Schreibförderung und -erziehung

2. Schreibaufgaben als Mittel der Schreibförderung

Bedeutung von Schreibaufgaben

Schreibaufgaben dienen nicht nur der Lernstandsüberprüfung. Als ein Mittel der Schreibförderung führen sie dazu, dass Schüler/-innen schreibend lernen und Schreiben lernen. Dabei steht v.a. der Prozess des Schreibens im Mittelpunkt, gleichzeitig sollen aber auch verschiedene Funktionen des Schreibens vermittelt werden. Allgemein kann zwischen drei Arten von Schreibaufgaben unterschieden werden. 

In einer Studie von Hoppe (2011) über die Verwendung von Lehrwerken im Deutschunterricht wurden 13 Lehrkräfte aus fünf Schulen unter anderem zu ihren Zielsetzungen im Schreibunterricht befragt. Die Antworten bündelt Hoppe (2011, 105) zu folgenden sechs Gruppen:

  1. Förderung des Selbstausdrucks und der persönlichen Entwicklung,
  2. Erreichen von sprachlicher Richtigkeit auf hohem Niveau,
  3. Fähigkeit, normgemäß, d.h. textsortenorientiert schreiben zu können,
  4. Schreiben als Mittel zum Erreichen einer höheren Sprachbewusstheit […],
  5. Schreiben als Kulturtechnik,
  6. Schreiben als Prozess.

Die dazu erforderliche Aufgabenqualität ist heute zwar noch nicht überall Wirklichkeit, wohl aber Gegenstand fachdidaktischer Reflexion und Forschung. Dem Schreiben kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Dies wird bspw. in einer Publikation von Metzler („Gute Aufgaben Deutsch“, 2008) ersichtlich, in der allein neun von 22 vorgeschlagenen Unterrichtsmodellen aus dem Lernbereich Scheiben stammen.

Schreibaufgaben in der reflexiven Praxis

Wenn Schreiben in Schule und Hochschule zum Medium des Lernens, Denkens und Erkennens werden soll, bedarf es Aufgaben, die zu einer umfassenden Reflexion anregen (vgl. Bräuer 2000). Auf diese Weise werden Schüler/-innen dazu befähigt, über ihr eigenes Schreiben nachzudenken und Schreibstrategien sowie Urteilskriterien aufzubauen. Bauer (2010) stellt in diesem Sinn das gegenseitige Kommentieren und Selbstbewerten als mitlaufende Aufgabe des Schreibunterrichts heraus.

Lebensweltbezug

Gute Schreibaufgaben sollten generell ein für die Schüler/-innen bedeutsames Thema bzw. Interessengebiet aufgreifen – sie stellen einen Lebensweltbezug her. Dies trägt v.a. zu einer erhöhten Motivation bei, die dazu führt, dass sich die Schreiber/-innen intensiver mit dem jeweiligen Schreibanlass auseinandersetzen (vgl. Berning 2011).

Die Lösung von Schreibaufgaben als Indikator für Schreibkompetenz 

Seit PISA dienen Schreibaufgaben zunehmend als Testaufgaben für die Ermittlung der Schreibkompetenz von Schüler/-innen. Sie stellen eine Möglichkeit dar, deren Leistungsniveau objektiv zu bewerten (vgl. Bewerten von Texten).

Beispiel

Wie interessante, lebensnahe und gleichzeitig kompetenzorientierte Schreibaufgaben aussehen können, zeigt folgendes Beispiel aus der Schreibforschung:

„Aufgabe: Einen Brief auf eine Anzeige für eine Brieffreundschaft schreiben. Du liest in der Jugendzeitschrift Geolino folgende Anzeige für eine Brieffreundschaft:

Hallo! Ich heiße Rabea und bin elf Jahre alt. Ich suche Brieffreunde, egal ob Mädchen oder Junge. Meine Hobbys sind Wellenreiten, Schwimmen, Einrad fahren, Fußball spielen und Lesen. Ich wohne seit fünf Jahren in Honolulu auf Hawaii und ziehe in zwei Jahren zurück nach Deutschland.

Du möchtest Rabea unbedingt als Brieffreundin. Du vermutest aber, dass sie sehr viele Briefe erhält. Schreibe ihr einen Brief und lass dir etwas besonders Gutes einfallen, damit sie dir zurückschreibt. Schreibe so, dass Rabea deinen Brief gut lesen und verstehen kann“ (Blatt, 2011, 96).

---------------------------------------------------------

Weiterführende Literatur:

  • Hoppe 2011
  • Bauer 2010
  • Baurmann 2006
  • Merz-Grötsch 2001
  • Metzger Hrsg. 2008

 

1234567

---------------------------------------------------------

zurück