Projektbeschreibung

Die Deutschdidaktik hat keineswegs erst seit der PISA-Studie 2001 das Feld der Leseförderung sondiert. In der deutschen Bildungslandschaft ist die Frage nach nachwirksamer Leseförderung seither jedoch mit Dringlichkeit gestellt und in etlichen Maßnahmen auch in der Praxis umgesetzt worden. Neben der Förderung der Lesemotivation und der Lesefähigkeit (Leseflüssigkeit, Anwendung von Lesestrategien, Unterstützung literarischen Lesens) kommt der Förderung einer nachhaltigen Lesekultur, die die Heranwachsenden zur Teilhabe an der kulturellen Praxis Literatur befähigen soll, besondere Bedeutung zu.

Das Interesse der Deutschdidaktik richtet sich daher auch auf die Möglichkeiten außerschulischer Leseförderung. Denn Leseförderung geht über die Grenzen des Deutschunterrichts hinaus, versteht sich als Aufgabe aller Fächer und benötigt eine gesicherte Einbettung im gesamten Schulprofil. Der systematische Ausbau der schulischen Leseförderung in Kooperation mit öffentlichen Institutionen der Literatur- und Leseförderung (Bibliotheken, Buchhandel, Verlage, Buchmessen, Theater und Literaturmuseen) und im Kontakt mit Vertretern des literarischen Lebens (in Autorenlesungen oder Schreibwerkstätten) kann dazu beitragen, dass Kinder- und Jugendliche, über einzelne Events hinaus, langfristig wertvolle literarische Erfahrungen machen und ein positives Selbstkonzept als Lesende entwickeln.

Leseclubs situieren sich an der Schnittstelle außerunterrichtlicher und außerschulischer Leseförderung, denn sie existieren in Anbindung an Büchereien, Buchhandlungen oder Vereine, ebenso aber als schulische Wahlfächer oder AG-Angebote, die im Rahmen der Ganztagesschule zunehmend an Bedeutung gewinnen. Sie sind Orte der Begegnung mit Büchern und Gleichgesinnten und leben vom Gespräch über Bücher. Ihre kommunikative und spielerische Ausgestaltung nutzt zahlreiche Verfahren der Leseanimation (Vorlesepatenschaften, Organisation von Lesenächten und literarischen Rallyes, Autorenbegegnungen, Gestaltung von Literaturzeitungen und -blogs, Literaturkino) und zielt darauf ab, zum Lesen zu motivieren und in der Gemeinschaft literarische Geselligkeit zu erleben.

Da Kinder und Jugendliche im Umgang mit zahlreichen Medien aufwachsen, hat das Buch seine Funktion als Leitmedium längst abgegeben. Schließlich erschöpft sich die kulturelle Praxis Literatur keineswegs in der Rezeption des gedruckten Buches. Der Medienverbund der Kinder- und Jugendliteratur gestattet vielmehr, anschlussfähige Zugänge zu literarischen Erfahrungen intermedial zu unterstützen. Daher sind die Leseclubs gleichzeitig auch Medienclubs.

Das im Rahmen eines Kooperationsvertrags von der Stiftung Lesen unterstützte Lehr- und Forschungsprojekt „Leseförderung im Leseclub“ begleitet den Leseclub Frensdorf.

Das außerschulische Praxisfeld bietet Studierenden der Deutschdidaktik die Möglichkeit,  theoretische Grundlagen der Leseförderung in ihrer Umsetzung zu erproben und zu reflektieren. Das Projekt beteiligt die Studierenden an der Konzeptentwicklung und wissenschaftlichen Begleitung der lesefördernden Aktivitäten.

  • Erforschung der Lese- und Medienpräferenzen der Leseclubteilnehmer
  • Orientierung der Studierenden in der Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart
  • Genrebezogene Analyse und Auswahlempfehlungen von Kinder- und Jugendliteratur (vgl. auch www.boysandbooks.de)
  • Implementierung mehrerer Bausteine zur Evaluation der kulturellen Wirksamkeit des Leseclubs

Literatur:

Brendel-Perpina, Ina/ Stumpf, Felix: Leseförderung durch Teilhabe. Die Jugendjury zum Deutschen Jugendliteraturpreis. München 2013.

Ehmig, Simone C./ Reuter, Timo: Außerschulische Leseförderung in Deutschland. Strukturelle Beschreibung der Angebote und Rahmenbedingungen in Bibliotheken, Kindertageseinrichtungen und kultureller Jugendarbeit. Schriftenreihe der Stiftung Lesen 11. Mainz 2011.

Nickel-Bacon, Irmgard/ Wrobel, Dieter: Lesekultur. In: Praxis Deutsch 231 (2012), S. 4-12.

Rosebrock, Cornelia/ Nix, Daniel: Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung. Baltmannsweiler 2008. 

Mit dem Programm „Kultur macht stark“ fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 2013 deutschlandweit die Implementierung lokaler Bündnisse für Bildung.  Zielgruppe sind bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche, für die wesentliche Zugänge zu Bildung aufgrund von sozialen, finanziellen oder kulturellen Risikolagen nur eingeschränkt vorhanden sind.

Schulische und außerschulische Angebote leisten insbesondere im Bereich der kulturellen Bildung einen nachweislichen Beitrag zur Identitätsentwicklung.  

„Kulturelle Bildung spricht Kinder und Jugendliche auf ganz unterschiedlichen Ebenen an: Sie lernen hier, ein Werk selbst zu gestalten, eine Aufgabe zum Erfolg zu führen und auch Rückschläge zu verkraften. Sie lernen zuzuhören und genau hinzuschauen. Und sie lernen, eine eigene Sprache zu entwickeln. Das sind Fähigkeiten und Grundhaltungen, die über den musisch-kulturellen Bereich hinaus von enormer Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen und für ein ‚gelingendes Leben‘ als Individuum und in der Gemeinschaft sind.“ (Auszug aus den Zielen des BMBF-Programms)

Lesen Sie mehr dazu:

www.buendnisse-fuer-bildung.de/de/programm.php

Als Programmpartner des BMBF gründet die Stiftung Lesen als Initiative bundesweit lokale Bündnisse für Bildung, die Leseclubs aufbauen und organisieren. Unter dem Motto „Leseclubs – Mit Freu(n)den lesen“ werden 200 Leseclubs für Kinder von 6 bis 12 Jahren in außerschulischen Institutionen eingerichtet und von einem weiteren lokalen Bündnispartner im Bereich Leseförderung, Literaturvermittlung usw. unterstützt.

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