Apokalypse now? Die Klimakrise in journalistischen und literarischen Diskursen. Lesungen und Gespräche.

Es ist nicht fünf vor – es ist fünf nach zwölf. Das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, ist mittlerweile höchst unrealistisch. So hat etwa der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland – anders als am Anfang der Pandemie prognostiziert – im zweiten Corona-Jahr laut Umweltbundesamt nicht abgenommen, sondern ist um 33 Millionen Tonnen gestiegen. Obwohl Forscher:innen seit Jahrzehnten eindringlich vor den Folgen der Erderwärmung warnen, obwohl Bewegungen wie Fridays for Future und Extinction Rebellion lautstark ihre Stimme für den Klimaschutz erheben, greifen politische Weichenstellungen offensichtlich nicht weit genug bzw. zu langsam. Die Welt, so scheint es, steuert nahezu ungebremst auf eine anthropogene Klimakatastrophe zu – mit Extremwetterlagen, Überschwemmungen, Dürren und Waldbränden.

Diese Entwicklung wird zunehmend auch von Journalist:innen und Schriftsteller:innen thematisiert, reflektiert und verarbeitet. Hier möchte die Vortragsreihe ansetzen und – zwischen Dystopie und Utopie, zwischen Sachbericht und Spekulation – Fragen nachgehen wie: Welche Mittel müssen wir in die Hand nehmen? Welche Maßnahmen können die Menschheit noch retten? Wie ist eine nachhaltige globale Wirtschaft möglich, wenn der Kapitalismus verschwindet? Welche Rolle spielen die Künste im Klimadiskurs?

 

4. Mai 2022, 20 Uhr, Nick Reimer (U2, 00.25)

Nick Reimer, Jg. 1966, studierte Energieverfahrenstechnik, volontierte bei der Berliner Zeitung und war 2000 bis 2011 Wirtschaftsredakteur bei der taz. Seitdem schreibt er u.a. für Zeit online über Klima- und Umweltthemen. Für den Blog Klima-Lügendetektor.de erhielt er 2012 den Otto-Brenner-Preis. Seit 2014 hat er einen Lehrauftrag für Nachhaltigkeit und Journalismus an der Universität Lüneburg.

 

Aprikosen aus Hamburg, Kühlräume für Berlin und Hochleistungskühe im Hitzestress. Spätestens die Hitzesommer 2018 und 2019 haben es deutlich gemacht: Der menschengemachte Klimawandel ist keine Bedrohung für die ferne Zukunft ferner Länder, der Klimawandel findet statt – hier und jetzt. Doch welche Auswirkungen wird er auf unser aller Leben in Deutschland haben? In ihrem neuen Buch geben die Autoren Nick Reimer und Toralf Staud konkrete Antworten auf die Frage, wie der Klimawandel uns in Deutschland treffen wird. Auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse aus zahlreichen Forschungsfeldern schildern sie, wie wir in dreißig Jahren arbeiten, essen, wirtschaften und Urlaub machen. Welche neuen Krankheiten uns zu schaffen machen. Wie sich unsere Landschaft, unsere Wälder, unsere Städte verändern. Entstanden ist eine aufrüttelnde Zeitreise in die Zukunft: Selbst wenn wir den Klimawandel noch bremsen können, wird sich unser Land tiefgreifend verändern. Ohne verstärkten Klimaschutz jedoch wird Deutschland 2050 nicht wiederzuerkennen sein.

 

15. Juni 2022, 20 Uhr, Roman Ehrlich (U2, 00.25)

Roman Ehrlich, Jg. 1983, aufgewachsen in Neuburg an der Donau, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und der Freien Universität Berlin. Bislang sind von ihm erschienen Das kalte Jahr (2013), Urwaldgäste (2014) und Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens (2017). Für seine Werke wurde er u.a. mit dem Robert-Walser-Preis (2014), Ernst Toller-Preis (2016) und Alfred Döblin-Medaille (2017) ausgezeichnet.

 

Alle Versuche, die Malediven vor dem steigenden Meeresspiegel zu retten, sind gescheitert, Pauschaltouristen haben sich neue Ziele gesucht, und der Großteil der Bevölkerung musste die Inseln verlassen. Gleichzeitig ist die heruntergekommene Hauptstadt Malé zum Ziel all jener geworden, die nach einer Alternative zum Leben in den gentrifizierten Städten des Westens suchen. Und so wird die Insel für die kurze Zeit bis zu ihrem Untergang zur Projektionsfläche für Aussteigerinnen, Abenteurer und Utopistinnen, zu einem Ort zwischen Euphorie und Albtraum, in dem neue Formen der Solidarität erprobt werden und Menschen unauffindbar verschwinden. Mit seinem dystopischen Roman Malé fängt Roman Ehrlich die komplexe Stimmungslage unserer Zeit ein und verwebt die Geschichten rund um die Sehnsüchte und das Scheitern seiner Figuren zu einem Abbild all der Widersprüche, die das Leben zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausmachen.

 

Gefördert von der Rainer Markgraf Stiftung