Schreibdidaktik

6. Schreiben als System

Den Begriff erläutert Merz-Grötsch (2000). Sie nennt Konstituenten des Schreibprozesses, die sich gegenseitig  beeinflussen, und systematisiert Ansätze und Konzepte zur Entwicklung und Förderung der Schreibkompetenz, die in Schreibforschung und Schreibdidaktik bereits vorliegen: Es gibt danach schüler-, prozess-, produkt, adressaten- und methodenfokussierten Schreibdidaktiken.

 

A. Konstituenten des Textproduktionsprozesses

Schreiber/in

Der Schreiber oder die Schreiberin zeichnet sich durch verschiedene Rahmenbedingungen wie Alter, Geschlecht, seine schriftsprachliche Kompetenz, seine kulturelle Herkunft und seine Motivation aus. Er/sie will mit seinem Text mitteilen und  Einfluss nehmen.    

  

Schreibprodukt (Text)

Uwe Brinker liefert folgende Definition des Begriffes "Text" (zit. nach Merz- Grötsch, 54): „Der Terminus Text bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“ (Situation, Textfunktion, thematische Kohärenz, grammatische Kohärenz).

 

Schreibsituation/ Schreibort        

Es gibt natürliche Schreibanlässe (Funktion für den Schreiber: z.B. Brief, Tagebucheintrag) und künstliche (die Schreibmotivation ist von anderen Personen beeinflusst: z.B. im Deutschunterricht).

 

Schreibzweck und Schreibmotivation

Das Schreiben kann - wie jedes menschliche Verhalten - durch intrinsische und extrinsische Motive bestimmt sein. Intrinsische Motive im Hinblick auf die Schule wären zum Beispiel Selbstbestimmung, Kompetenz, Neugier, Freude oder Interesse, während sich die extrinsischen Motive auf äußere Einflüsse beziehen. Hier spielen die Bewertung, das Bemühen um Anerkennung oder ein wahrgenommener "Druck" von anderen Personen eine ausschlaggebende Rolle für das Erstellen von Texten.  

 

B. Das System Schreiben aus der Sicht der Schreibforschung

Ziel der Schreibforschung ist, die beim Schreiben ablaufenden Teilprozesse systematisch zu erfassen, um die individuellen Schwierigkeiten gemeinsam mit Schreiberinnen und Schreibern zu lösen.

Merz-Grötsch unterscheidet verschiedene Modelle des Schreibprozesses danach, in welcher Funktion dabei die Textproduktion gesehen wird:

  • als Problemlöseprozess
  • zur Wissensgenerierung und Wissensverarbeitung
  • im Zusammenhang mit einer prozessorientierten Schreibentwicklung
  • zur Förderung kreativer Prozesse
  • zur Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung

 

Ein prozessorientiertes Textproduktionsmodell ist zum Beispiel das von Hayes und Flower aus dem Jahre 1980, dass das „laute Denken“ bei der Textproduktion beinhaltet. Das Modell wurde 1983 von Ludwigergänzt.

 

C.  Das System Schreiben lässt sich aus der Sicht der Schreibdidaktik so fokussieren:

Produktfokussierung: Arbeit am Text

Fehler im "Aufsatz" werden (belegt durch Merz-Grötsch) erschreckend oft nicht analysiert oder mit den Schülern besprochen. Oft ist nur das Produkt von Bedeutung und nicht der Prozess, obwohl es eher umgekehrt sein sollte. Entwürfe zu bearbeiten, muss aber eigens gelernt werden.

 

Schülerfokussierung: Lernsensitives Arbeiten

Wichtig ist, eine anregende Lernumgebung und Lernatmosphäre zur Textproduktion zu schaffen und verschiedene Begabungen zu fördern, kurz, im Unterricht zu differenzieren.

Schülerorientierte Textproduktion ist durch Aktivierung von Körpergefühlen beim kreativen Schreiben gekennzeichnet und hat die Mitteilungsfunktion sowie die Entwicklung der Identität durch das Schreiben im Blick.

 

Prozessfokussierung: der Weg zum Text

Der Schreibprozess besteht aus mehreren Teilprozessen, nämlich aus dem Vorgang der Motivation zum Schreiben, dem Vorgang des Erinnerns, dem Vorgang des inhaltlichen Gestaltens, dem Vorgang des sprachlichen Gestaltens und dem Vorgang des Verbesserns (Genaueres siehe unter Schreibprozess).

 

Methodenfokussierung: Vielfältige Wege gehen

Es ist wichtig, die Eigentätigkeit der Schüler, ihre Problemlösefähigkeit und ihre Entscheidungskompetenzen zu fördern. Mögliche Methoden sind zum Beispiel Textproduktionshilfen wie Brainstorming, das Cluster, Textorganisation und Ausdrucksschulung.

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