Die Schreibkonferenz

ein Konzept für den Unterricht (nicht nur) in der Primarstufe

 

Die Schreibkonferenz stellt eine Form eines Beratungsgesprächs dar, bei dem die Schüler zunächst in kleine Gruppen von drei bis vier Personen eingeteilt werden. Innerhalb dieser Gruppen gehen die Schüler in einem Prozess von zwei Schritten vor. Zunächst liest immer ein Schüler den von ihm verfassten Text vor, um spontane Äußerungen der anderen Schüler entgegenzunehmen, die er sich in oder zu seinem Text vermerkt. In diesem ersten Schritt beziehen sich die Äußerungen der Mitschüler zunächst nur auf den Inhalt des Vorgelesenen. Im darauf folgenden zweiten Schritt gehen alle Schüler der Gruppe Satz für Satz durch den Text und bringen dabei neben inhaltlichen auch sprachliche Auffälligkeiten zur Sprache. Auch diese kann der Autor sich in seinem Text vermerken und später eigenständig bearbeiten. Während der Schreibkonferenz ist es die Aufgabe der Lehrkraft, sich im Hintergrund zu halten, dabei allerdings jederzeit für die Schüler zu Verfügung zu stehen, sobald es Fragen oder Rückmeldungen gibt:

 

Fünf Phasen der Schreibkonferenz

1. Vorlesen mit Spontanreaktionen zum Inhalt

2. satzweises Durchgehen des Textes unter sprachlichen und inhaltlichen Aspekten

3. satzweise Rechtschreibkontrolle

4. Endredaktion (Lehrer liefert Endkorrektur)

5. Veröffentlichungsstunde (Veröffentlichung des Textes durch Vorlesen mit anschließender Diskussion darüber im Klassenverband)

 

Nachdem die Schreibkonferenz ihr Ende gefunden hat, wird der Text fertig überarbeitet und der Lehrkraft zur Kontrolle vorgelegt. Text-, adressaten- und absichtsgemäße Schreibstrategien können in diesem Konzept besser entwickelt werden, als wenn sich Schreibunterricht auf Lehrerintentionen konzentriert. Kinder können Schreiben als intellektuelles Produktionsmittel für sich erfahren und ihr individuelles Leistungsvermögen einbringen. Es kann eine Lernumgebung geschaffen werden, in der die Kinder Anregungen, Ermutigungen und Tipps für die Überarbeitung ihrer Texte erhalten.

Die Anregung von Mitschüler/-innen wird leichter angenommen, als die im Nachhinein vom Lehrer gegebenen Korrekturhinweise. Das Beurteilen und Bewerten von Texten aus dem Schreibunterricht wird als gemeinsame Aufgabe erfahren, nicht nur als Sache der Lehrkraft.

 

Zur Kritik am Konzept und den Schwierigkeiten von Schreibkonferenzen vgl. Überarbeiten von Textentwürfen.

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Weiterführende Literatur

  • Spitta 1992
  • Necknig 2012

 

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