Digitale Medien im Schreibunterricht der Schule

Obwohl nicht alle Experten einer Meinung darüber sind, "wie viel Computer" bereits in die Grundschule gehört, und Kinder jedenfalls umsichtig an die "Neuen Medien" herangeführt werden müssen, herrscht doch Einigkeit darüber, dass Medienerziehung früh beginnen und kompensatorisch wirken muss: Vor allem diejenigen Kinder sollten in der Schule mit Computer und Internet umgehen lernen, die aus der primären Sozialisation dafür weniger gute Startbedingungen mitbringen. Darüber hinaus stellte sich schon in einer älteren Studie zu Lesen und Schreiben in einer Medienumgebung (Bertschi-Kaufmann 2000) heraus, dass vor allem Jungen besser auf Leseförderung ansprechen, wenn Medienverbundmöglichkeiten genutzt werden (vgl. ebd., 366f.).

 

Basiskompetenzen der Computernutzung im Deutschunterricht

Auch nach den Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Primarbereich (vgl. Bildungsstandards) soll der PC oder Laptop zur Textgestaltung verwendet werden. Das Augenmerk sollte hier vor allem auf dem Erwerb von medialen Basiskompetenzen liegen. Bereits in der Grundschule sollten Schüler/-innen den Umgang mit Textbearbeitungsprogrammen, Suchmaschinen im Internet und die schriftliche Korrespondenz mittels Email praktisch erlernen und anwenden (vgl. Kuzminykh 2009).

Dies ist wichtig, da bereits im Grundschulalter oft privat schon neue Medien genutzt werden. Um Schüler/-innen hierbei zu unterstützen, zu schützen und den kritischen Umgang mit z.B. Suchmaschinen zu vermitteln, muss der Computer in den heutigen zeitgemäßen Unterricht integriert werden (vgl. Schneider 2015). Medien übernehmen bereits einen Teil der Sozialisation der Schüler/-innen, und deshalb ist es Aufgabe der Schule sie hierbei zu unterstützen und den Erwerb des kritischen Umgangs mit Medien, als Aufgabe von Schule, in den Unterricht zu integrieren (vgl. Abraham 2013).

Eine Möglichkeit für den Erwerb von Basiskompetenzen des Schreibens bietet die Schreibplattform myMoment. Hier können Kinder anhand bestimmter Rahmenbedingungen eigene Texte verfassen, bearbeiten und im Internet veröffentlichen, um sie dann von anderen Kindern bewerten zu lassen. Es kann auch ein geschlossener Gruppenbereich eingerichtet werden, um sicher zu gehen, dass nur die eigene Klasse oder Lehrkraft ein Feedback abgeben können (vgl. Schneider 2015).

Zudem kann das Computerschreiben die Fähigkeit der Textüberarbeitung bei Grundschüler/-innen erhöhen. Durch Textbearbeitungsprogramme wird die Revision von Texten vereinfacht, was dazu führt, dass diese öfters durchgeführt wird. Zugleich wird dadurch das Feedback geben vereinfacht (vgl. Reuen 1997a). Zudem erhöht die Möglichkeit digital verfasste Texte für alle zugänglich zu machen und somit einfacher zu veröffentlichen, die Motivation der einzelnen Schreiber/-innen (vgl. Kuzminykh 2009). Auch wird das Tastenschreiben seit Langem als einfacher für die Motorik der Schüler/-innen angesehen (vgl. Kochan 1998).

Im Übrigen bietet das non-lineare Schreiben in Textbearbeitungsprogrammen neue Möglichkeiten für den Textentstehungsschritt der Überarbeitung [vgl. Schreibprozess]

Problematik des Schreibens am PC

Aber auch die negativen Aspekte sollten nicht ganz außer Acht gelassen werden. Zum einen kann das elektronische  Schreibwerkzeug Unsicherheit und Nervosität auslösen und somit die Textproduktion hemmen. Zum anderen leidet durch das mühsame Auffinden der richtigen Tasten die Schreibgeschwindigkeit zunächst enorm, was auch dazu führen kann, dass die Aufmerksamkeit des jungen Schreibers mehr auf die Tastatur als auf das Textprodukt selbst ausgerichtet ist (vgl. Reuen 1997a).
Jedoch können diese Probleme durch stetiges Üben schnell ausgeräumt bzw. gemindert werden, so dass die positiven Gesichtspunkte deutlich überwiegen.

Wichtig ist trotz alledem, dass das klassische Schreiben in der Grundschule nicht vernachlässigt wird. Klassische Schreibwerkzeuge müssen in dem Deutschunterricht der Primarstufe immer noch eine große Rolle spielen. Es sollte also eine gewisse Ausgeglichenheit herrschen.


Nutzung digitaler Medien als Selbstverständlichkeit 

Für die meisten Kinder in Deutschland ist der Umgang mit neuen Medien mittlerweile selbstverständlich. Vor allem die Nutzung von Apps spielt mittlerweile eine wichtige Rolle. Daher müssen künftige Deutschlehrerinnen und -lehrer so ausgebildet werden, dass sie selbst keine Berührungsängste haben, sondern die Computermedien selbstverständlich in den Sprach- und Literaturunterricht einbeziehen. Auch können Apps, wie zum Beispiel „Monster Zoo“, zur Förderung der schreibmotorischen Fähigkeiten in die außerschulische und schulische Förderung integriert werden (vgl. Krieg 2015).

Vor allem aber sollte der Umgang mit gestaltenden, wie PowerPoint-Präsentationen, und Medien des kooperativen Schreibens wie Wikis, WebQuests oder eJournals [vgl.  Elektronisch gestützte Kommunikation über Schreibpläne, Themen und Textsorten], muss Lehrer/-innen vermittelt werden. Denn wenn die Lehrkräfte keine Basiskompetenzen m Bereich der neuen Medien besitzen, können sie diese auch nicht an ihre Schüler/-innen weitervermitteln.

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weiterführende Literatur:

- Reuen 1997 a,b
- Bertschi-Kaufmann 2000
- Abraham/Knopf (Hrsg.) 2013, 201-212
- Knopf 2015
- Knopf/Abraham (Hrsg.) 2016

 

 

 

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