Präsentationsmedien

Medien, die der Präsentation vor einem Publikum (zum Veröffentlichen von Texten vgl. dort) dienen, müssen auch in den Schreibunterricht des Deutschen integriert werden, da auch in ihnen heute Textsorten zu finden sind: Es treten immer öfter online präsentierte Texte in den Fokus des Deutschunterrichts. Eine Möglichkeit einer solchen Präsentation sind zum Beispiel Internet-Wikisoder eJournals [vgl. Elektronisch gestützte Kommunikation über Schreibpläne, Themen und Textsorten]. PowerPoint-Präsentationen werden hierbei allerdings  in ihrer schreibdidaktischen des oft unterschätzt (vgl. Abraham 2014).

Aus diesem Grund wird in diesem Artikel vor allem die PowerPoint-Präsentation behandelt und warum diese im Deutschunterricht integriert werden sollte.

 

PowerPoint-Präsentationen

PowerPoint-Präsentationen sind bereits in vielen Bereichen vertreten. Aus diesem Grund werden Fähigkeiten des Präsentierens mit diesem Medium bereits oft als Basiskompetenz für zukünftige Arbeitnehmer erwartet.

Unter anderem deshalb haben die Kultusminister der Länder Bremen, Baden-Württemberg und den neuen Bundesländern, wie Brandenburg, bereits im Jahr 2000, einen Rahmenplan zur Medienbildung für die Sekundarstufen ihrer Länder aufgestellt (vgl. Kepser 2006).

Zunächst können PowerPoint-Präsentationen mit Overheadfolien verglichen werden, also als digitales vortragsunterstützendes Medium betrachtet werden. Sie bieten allerdings mehr Möglichkeiten, wie zum Beispiel Effekte und einfache kreative Gestaltungsformen. Dies birgt aber auch zugleich die Kritik, die mit dem Gebrauch von PowerPoint-Präsentationen verbunden sind (vgl. Kepser 2006): Es geht hierbei nicht um bloße Informationsvermittlung, sondern auch um ästhetische Erziehung. Denn es entsteht eine Text-Bild-Kombination, die nicht nur Inhalte transportiert, sondern diese auch sprachlich darstellt und bewertet. Es ist hier also eine große Parallele von PowerPoint-Präsentationen zu anderen Textsorten zu sehen.

Aus diesen Gründen muss der Umgang mit PowerPoint in den Deutschunterricht integriert werden.Wenn eine Präsentation  über den Beamer projiziert wird, haben die Schüler/-innen die Möglichkeit sich nicht nur über präsentierte Inhalte, sondern über dieses Produkt selbst auszutauschen.

 

Der bewusste Umgang mit PowerPoint

Aufgrund der zahlreichen kreativen Gestaltungsmöglichkeiten, vor allem der PowerPoint-Effekte, muss der bewusste Umgang mit PowerPoint erlernt werden. „Gute Schrift-Bild-Ton-Gewebe zu verfassen ist schwer“ (Schmitz 1997, 149).

Daher dürfen digitale Präsentationsmedien nicht nur als Erleichterung schulischer Arbeit betrachtet werden. Es muss auch die Komplexität dieser Medien beachtet werden.

Aufgrund der Nähe von PowerPoint-Präsentationen zu anderen Textsorten, sowie der ähnlichen Komplexität beim Erstellen einer Präsentation im Vergleich zum Erstellen eines Textes [vgl. Schreibprozess], findet der Erwerb der PowerPoint-Fähigkeiten im Deutschunterricht seinen richtigen Platz. Tatsächlich sind hier viele Parallelen zum Schreibprozess zu finden. So sieht hier Kepser (2006) vor allem die Nähe zur Rhetorik und versteht Powerpointfolien als rhetorische Texte. PowerPoint wird ja auch oft zur Unterstützung von Referaten genutzt, also bei einer Redesituation welche die Wirkungsabsicht von Informieren und Belehren aufweist. Daher sollten PowerPoint-Effekte als Zeichen und rhetorische Mittel genutzt und verstanden werden, welche zu Sprecher und Thematik passen müssen, so wie dies bei jedem rhetorischen Text der Fall ist. So sollte zum Beispiel eine Präsentation mit der Thematik Jugendbücher eine andere Gestaltung aufweisen, als die Präsentation mit der Thematik des Dramas. So muss auch bei einer PowerPoint-Präsentation die Frage des Aptum behandelt werden. Deshalb ist ein bloßes Verbieten von (oft im Übermaß eingesetzten) Effekten durch die Lehrkraft, also eine Effekt-Abstinenz, der falsche Ansatz, vielmehr muss der bewusste Umgang mit diesen vermittelt werden (vgl. Kepser 2006).  

 

Was sollte durch die Thematisierung des Mediums PowerPoint und dessen Effekte vermittelt werden? 

Schüler/-innen müssen lernen, dass mit bestimmten Effekten auch bestimmte semantische Bedeutungen verbunden werden. So kann zum Beispiel auch PowerPoint zur zeitgemäßen praktischen Anwendung der Zeichentheorie der Thematik Rhetorik genutzt werden.

Auch sollten die Schüler/-innen erfahren, dass es stark und schwach wirkenden Effekte gibt, sowie es auch auffällige und weniger auffällige rhetorische Figuren gibt. Je nachdem wie oft oder stark Effekte genutzt werden, wirken sie passend oder eher aufdringlich. Dies muss den Schüler/-innen ebenfalls vermittelt werden. Es kann hier, zumindest in der Sekundarstufe II, an bereits vorhandenes Wissen angeknüpft werden.

„Entsprechend sollten sie erfahren und erproben, dass PowerPoint-Effekte ähnlich dem klassischen rhetorischen Ornat zu handhaben sind: Sie müssen zum Inhalt, zum Anlass, zur Wirkungsabsicht und zum Publikum passend ausgewählt werden.“ (Kepser 2006, 63).

Des Weiteren muss vermittelt werden, dass ein Zuviel an Effekten ähnlich einem Zuviel an Ornat vom eigentlichen Inhalt des Vortrags ablenkt. Sollte die Präsentation eine informierende Wirkung aufweisen, so hört dadurch das Publikum auf den Gedanken des Redners zu folgen, bei einer ursprünglich unterhaltenden Wirkungsabsicht entsteht schnell der Eindruck von überzogenem Pathos und Kitsch. Auch sollten die Schüler/-innen erkennen, dass die bloße Effekt-Abstinenz bereits einen Effekt erzielt: „Auch kein Effekt ist ein Effekt!“ (Ebd, 64).

 

Beispiele für die Integration von PowerPoint-Präsentation in den Deutschunterricht

Neben der bloßen Thematik und der Erlernung des bewussten Umgangs mit PowerPoint-Präsentationen sollten PowerPoint-Präsentationen in vielen anderen Bereichen des Deutschunterrichts integriert werden. Hier können, anders als bei alten Medien, mehrere Formen der Inhaltsvermittlung, wie bewegte Bilder und Ton, integriert werden.

Damit sind PowerPoint-Präsentationen vielfältig nutzbar. Nicht nur in dem Bereich der Präsentation, sondern auch für das kreative Schreiben (vgl. Dehn/Hoffmann/Lüth/Peters 2005) oder die Interpretation (vgl. Kottkamp 2010) ist PowerPoint nutzbar. So kann man z.B. ein Gedicht grafisch und durch Animation von Texttteilen so aufbereiten, dass Deutungsansätze vermittelt werden

PowerPoint ist also ein vielfältiges Medium, welches in allen Bereichen des Unterrichts integriert werden kann. Deshalb sollte auch der Umgang mit diesem Programm in der Schule erlernt werden.

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weiterführende Literatur:

  • Holzmann 2003
  • Sondershaus 2004
  • Berkemeier/Pfennig 2005
  • Kepser 2006
  • Kottkamp 2010