Erörtern und Stellung nehmen

Die begründete Stellungnahme

Zu einem Sachverhalt sollen Lernende einen eigenen Standpunkt darlegen und begründen können. In Vorbereitung des Erörterns kommen dabei bereits einfache Techniken des argumentativen Schreibens zum Einsatz.

  • Kommunikative Vorgaben: Schreibanlass, Rolle des Schreibers, Adressatenbezug
  • Mögliche Schreibanlässe: Leserbrief; Erwiderung, Richtigstellung, u.a.
  • Vorgehen festlegen, einfache Gliederung entwerfen
  • Themen aus dem Erfahrungsbereich der Schüler wie Schule, Familie, Freizeitgestaltung, Verkehrssicherheit, Lektüre
  • Übungensmöglichkeiten: Behauptungen formulieren, Gründe für den eigenen Standpunkt anführen, Aussagen durch Beispiele veranschaulichen

Die sog. Erörterung

Die "Erörterung" (vgl. Frommer 2009) fordert die kritische Auseinandersetzung mit einem vorgegebenen Thema, das etwas Strittiges formuliert, sowie die schriftliche Ausarbeitung einer Behauptung. In den letzten Jahrzehnten war das Erörtern vor allem objekt- und produktorientiert. Dass und wie eine Meinung zu dem, was strittig ist, sich überhaupt bilden kann, wurde lange in der Aufsatzdidaktik nicht eigens bedacht (vgl. kritisch Feilke 2008). Schüler/-innen wiederum neigen zu der irrigen Ansicht, das Recht auf eine eigene Meinung decke jede sprachliche Äußerungsform ab. Sie bedenken oft nicht, dass nicht nur Sachverhalte, sondern auch Meinungen intersubjektiv nachvollziehbar dargestellt und begründet sein müssen. "Eine Meinung zu vertreten, heißt, eine Bewertung von Alternativen vorzunehmen und sie begründet zu kommunizieren." (Feilke 2008, 12).

Eine strenge Form (die "4 Bs": Behauptung, Begründung, Beweis, Beispiel), wie sie lange gelehrt wurde, ist indessen nicht die einzige Möglichkeit. Um die klassische Erörterungsdidaktik zu erneuern, wird in aktuellen Ansätzen nun mehr Wert auf die Subjekt- und Prozessorientierung gelegt. Das ‚Erörtern‘ wird zum ‚Argumentieren‘. Feilke (2008, 11) nennt  dafür als "Textsorten der Meinungsbildung" die Buch- oder Filmbesprechung, den Leserbrief, den Forumsbeitrag (Internet), die Glosse und den Essay.

Die neuere Forschung hat sich auch mit der Frage befasst, wie sich einzelne Teilkompetenzen ausgliedern und gezielt fördern lassen, z.B. das Finden stichhaltiger Argumente oder ihre Ausformulierung. Winkler/ Heublein/ Theel (2009) haben hierzu ein Modell vorgelegt.

Eine neuere Gesamtdarstellung stammt von Frommer (2009). Er unterscheidet im Bereich des schriftlichen Erörterns die "freie schriftliche Erörterung", für die er verschiedene "Thementypen" nennt,  und die "Texterörterung". als deren Aufgabe er das "Ermitteln" und Vermitteln" einer im Text angelegten Problematik bezeichnet.

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vgl. auch:

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weiterführende Literatur:

  • Praxis Deutsch 99 (1990)
  • Stadlbauer 2004 (LUSD 17)
  • Winkler/ Heublein/ Theel 2009
  • Feilke 2008
  • Frommer 2009

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