Schreibdidaktik

3. Schreibdidaktiken für die Sekundarstufen

In der Sekundarstufe wurden lange verschiedene "Aufsatzarten" sukzessive eingeführt, die aufeinander aufbauen sollten. So folgte beispielsweise auf die "Inhaltsangabe" die "Textanalyse" bzw. - bei poetischen Texten - "Texterschließung", und die "Schilderung" war als Fortsetzung des Erzählens gedacht, das bis in die 6. Jahrgangsstufe hinein seinerseits den Grundschul-Aufsatzunterricht in sich aufnahm.

Diese Orientierung an "Aufsatzarten" und damit Produkten des Schreibens ist auch in den Sekundarstufen allmählich einer Funktions- und Prozessorientierung gewichen (zum aktuellen Stand vgl. der Schreibdidakaktik auf dieser Stufe Ohme 2014). praktische Anregungen der neueren Schreibdidaktik haben durchaus Wirkung gezeigt. Nach wie vor ist hier aber das argumentative Schreiben nach einem traditionellen Muster dominant: Mit dem  Erörtern wird in der 9. Jahrgangsstufe des Gymnasiums und der Realschule, aufbauend auf der begründeten Stellungnahme, eine anspruchsvolle Schreibfunktion vermittelt. Dabei zeigt die Forschung, dass nur 2/3 der Lernenden dieses Alters (und: männliche Schüler und solche nicht-deutscher Erstsprache weniger!) es schaffen, einen sachlich argumentierenden Brief adressatenorientiert und textsortenadäquat so zu gestalten, dass er dem Anliegen dient (weitere Befunde vgl. DESI).

Auch hier lassen sich Ziele nennen, die eine sekundarstufengeeignete Schreibdidaktik verfolgen sollte (vgl. auch Gätje 2013):

  • Funktionales Schreiben (für Adressat/-innnen und alltagsnah definierte Zwecke) einüben und reflektieren!
  • Text(sorten)kompetenz langfristig aufbauen!
  • Darüber aber die kreativen Potentiale des Schreibens nicht vergessen und auch solche Schreibaufgaben stellen, die Erfindungsreichtum  und/oder sprachliches Wagnis herausfordern!
  • Eher die Funktion und kommunikative Grundhaltung eines Textes (narrativ, deskriptiv, argumentativ) betonen als seine äußere Form.
  • Die Schreibentwicklung der Lernenden von der Unterstufe bis zur Fach- oder Seminararbeit in der Oberstufe und weiter zum wissenschaftlichen Schreiben an der Hochschule (vgl. Neumann 2013) als Kontinuum eines allmählichen Kompetenzausbaus begreifen !

Was die methodischen Ansätze betrifft, so eignen sich dazu beispielsweise

    • Schreiben im Rahmen eines themazentrierten bzw. projektorientierten Unterrichts
    • Schreiben zu Sachthemen und Gegenständen anderer Fächer (beschreiben, berichten, protokollieren, usw.)
    • Schreiben zu und nach literarischen Texten (vgl. z.B. das Zeitungsprojekt zu "Die Brück´ am Tay")
    • journalistisches Schreiben, auch über Projektuntericht des Typs "Schüler machen Zeitung" hinaus (vgl. Rau 2014)
    • Schreiben zu Bildern und Filmen

    ---------------------------------------------------------

    Weiterführende Literatur:

    • Fritzsche 1994, Bd. 2: Schriftliches Arbeiten
    • Becker-Mrotzek/Böttcher 2006
    • Gätje 2013
    • Oehme 2014

    ---------------------------------------------------------

    123456

    ---------------------------------------------------------

    zurück