Formen schriftlicher Texte

Formen der Schriftlichkeit sind zunächst ein linguistisches und dann ein schreibdidaktisches Problem. Innerhalb der Sprachwissenschaft werden verschiedene Kriterien diskutiert, die einer Systematik der Formen zugrunde liegen.

"Prototypisch modellierte Textformen" (Haueis 2003, 234) (z.B. Personencharakteristik, Naturschilderung und Bildbeschreibung) sind im Aufsatzunterricht seit dem 19. Jahrhundert üblich; auch ein moderner Schreibunterricht kann sie verantworten, wenn sie nicht als zu imitierende Vorgaben betrachtet, sondern als Orientierungshilfen genutzt werden. Sie sind Handlungsmuster, die sich in der Geschichte unserer Schriftkultur allmählich etabliert haben - für kommunikatives Schreiben (z.B. "sachlicher Brief"), für expressives Schreiben, für Sach- und Ereignisdarstellung (z.B. "Beschreibung") und für die Reflexion von Problemen ("Erörterung").

Nicht mehr ausgehen sollte man allerdings von dem früher üblichen Gegensatz zwischen sogenannten "objektiven" (z.B. Bericht oder Beschreibung) und sogenannten "subjektiven" (z.B. Erzählung) Formen.

Ein neuerer Versuch, den Begriff der Textform auf weniger geläufige, nicht `klassische´ schulische Schreibformen zu beziehen vor dem Hintergrund der aktuellen schreibdidaktischen Diskussion um die heuristische Funktion des Schreibens zu interpretieren, stammt von Pohl/Steinhoff:

„In einem ersten Schritt der Begriffsbestimmung wollen wir mit dem Textformen-Begriff auf eine terminologische Lücke reagieren: Wir sehen dort ein Bezeichnungsbedürfnis, wo etablierte und z. T. in Konkurrenz zueinander stehende textlinguistische Konzepte wie „Textsorte“, „Texttyp“ und „Textmuster“ nicht greifen.“ (Pohl/Steinhoff 2010, 5)

Zusammengefasst bedeutet das, dass konkurrierende Begriffe der Linguistik in der Didaktik nicht unbedingt weiterhelfen. Für die drei Begriffe Textsorte, Texttyp und Textmuster fehlt ein Überbegriff, der alles bezeichnet. Das zentrale Problem ist das des Schreibkompetenzerwerbs. Dafür wichtigen Formen wie dem Portfolio oder der Mitschrift sei gemeinsam, "dass sie in einem Erwerbs- oder Lernzusammenhang stehen und fest einem Lehr-Lern-Kontext zugeordnet sind, und zwar derart ‚fest‘, dass sie teilweise ohne letzteren – als selbstständige „Textsorten“ – gar nicht existieren" (ebd.). Damit seien sie zum einen Lernformen, die einen konzeptionellen und einen medialen Aspekt in sich tragen (vgl. ebd., 9). Zum anderen Lernerformen - nämlich Handlungsprodukte und als solche "Ausformungen einer bestimmten Entwicklungsphase" (ebd. 6).

 

Unterscheidung zwischen Textformen und Textsorten

(eigene Übersicht nach Pohl/Steinhoff 2010, 5)

 

TextformenTextsorten
Herkunft der BegriffeSchreibforschung und SchreibdidaktikSprachwissenschaft
Funktion der BegriffeKünstliche Textformen als Lernformen für Heranwachsende zum Kompetenzerwerb wichtigProduzierte Texte werden nach bestimmten bekannten Kriterien geordnet. (Wortwahl, Satzbau, Länge, usw.)
Formen
  • das Portfolio,
  • das Diktat,
  • die Mitschrift,
  • das Beantworten einer mathematischen Textaufgabe,
  • das Elfchen oder
  • die Rechengeschichte.
  • schriftliches Erzählen
  • schriftliches Berichten
  • schriftliches Beschreiben
  • schriftliches Instruieren
  • schriftliches Argumentieren
  • schriftliches Referieren

 

 

 

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