Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur

Schreibzentren

Neuere Fachliteratur zeigt die immense und gleichzeitig oft verkannte Bedeutung der Schriftlichkeit für Lernprozesse auch an der Universität (vgl. z.B. für das Sprachenstudium Kern 2000). „Textkompetenz“ (Portmann-Tselikas/ Schmölzer-Eibinger 2002) und Bewusstsein für Schreiben als komplexes Handeln ist durch die Höhere Schule sicherlich grundgelegt, obwohl dazu empirische Erhebungen fehlen. Sie muss aber im Lauf des Studiums weiterentwickelt werden, was durch ein Studium der Fächer nicht automatisch geschieht (zur Darstellung einschlägiger Erfahrungen vgl. z.B. auch Doleschal/Struger 2007).

Dieser Einsicht folgend, entstanden zunächst im angelsächsischen, später auch im deutschen Sprachraum an einer Reihe von Hochschulen Schreibzentren (writing centers), die manchmal an die Germanistik oder ein anderes philologisches Fach angeschlossen sind, meist aber interdisziplinär verfasst sind und für die ganze Hochschule da sein wollen, um einerseits die Schreibkompetenz Studierender zu fördern und andererseits zu erforschen, wie sich der Kompetenzerwerb auf dem Weg zu einer wissenschaftlichen Schreibfähigkeit vollzieht und was zu deren Unterstützung getan werden kann. Wie auch in der schulischen Schreibdidaktik, setzt sich in der Hochschuldidaktik die Einsicht durch, dass „Wissen schaffendes Schreiben“ (Brugger 2004) nicht nur wissensdarstellend sein und nicht nur Prüfungscharakter haben darf, sondern auch lernbegleitend und heuristisch eingesetzt werden sollte.

Schreiben hat für das Studium, wie für jeden Lernprozess, zwei Funktionen:

  • Die Wissensbestände und Denkmodelle eines Faches lassen sich nur durch Lesen und Schreiben aneignen; jedoch stellt sich wissenschaftliche Schreibkompetenz weit weniger, als lange angenommen wurde, im Lauf des Studiums von selbst ein, sondern bedarf der gezielten Förderung, wenn die Resultate von Abschlussklausuren und wissenschaftlichen Arbeiten respektabel werden sollen. Eine Studie von Steinhoff (2007) mit einem Korpus von Hausarbeiten Studierender aus dem geistes¬wissen¬schaftlichen Fächerspektrum ergab, dass der weitgehend selbstgesteuerte Erwerbprozess in Bezug auf wissenschaftliche Textkompetenz zwar stattfindet, jedoch  angemessene Strategien im „learning by doing“ zu spät und unzureichend  angeeignet werden.
  • „Schreiben als reflexive Praxis“ (Bräuer 2000) kann die Lernprozesse sowie – langfristig – die Persönlichkeitsentwicklung im Studium günstig beeinflussen. Es geht dabei auch um Selbstvergewisserung und Stiftung einer individuellen Bedeutsamkeit der disziplinären Gegenstände – Größen, auf deren unzureichende Ausbildung hohe Abbrecherquoten gerade in geisteswissenschaftlichen Fächern oft hindeuten. Obwohl Jugendliche durchaus Schriftlichkeit „inszenieren“ und eine „Leidenschaft des Lesens und Schreibens“ entwickeln können (vgl. Behncken et al. 1997), schließen sie, Studierende geworden, daran oft nicht an.

Viele Schreibzentren betrachten daher neben dem wissenschaftlichen Fachtext („Hausarbeiten“) auch andere Textsorten als wichtig. Beispielsweise ist das eigenständige Erarbeiten pragmatischer Textsorten (z.B. journalistischer Stilformen: vgl. Abraham/ Bräuer 2005) durch die Studierenden eine sehr gute Vorbereitung auf viele spätere Berufspraxen, nicht nur im Lehramt.

Die Möglichkeiten einer gegenseitigen Schreibberatung unter Lernenden (peer tutoring, reviewing, peer feedback: Gillespie/ Lerner 2000) können in einem Schreibzentrum intensiv und systematisch genutzt werden.

Schreibzentren und Schreibberatungseinrichtungen an Hochschulen  in den deutschsprachigen Ländern
1. Internationales Schreibzentrum für Fremd- und Muttersprachler der Universität Göttingen: www.schreibzentrum.uni-goettingen.de
2. Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim: www.uni-hildesheim.de/de/leseschreibzentrum.htm
3. Schreibberatung der Universität Bayreuth: www.didaktikdeutsch.uni-bayreuth.de/de/Schreibberatung/index.html
4. SchreibCenter der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt: www.uni-klu.ac.at/sc/inhalt/145.htm
5. Schreiblabor der Universität Bielefeld: www.uni-bielefeld.de/Universitaet/Studium/SL_K5/slab/index.html
6. Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt/Oder): www.euv-frankfurt-o.de/de/campus/hilfen/schreibzentrum/index.html
7. Schreibzentrum der PH Freiburg/Breisgau: www.ph-freiburg.de/schreibzentrum.html
8. Schreibzentrum der PH Zürich: www.phzh.ch/content-n317-sD.html
9. Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum: www.sz.ruhr-uni-bochum.de
10. Schreibzentrum der TU Chemnitz: www.tu-chemnitz.de/phil/germanistik/sprachwissenschaft/schreibzentrum/
11. Schreibzentrum der Universität Duisburg-Essen: www.uni-due.de/schreibwerkstatt/
12. Schreibzentrum Köln: www.schreibzentrum-koeln.de/ ;
13. Schreibzentrum und language support center der PH Ludwigsburg: www.ph-ludwigsburg.de/11300.html
14. Studierwerkstatt der Universität Bremen: www.studierwerkstatt.uni-bremen.de
15. Virtuelles Schreibzentrum der TU Berlin: www.textlabor.tu-berlin.de

--------------------------------------------------------

weiterführende Literatur:

  • Bräuer 2000
  • Brugger 2004
  • Doleschal/Struger 2007
  • Steinhoff 2007

---------------------------------------------------------

zurück