Literatur in der Schule schreiben - wie und warum?

"Können wir nun doch alle das Dichten lernen?" überschrieb Merkelbach (1993, 5-27) seine Einführung in den Band "Kreatives Schreiben". Darin zeichnet er historisch nach, dass Poetik im Lehrplan des aufstrebenden Bürgertums bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts durchaus ihren festen Platz hatte und erst durch die aufkommende Genieästhetik aus dem Aufsatzunterricht verdrängt wurde. Abgesehen von einer kurzen Phase "reformpädagogisch" freien Schreibens um die Wende zum 20. Jahrhundert, war poetische Textproduktion dann bis in die 1980er Jahre kein Ziel und keine Praxis in der Schule mehr. Erst dann kam, mit dem Siegeszug des "Kreativen Schreibens", die Rückbesinnung auf die Möglichkeit, auch Poetik im Deutschunterricht zu lehren. (Zum "kreativen" und "poetischen" Schreiben vgl. im Überblick Abraham 2014.)

Unter Buchtiteln wie Literarische Kreativität (Kellner 2000) findet man heute, vor allem für die Sekundarstufen, Hinweise und Hilfen für eine praktische Poetik zu den Gattungen der Literatur:

  • Ideen finden (Variieren, Assoziieren, Texte weiterschreiben, auf visuelle Vorlagen reagieren, Keimworttexte verfassen)
  • Stoff bewältigen (Erkunden der Form, Konkretisieren verbrauchter und Erfinden neuer Metaphern)
  • den Schreibprozess bewältigen (an Hand von Selbstaussagen berühmter Autoren, von Heinrich v. Kleist bis Peter Handke)
  • literarische Texte werten: Kriterien für verschiedene Literaturtypen, Gattungen und Genres finden.

Dass "literarisches Schreiben" nicht das Gleiche ist wie "kreatives Schreiben" und auch über seinen Einsatz im "produktionsorientierten Literaturunterricht" hinaus bedeutsam, erläutert Abraham (2017).

Es geht in diesem Bereich nicht nur um die Schreibkompetenz der Schüler/-innen, sondern vor allem um eine Weiterbildung der Lehrkräfte. In einem bundesweit einmaligen Weiterbildungsprojekt, gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung, wurden 2011-13 in einem ersten Durchgang über 50 Deutschlehrer/-innen zunächst ein Jahr lang im Literaturhaus Stuttgart im literarischen Schreiben unterrichtet, um dann im zweiten Jahr in Klassen unterschiedlicher Schularten Schreibprojekte durchzuführen (vgl. Abraham/Brendel-Perpina 2015). Fünf inzwischen daraus hervorgegangene Publikationen, die Formen und Verfahren einzelner Gattungen literarischen Schreibens (und ggf. Inszenierens) ausführlich darstellen, sind Richhardt 2011, Wörner/Noir/Rau 2012, Oliver 2013, Rau 2014 und Brunke 2015.

Das Gestalten literarischer Erzählungen im Deutschunterricht erläutert aus einer kompetenzorientierten Sicht auch Feilke (2013); Unterrichtsbeispiele für das verfassen und Spielen szensicher Texte bietet Praxis Deutsch 260 (vgl. Abraham 2016).

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weiterführende Literatur:

  • Kellner 2000
  • Merkelbach Hrsg. 1993
  • Waldmann 1996, 1998, 2000
  • Feilke 2013
  • Abraham 2014, 2017
  • Abraham/Brendel-Perpina 2015

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