Probleme der klassischen Erörterungsdidaktik

"Ich halte nicht viel von der Erörterung, weil alles nach einem Schema abläuft. Es fehlt die Freiheit dabei. Außerdem bekommt man meist ein Thema vorgesetzt, das viel Fach- und Sachwissen verlangt."

Schülerzitat aus Praxis Deutsch 99 (1990), S. 47

Kritik an der "Erörterung" füllt viele Regalmeter in jeder fachdidaktischen Bibliothek (vgl. z.B. Fritzsche 1987, Praxis Deutsch 99/ 1990 oder LUSD 2002). Die wesentlichen Punkte dürften folgende sein:

  • Die strenge Form lässt wenig Freiheit für Kreativität.
  • Die Sprache wird zu Unrecht oft als zweitrangig betrachtet gegenüber der Stringenz der Argumentation.  
  • Die eigene Meinung/ der persönliche Standpunkt wird vernachlässigt.
  • Es gibt die unterstellte starre Grenze zwischen Objektivität und Subjektivität gar nicht.
  • An einen Hörer/Leser wird selten gedacht: "Persuasives Argumentieren unter Berücksichtigung einer Adressatenorientierung wird entgegen den Handlungsempfehlungen der Fachdidaktik viel zu selten realisiert." (Stadlbauer 2004, 23)

Neue Ansätze

  • Argumentieren früher üben, z.B. durch argumentierendes Sprechen (z.B.: "Was findest du an Rittern gut?")
  • aktuelle Themen vorgeben oder vorschlagen (z.B.: Kurswahl, Wahlalter, Disco ab 16, etc.)
  • keine "Ein-Satz-Themen" verwenden, stattdessen z. B. visuelle Anreize wie Karikaturen oder Textauszüge als Denkansporn
  •  in der Adressatenorientierung variieren (z.B. Argumentieren im Rahmen von Leserbriefen)  
  • mehr Subjektivität zulassen
  • formale Vorgaben lockern (Freies Erörtern, Argumentieren)
  • dem Überarbeiten mehr Bedeutung beimessen (vgl. Stadlbauer 2004, 32ff.)

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vgl. auch:

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weiterführende Literatur:

  • Fritzsche 1987
  •  LUSD Heft 16/2002: Erörtern statt Erörterung. Anregung für eine andere Praxis argumentativen Schreibens.
  •  Stadlbauer 2004
  •  Praxis Deutsch 99 (1990)

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