Digitale Medien im Schreibunterricht der Sekundarstufe

Digitale Medien haben in die Theorie und Praxis des Schreibens in zwei Wellen Einzug gehalten: „Die erste Welle verändert alte Schreibgewohnheiten, die zweite lässt neue entstehen“ (Schmitz 2003, 251). Die erste Welle betrachtet Schmitz als gegen Ende des 20. Jahrhunderts abgeschlossen, die zweite als noch andauernd. Sie ist entstanden, seitdem die Aufmerksamkeit von Schreiblehrer/-innen und Fachdidaktiker/-innen sich nicht mehr nur auf den Computer als Schreibwerkzeug richtete, sondern auf seine Vernetzbarkeit und damit auf weitere Funktionen.

Schreibberatung und kooperatives Schreiben am Computer haben gegenüber dem konventionellen Schreiben nicht nur technische Vorteile. Das Medium, das - jedenfalls bislang - oft auch weniger schreibfreudige Schüler motiviert, erzeugt seine eigene Dynamik gemeinsamer und interaktiver Wahrnehmung der Textplanung und -entstehung. Möglichkeiten der Informationsverarbeitung aus dem Internet (z.B. mit Hilfe der "WebQuest"-Methode  treten hinzu, bergen allerdings auch Gefahren, vor allem

  • unreflektierte Übernahme inhaltlich und/oder sprachlich problematischer Funde,
  • keine Ausbildung eigener Textplanungskompetenz, die durch Cut-and-Paste entbehrlich scheint, aber natürlich nicht ist (Wichert 1992 sprach kritisch von "frühreifen Texten").

Insgesamt steht aber die fachdidaktische Forschung einem Schreibunterricht mit Computermedien aufgeschlossen gegenüber, seit einem früheren Versuch in zwei Gymnasialklassen, der ergab (vgl. Blatt/Hermann/Kittlitz 1992, 588): 

  • Es wird öfter und länger geschrieben, d.h. auch mehr geübt.
  • Textproduktion in der Gruppe ermöglicht allen Gruppenmitgliedern das Mitdenken und Mitformulieren.
  • Der Schreibunterricht wird insgesamt kommunikativer.
  • Die schriftlichen Leistungen verbesserten sich in beiden Testklassen.

Schreiben, Überarbeiten und Veröffentlichen verändern sich durch Einsatz der Neuen Medien im und für den Unterricht (vgl. Plieninger 2000, Abraham/Bräuer 2005, Abraham 2014). Beteiligung an kollaborativen Internet-Projekten wie Wikipedia (vgl. Abraham/Gattermaier 2007, Cummings 2009) erweitert Schreibkompetenz um die Fähigkeit gemeinschaftlicher Textplanung und Textrevision.

Den in den Bildungsstandards im Fach Deutsch des mittleren Schulabschlusses (vgl. Bildungsstandards) verankerten Zielen des Umgangs mit Neuen Medien kommt das entgegen:

  • Textverarbeitungsprogramme und ihre Möglichkeiten nutzen, z.B. Formatierung, Präsentation.
  • Informationsquellen gezielt nutzen, insbesondere Bibliotheken, Nachschlagewerke, Zeitungen und Internet.
  • Texte mit Hilfe von neuen Medien verfassen, z.B. E-Mails, Chatroom.
  • Informations- und Unterhaltungsfunktion unterscheiden.
  • Medienspezifische Formen kennen: z.B. Print- und Online-Zeitungen, Infotainment, Hypertexte, Werbekommunikation, Film.
  • Wesentliche Darstellungsmittel kennen und deren Wirkung einschätzen.
  • Informationsmöglichkeiten nutzen, aber auch kritisch hinterfragen.

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Weiterführende Literatur

  • Schmitz 2003
  • Abraham/Gattermaier 2007
  • Cummings 2009
  • Abraham 2014

 

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