das KZ-Außenlager Hersbruck aus dem Archiv des Zentrums.

„Mit derartigen Exkursionen geht es mir darum den Studierenden die Augen für (fast) vergessene bzw. verdrängte Geschichte ‚kleiner’ Lager zu öffnen, um zu zeigen, dass der NS-Terror nicht nur in bekannten Zwangs- und Todesstätten wie Dachau oder Flossenbürg statt fand. Besonders interessant ist die ‚zweite Geschichte’ dieser Orte, die auch heute noch sehr stark zwischen Verdrängung und Auseinandersetzung pendelt“, so Prof. Freyberger abschließend.

Weitere Informationen unter:

http://www.gedenkstaette-flossenbuerg.de/aktuelles/pressespiegel/

http://www.kz-hersbruck-info.de/

www.br-online.de/studio-franken/aktuelles-aus-franken/kz-aussenstelle-hersbruck-2009-kw47-ID1213186866662.xml