Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur

Kulturraumforschung

Kulturelles Lernen in Deutsch-als-Minderheitensprache (DaM) in Oberschlesien

Projektleitung: Dr. Claudia Kupfer-Schreiner

Seit vielen Jahren bestehen Kontakte zur Hochschule in Nysa / Neisse (Polen, Niederschlesien). Neben dem Austausch von Studierenden und Dozentinnen und Dozenten entwickeln und erproben wir gemeinsam Konzepte des Essayistischen Schreibens im DaF-Unterricht, des literarischen Lernens (insbesondere Texte von Max Hermann-Neiße oder Eichendorff) oder von interkulturellen Sprachlernkonzepten für Deutsch als Zweit-, Fremd- oder Minderheitensprachen. Auch organisierten wir gemeinsame Lese- und Schreibreisen 2004 ins Glatzer Bergland, 2007 nach Prag und 2013 nach Oberschlesien.

Ein Projekt führte 2013 nach Dytmarów, einer kleinen Ortschaft in Oberschlesien im Oppelner Land, wo an einer Primarschule Deutsch als Minderheitensprache (DaM) eingeführt wurde. Dort, in einem Kulturraum, der praktisch kaum noch Bezug zur deutschen Sprache und Kultur hat, soll die deutsche Sprache und Kultur, wo sie sich (fast) schon verloren hat, wiederbelebt werden.

In Schlesien ist (Deutsch-)Unterricht immer eine Herausforderung, da die wechselhafte Geschichte und die damit einhergegangenen einschneidenden Brüche der sprachlichen und kulturellen Traditionen nachwirken und auch, wenn auch nicht immer deutlich erkennbar, noch vorhanden sind. Dieses kulturelle Erbe soll sichtbar gemacht werden und in das Konzept eines kulturell ausgerichteten DaM-Unterrichts fließen.

Ziel des Projektes war es, im Rahmen einer modernen Didaktik und Pädagogik ein zielgruppenorientiertes Lernkonzept zu entwickeln, das Spracharbeit und Kulturwissen miteinander verbindet und in das reguläre, bereits vorhandene Sprachlernkonzept des DaM-Unterrichts integriert. Einerseits sollten die polnisch-deutschen Wechselbeziehungen der Kontaktsprachen und Kulturen der Vergangenheit zum Thema gemacht werden, anderseits sollte der Blick auf eine gemeinsame europäische Zukunft gerichtet werden. Die Kinder an der Dymtarówer Grundschule sollten daran erinnert werden, welch sprachlichen und kulturellen Reichtum Schlesien Europa zu bieten hat und aus diesem „Schatz“ Nutzen ziehen für ihr künftiges Leben in einem geeinten Europa.

Es sollten Aspekte der Kultur des Zielsprachenlandes Deutschland (Märchen, Gedichte und Reime, Kinder-, insbesondere Bilderbücher...) und der regionalen Kultur- und Sprachenlandschaft (Deutsch und schlesischer Dialekt, Polnisch und das so genannte „Wasserpolnisch“) für Kinder didaktisch fruchtbar gemacht werden – ein ambitioniertes Unterfangen. Fachdidaktische Zugänge ergaben sich beispielsweise durch Verfahren eines vorstellungsbildenden Literaturunterrichts, Strategien zum Erwerb von Lesekompetenz, durch Rollenspiele zum Aufbau von Empathie und Fremdverstehen, durch biographisches und kreatives Schreiben oder auch durch das das Aufsuchen von außerschulischen Lernorten.

Das Vorhaben realisierten wir mit unseren Partnern, der Hochschule in Neisse, der Grundschule in Dytmarów, für die Primarstufe, in Polen sind dies die Jahrgangsstufen 1 bis 6.

Das Projekt ist abgeschlossen.

Beitrag vom Besuch in Polen