Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Professur für Deutsche Sprachwissenschaft / Deutsch als Fremdsprache

Fortbildungsprogramm

Sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

das Tagesprogramm der Tagung können Sie durch einfachen Klick auf die jeweiligen verknüpften Begriffe öffnen.

Bücherausstellung

Während der gesamten Fortbildung besteht die Möglichkeit, an zahlreichen Verlagstischen einschlägige Literatur renommierter Fachverlage anzusehen und zu erwerben.

 

Die Anmeldung für die Tagung erfolgt online im Zeitraum vom 04.04.2016 bis zum 08.05.2016.

1. Fortbildungstag

1. Tag: 20.5.2016

09:00 – 10:30 Uhr

MG2/00.10        

Ankunft und Registrierung

10:30 – 10:40 Uhr

MG1/00.04            
Begrüßung
Dr. Christian Lange
Zweiter Bürgermeister der Stadt Bamberg

10:40 – 10:50 Uhr

MG1/00.04

Begrüßung
Prof. Dr. Markus Behmer
Dekan der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

10:50 – 11:00 Uhr

MG1/00.04

Begrüßung
Prof. Dr. Gisella Ferraresi
Professur Deutsche Sprachwissenschaft / Deutsch als Fremdsprache
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

11:00 – 12:00 Uhr

MG1/00.04                       
Plenarvortrag
Zuwanderungssteuerung zwischen Recht und Politik
Dr. Andreas Müller 
BAMF Nürnberg

12:00 - 14:00 Uhr
MG2/00.10

Mittagspause

PARALLELE INTERAKTIVE WORKSHOPS

Teil I


14:00 - 15:30 Uhr

 

MG1/02.05
MG1/02.06
MG2/01.02
W 1:

Möglichkeiten und Herausforderungen bilingualer Förderung im Primar- und Sekundarbereich
Till Woerfel, M.A.
LMU München

W2: Aufgabenorientiertes Lernen im fächerübergreifenden Deutsch als Fremdspracheunterricht Kunst (ENTFÄLLT)

W 3:
Interkulturelles Lernen im symmedialen Deutschunterricht
Christian Albrecht
FAU-Erlangen Nürnberg
15:30 - 16:00 Uhr
MG2/00.10
Kaffeepause

Teil II


16:00 - 17:30 Uhr

MG1/02.05
MG1/02.06
MG2/01.02

W 4:
Sprachvergleich und Spracherwerb
Prof. Dr. Gisella Ferraresi
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

W 5:
Arabische DaF-Lernende. Kulturelle Herausforderungen und didaktische Implikationen.
Al Ruqaini Muhammad, M.A.
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

W 6:

Wie im Film!? Einsatz und Funktion filmbasierter Computersimulationen zur Dokumentatierung und Auswertung (fremd-)sprachlicher Kompetenzen - auch über Fächergrenzen hinweg?
Dr. Kim Haataja
Universität Tampere (Finnland) / Universität Heidelberg

17:30 - 18:00 Uhr
MG2/00.10         
Ausgabe der Teilnahmebescheinigungen

 

 

 

Abstracts
Name der VeranstaltungAbstract

Plenarvortrag

Dr. Andreas Müller  

BAMF Nürnberg                             


Ziel des Vortrags ist es, die unterschiedlichen Logiken der Zuwanderungspolitik aufzuzeigen. Dabei soll gezeigt werden, dass sich Migrationspolitik in dem Spannungsfeld zwischen Zuwanderung als politische Entscheidung des Staates und Zuwanderung als Rechtsanspruch von Migrantinnen und Migranten abspielt.

Dabei lassen sich grundsätzlich zwei Migrationskanäle unterscheiden: Einem Migrationskanal, der durch politische Erwägungen gekennzeichnet ist und dementsprechend Migration entlang gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse sowie ökonomischen und sozialpolitischen Anforderungen gestalten soll, und einem Migrationskanal, der durch einen grundsätzlichen Rechtsanspruch der Zuwandernden gekennzeichnet ist. Ersterer umfasst die Zuwanderung zu Erwerbs-, Studien und Ausbildungszwecken; letzterer Familien- und Fluchtmigration. Während die Zuwanderung zu Ausbildungs- und ökonomischen Zwecken prinzipiell der politischen Steuerung zugänglich ist, beschränken sich die politischen Steuerungsmöglichkeiten im Bereich der Flüchtlings- und Familienzuwanderung prinzipiell auf die Überprüfung des Rechtsanspruchs auf Einwanderung. 

Im Rahmen des Vortrags soll mit Hilfe dieser Unterscheidung die Entwicklung der deutschen Migrationspolitik nachgezeichnet und eingeordnet werden.

Workshop 1

 

Till Woerfel, M.A.

LMU München

 

In der Diskussion über die richtigen Sprachfördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler mit einem sogenannten Migrationshintergrund stehen sich Befürworter einer möglichst früh einsetzenden, die Zweitsprache Deutsch fokussierenden Förderung und einer ganzheitlichen, die Mehrsprachigkeit fokussierenden Förderung gegenüber. In Bayern kann seit dem „PISA-Schock“ eine Abkehr des curricularen Einbezugs und der Förderung der von bilingual aufwachsenden Kindern mitgebrachten Familiensprachen beobachtet werden.

Zudem zeigt sich, dass Sprachen, die keine Existenzberechtigung in der Schule haben, in den verbliebenen bilingualen Unterrichtsmodellen (bspw. CLIL) an bayrischen Schulen keine Berücksichtigung finden.

Ausgehend von diesen Beobachtungen werden in dem Workshop verschiedene Methoden der L1-Förderung zur Diskussion gestellt. Ziel des Workshops ist es, Möglichkeiten der („ganzheitlichen”) DaZ- und L1-Förderung aufzuzeigen, um diese mit Herausforderungen, die durch einen starken monolingualen bias im schulischen Kontext entstehen, in einen Kontext zu setzen.

Workshop 2

 

Dr. Rainer E. Wicke

Freier Lehrerfortbilder

 

Anhand von exemplarischen Fotos und Kunstwerken wird aufgezeigt, dass ein fächerübergreifender Deutsch als Fremdspracheunterricht nicht nur Redeanlässe bietet, sondern dass die Verwendung von Bildern und Gemälden darüber hinaus ein kreatives Potenzial bei den Schülerinnen und Schülern weckt, dass das sie dazu befähigt, projektorientiert zu lernen.

Ausgehend von der Annahme, dass es sich z.B. bei einem Kunstwerk von Waldmüller, Klimt oder Hopper um visuelle Texte handelt, die Bilder im Kopf des individuellen Betrachters hervorrufen, soll verdeutlicht werden, dass sich Schüler bereitwillig der Herausforderung stellen, auch in der Zielsprache gemeinsam Bedeutung auszuhandeln, sofern die entsprechende Thematik ihren Interessen entspricht. Die Weiterarbeit an dem einzeln dargestellten Sujet wird ebenfalls konkretisiert. Diese hat unter anderem das Ziel, den Schülerinnen und Schülern den Erwerb einer fachbasierten Diskursfähigkeit zu ermöglichen, die sie zur Teilhabe an interkulturell-gesellschaftlichen Diskursen und Diskussionen befähigt.

Auf die Vermittlung theoretischer Erkenntnisse wird weitgehend verzichtet, vielmehr soll der Workshop den Teilnehmenden im Hands-on-Verfahren die Gelegenheit geben, Unterrichtssequenzen selbst zu erproben und handlungsorientiert mit den entsprechenden Materialien zu arbeiten.

Die vorgestellten Materialien basieren auf einer Unterrichtsreihe, die sich derzeit in Vorbereitung befindet und die demnächst auf der Website der DW erscheint.

Workshop 3

 

Christian Albrecht

FAU-Erlangen Nürnberg

 

Schulische Heterogenität zeichnet sich in deutschen Klassenzimmern nicht nur durch Leistungsdifferenzen, sondern auch durch Vielsprachigkeit, doppelte Enkulturation und Migrationsgeschichten aus, die dringlich eine „interkulturelle Neuorientierung“ des Deutschunterrichts verlangen. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Debatte um unterschiedliche Wertvorstellungen wird die Bedeutung der Beschäftigung von Schülerinnen und Schülern (mit oder ohne Migrationshintergrund) mit ihrer eigenen Herkunft und Identität deutlich.

„Transkulturelle Medien“ wie Graphic Novels und Filme, die den kulturellen Lebenssituationen der Lernenden Rechnung tragen, bieten hierbei eine besondere Chance zur Reflexion, zur Interaktion und zum Dialog über Eigenes und Fremdes, über sich permanent verändernde Deutungsmuster, über Selbstfindung und Identitätskonstituierung.

In diesem Sinne soll in dem Workshop an konkreten Text- und Unterrichtsbeispielen diskutiert werden, wie ein symmedialer Literaturunterricht sowohl zur interkulturellen Bildung als auch zur interkulturellen Begegnung beitragen kann.

Workshop 4

 

Prof. Dr. Gisella Ferraresi

Otto-Friedrich-Universität Bamberg                                                     

 

In diesem Workshop sollen verschiedene grammatikalische Phänomene im Sprachvergleich betrachtet werden, die zu nicht zielsprachlichen Strukturen beim Erwerb des Deutschen als Fremdsprache führen könnten (wie z.B. Abwesenheit eines Artikelsystems). Diese Erkenntnisse sollen als Basis dafür dienen, fremdsprachendidaktische Überlegungen anzustellen.

Workshop 5                                            

Al Ruqaini Muhammad, M.A.                    

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Über den Einfluss der Kultur auf das fremdsprachliche Lernen wird in der einschlägigen Literatur viel geschrieben – von den semantischen und kulturellen Unterschieden in der Wortschatzarbeit über die Vermittlung landeskundlicher Sachverhalte bis hin zur Bedeutung der interkulturellen Kommunikation. In den modernen DaF-Lehrwerken finden die Lernenden in jedem Text und in jeder Übung eine kulturelle landeskundliche Spur. Dabei ist der DaF-Unterricht ohne Kultur unvorstellbar.

Die Sprache beeinflusst des Weiteren weitgehend die eigene Identität des Individuums[:] „Sprache ist das Gedächtnis einer Kultur. Der Mensch gewinnt und besitzt durch seine Sprache kulturelle Identität“ (Raasch 1992: S. 227). Demnach steht die Identität des Lerners im fremdsprachlichen Deutschunterricht im Mittelpunkt, insbesondere bei der Entwicklung und Förderung kommunikativer sowie interkultureller Fähigkeiten der Lernenden.

Aus didaktischer Sicht könnte die eigene Identität bzw. das eigene Orientierungssystem der Lernenden das fremdsprachliche Lernen behindern. Ausgangspunkt dieses Ansatzes ist es, dass es eine Differenz in Verhalten, Denken, Werten, Handeln und Gewohnheiten zwischen Ausgangs- und Zielkultur gibt.

Vor diesem Hintergrund geht es in diesem Workshop um die wechselseitige Beziehung zwischen den individuellen Einstellungen, den eigenen Orientierungen sowie der Denkweise der arabischen DaF-Lernenden und den Anforderungen des DaF-Unterrichts in Deutschland.

Zwei Perspektiven sollten in dem Workshop diskutiert und praktisch beleuchtet werden:

- Das arabische Schulsystem und dessen Einfluss auf die Einstellungen und Verhaltensweisen der arabischen DaF-Lernenden. Das Wissen über die Lernkultur der Lerngruppe hilft dem Lehrer weitgehend, adäquate Lernziele zu setzen, geeignete Lerninhalte zu planen sowie verschiedene (inter)kulturelle Missverständnisse zu minimieren.

- Der Zusammenhang zwischen der geprägten Kultur der arabischen DaF-Lernenden und der deutschen Kultur.

Workshop 6

Dr. Kim Haataja


Universität Tampere (Finnland) / Universität Heidelberg

Die Gestaltung schulisch-institutioneller (Sprachen-)Bildung sollte um die realen Charakteristika und Herausforderungen der sie umgebenden außerinstitutionellen Sprach- und Kulturwirklichkeiten bedacht sein. In besonderem Maße trifft dies auch für die Vewrfahren zur Dokumentierung und Auswertung von (Sprach-)Lernprogression zu, soll diese doch nicht nur für den Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten feststellbar sein und im schulischen Kontext auch die Dimensionen des fächerübergreifendend-integrierten (Fremd-)Sprachenerwerbs einschließpen. Im Workshop werden die Hintergründe und Zielsetzungen sowie vor allem die Instrumente eines computermedialen Simulöationskonzepts vorgestellt, welches für die obigen Herausforderungen in bereits nachgewiesener Weise vollkommen neue Möglichkeiten eröffnet und momentan gerade auch mit Blick auf Deutsch als Fremd- und Zielsprache in mehreren Ländern erprobt wird.

2. Fortbildungstag

2. Tag: 21.5.2016
8:30 - 09:00 Uhr
MG2/00.10     

Ankunft und Registrierung

09:00 - 10:00 Uhr
MG1/00.04                                  

Plenarvortrag

Mehrsprachigkeit - Förderung von Migrant(inn)en oder eine neue Kultur der Sprachbildung in Deutschland? 
Prof. Dr. Dr. h.c. Ingrid Gogolin
Universität Hamburg

10:00 - 10:45 Uhr
MG1/00.04 
Plenarvortrag
Geflüchtete Kinder in Bamberger Schulen. Große Herausforderung - großes Engagement
Mitra Sharifi-Neystanak
stellvertretende Vorsitzende und Sprecherin des Arbeitsausschusses "Interkulturelle Bildung und Erziehung" des Migrations- und Integrationsbeirats der Stadt Bamberg (MIB), Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns
10:45 - 11:15 Uhr
MG2/00.10      
Kaffeepause

PARALLELE INTERAKTIVE WORKSHOPS

Teil III
11:15 - 12:45 Uhr                           

MG1/02.05  MG1/02.06
MG2/01.09

W 7:

Arabische DaF-Lernende. Kulturelle Herausforderungen und didaktische Implikationen
Al Ruqaini Muhammad, M.A.
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

W 8:
Fragen zum Text oder Micro Listening Tasks? - Neue Trainingsformate für die Entwicklung der fremdsprachlichen Hörverstehenskompetenz
Dr. Gunther Dietz
Universität Augsburg

W 9:
Didaktisierungstools für den DaF-Unterricht
Dr. Andritiana Ranjakasoa
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

12:45 - 14:15 Uhr
MG2/00.10

Mittagspause

PARALLELE INTERAKTIVE WORKSHOPS

Teil IV
14:15 - 15:45 Uhr

 

MG1/02.05
MG1/02.06 MG2/01.02

 

W 10:

Merkmale und Wirkungen einer guten Aussprache
Dr. Friderike Lange
Universität Halle

W 11:
Sprachmischungen und Sprachvergleich im Regelunterricht – Vom Nutzen mehrsprachigen Wissens für das Fach Deutsch
Prof. Dr. Katja F. Cantone
Universität Duisburg-Essen

W 12: Pädagogische Sprachkompetenzdiagnose im Kontext internationaler Migration (ENTFÄLLT)

15:45 - 16:25 Uhr
MG2/00.10
Ausgabe der Teilnahmebescheinigungen

 

 

Abstract: 2. Tag
Name der Veranstaltung      Abstract

Plenarvortrag

Prof. Dr. Dr. h.c. Ingrid Gogolin
Universität Hamburg

Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, wird angesichts der Zuwanderung der jüngeren Zeit nicht einmal mehr politisch geleugnet. Mit Blick auf die Gestaltung sprachlicher Bildung stellt sich die Frage: Für wen ist Deutsch eigentlich was für eine Sprache? Aus der Perspektive der interkulturellen Bildungsforschung wird diese Frage unter der Leitvorstellung einer Sprachbildung im Kontext sprachlicher, kultureller und sozialer Heterogenität der Lernenden diskutiert. 

Demnach geht es darum, der Schülerschaft insgesamt bildungsrelevante sprachliche Fähigkeiten über die gesamte Bildungskarriere hinweg zu vermitteln (‚Bildungssprache‘ im Konzept ‚durchgängiger Sprachbildung‘). Dabei ist Mehrsprachigkeit als eine der ‚normalen‘ Bildungsvoraussetzungen von Lernenden zu betrachten. Im Beitrag werde ich das Konzept der durchgängigen Sprachbildung vorstellen und anhand von Material aus einem Forschungsprojekt illustrieren, wie Mehrsprachigkeit für seine Umsetzung in Praxis fruchtbar gemacht werden kann.

Plenarvortrag

Mitra Sharifi-Nestanayak

stellvertretende Vorsitzende und Sprecherin des Arbeitsausschusses "Interkulturelle Bildung und Erziehung" des Migrations- und Integrationsbeirats der Stadt Bamberg (MIB), Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns

 

Ob als minderjährige unbegleitete Flüchtlinge oder mit der Familie angereist, stellen geflüchtete Kinder nicht nur eine große Herausforderung für Bamberger Schulen dar. Sie sind auch eine Chance. Denn sie sind nicht die einzigen Wuereinsteiger in einem hauptsächlich monolingualen System, in dem fast alles auf Deutsch als Erst- und Muttersprache ausgerichtet ist. Insofern machen sie auf die Notwendigkeit aufmerksam, Schule für den Umgang mit Mehrsprachigkeit, Heterogenität und Vielfalt zukunftsfähig zu machen. Den schwierigen Rahmenbedingungen und bürokratischen Hürden setzen in Bamberg die Verantwortlichen bei der Stadt, Schulen und Institutionen, Lehrkräfte und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer das große Engagement entgegen. Der Vortrag will am Beispiel aktueller Situation in Bamberg die Bedürfnisse bei der Integration von neu eingewanderten Kindern in das Bildungssystem diskutieren.

Workshop 7                                        

Al Ruqaini Muhammad, M.A.
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Über den Einfluss der Kultur auf das fremdsprachliche Lernen wird in der einschlägigen Literatur viel geschrieben – von den semantischen und kulturellen Unterschieden in der Wortschatzarbeit über die Vermittlung landeskundlicher Sachverhalte bis hin zur Bedeutung der interkulturellen Kommunikation. In den modernen DaF-Lehrwerken finden die Lernenden in jedem Text und in jeder Übung eine kulturelle landeskundliche Spur. Dabei ist der DaF-Unterricht ohne Kultur unvorstellbar.

Die Sprache beeinflusst des Weiteren weitgehend die eigene Identität des Individuums[:] „Sprache ist das Gedächtnis einer Kultur. Der Mensch gewinnt und besitzt durch seine Sprache kulturelle Identität“ (Raasch 1992: S. 227). Demnach steht die Identität des Lerners im fremdsprachlichen Deutschunterricht im Mittelpunkt, insbesondere bei der Entwicklung und Förderung kommunikativer sowie interkultureller Fähigkeiten der Lernenden.

Aus didaktischer Sicht könnte die eigene Identität bzw. das eigene Orientierungssystem der Lernenden das fremdsprachliche Lernen behindern. Ausgangspunkt dieses Ansatzes ist es, dass es eine Differenz in Verhalten, Denken, Werten, Handeln und Gewohnheiten zwischen Ausgangs- und Zielkultur gibt.

Vor diesem Hintergrund geht es in diesem Workshop um die wechselseitige Beziehung zwischen den individuellen Einstellungen, den eigenen Orientierungen sowie der Denkweise der arabischen DaF-Lernenden und den Anforderungen des DaF-Unterrichts in Deutschland.

Zwei Perspektiven sollten in dem Workshop diskutiert und praktisch beleuchtet werden:

- Das arabische Schulsystem und dessen Einfluss auf die Einstellungen und Verhaltensweisen der arabischen DaF-Lernenden. Das Wissen über die Lernkultur der Lerngruppe hilft dem Lehrer weitgehend, adäquate Lernziele zu setzen, geeignete Lerninhalte zu planen sowie verschiedene (inter)kulturelle Missverständnisse zu minimieren.

- Der Zusammenhang zwischen der geprägten Kultur der arabischen DaF-Lernenden und der deutschen Kultur.

Workshop 8

Dr. Gunther Dietz
Universität Augsburg

 

Im Zentrum des Kurzworkshops stehen neuere Aufgabenformate zum Hörverstehenstraining, die den Fokus stärker auf das Training der Dekodierprozesse auf den sog. „unteren“ Verarbeitungsebenen (bottom-up) legen und als Ergänzung der traditionellen Aufgabentypen fungieren sollen.

In einem Impulsreferat werden zunächst die Schwächen der traditionellen HV-Didaktik genannt und – unter Rückgriff auf Erkenntnisse der psycholinguistischen Forschungen zur auditiven Rezeption – Argumente für eine Neuorientierung in der HV-Didaktik herausgearbeitet.

Was die konkreteren didaktischen Umsetzungen angeht, so stelle ich sodann das Konzept der sog. Micro Listening Tasks von John Field (2008) vor – intensive, eher kurze Übungsformen, in denen etwa die Phonemerkennung, die Zuordnung von Laut und Schrift, das Nutzen von prosodischen Informationen für die Worterkennung und die syntaktische Analyse im Fokus stehen.

Daran anschließend sollen die Teilnehmenden – in Kleingruppen – Micro Listening Tasks anhand konkreter Audiomaterialien kennenlernen und/oder selbst entwerfen.

In einer abschließenden Plenumsphase sollen die Ergebnisse vorgestellt und gemeinsam reflektiert werden.

Workshop 9                 

Dr. Andritiana Ranjakasoa
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

In diesem Workshop geht es darum, ausgewählte Didaktisierungstools sowie nützliche Internetportale zum Einsatz im DaF-Unterricht vorzustellen und praktisch zu erproben.

Ziel ist es, didaktische Anregungen für deren Einsatz im Erwerb der Grundfertigkeiten des Deutschen als Fremdsprache zu vermitteln.

Workshop 10

Dr. Friderike Lange
Universität Halle

Eine komfortable oder leicht verständliche Aussprache entspricht den Normen und Erwartungen deutschsprachiger Gesprächspartnerinnen und -partner, auch solcher, mit denen man nicht ständig kommuniziert (wie z.B. mit den Sprachlehrenden, die - fast - alles verstehen und Verständlichkeit oft nicht mehr objektiv bewerten können.) Sie ist deutlich, textangemessen und situationsangemessen, hörerangemessen und situationsangemessen und kommt der Standardaussprache nahe. Die positiven Wirkungen einer solcher Aussprache sind:

- die vollständige Übermittlung inhaltlicher Informationen,

- eine positive Sprecherbewertung (Akzeptanz)

- und ungestörte Gesprächsabläufe, ohne Nachfragen und emotionale Reaktionen.

Im Workshop werden die Ursachen für Ausspracheschwierigkeiten erarbeitet und methodische Möglichkeiten, sie abzubauen bzw. zu vermeiden besprochen.

Workshop 11

Prof. Dr. Katja F. Cantone
Universität Duisburg-Essen

Mehrsprachigkeit ist aus dem Klassenzimmer nicht mehr wegzudenken: der frühe Englischunterricht (Stichwort „Mehrsprachigkeit als Bildungsziel“), die Arbeitsmobilität vieler Eltern, Auslandsurlaube von Früh an, binationale Ehen, Migration. All diese Aspekte führen dazu, dass SchülerInnen heutzutage Kenntnisse in mehr als einer Sprache haben. Diese Kenntnisse lassen sich erfolgreich nutzen, um a) die Mehrsprachigkeit im Unterricht einzubinden und b) grammatische Regeln im Deutschen zu festigen. Der Umgang mit mehrsprachigem Wissen kann und soll nicht nur auf den Grundschulbereich eingegrenzt werden.

In diesem Workshop werden zunächst Sprachmischungen, ein typisches Phänomen im mehrsprachigen Erwerb, aus wissenschaftlicher Sicht erläutert, bevor mithilfe von Sprachvergleichen Unterrichtsmaterialien erarbeitet werden können, die die obigen Kenntnisse vertiefen. Ziel ist ein kompetenter Umgang mit sprachlichem Wissen und mit sprachlichen Lücken auf Seiten von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften.

 

 

Workshop 12

Prof. Dr. phil. Marion Döll
PH Oberösterreich (Linz)

Sprachkompetenzfeststellungen im Kontext Deutsch als Fremd- und Zweitsprache werden nicht nur im Rahmen von Zertifizierungen eingesetzt, sondern auch zur Optimierung und Adaption von Förderung und Unterrichtsgestaltung.

In den letzten Jahren sind einige zweitspracherwerbstheoretisch fundierte Verfahren entwickelt worden, die den Stand der Deutschaneignung von Lernenden so abbilden, dass leicht Rückschlüsse für die weitere Gestaltung der Deutschlernarrangements gezogen werden können.

Im Rahmen des Workshops werden ausgehend von der Darstellung linguistischer, pädagogischer und psychometrischer Anforderungen an solche förderpädagogischen Sprachdiagnosen verschiedene Verfahrensarten und Beispiele vorgestellt und im Hinblick auf ihre Eignung für den Einsatz bei erwachsenen Deutschlernenden diskutiert.