▼ Lehre im Notbetrieb

kUNI spricht mit Caroline Oehlhorn über die Online-Lehre

 \\ WISSENSCHAFTLERINNEN DER UNIVERSITÄT BAMBERG

\\ INTERVIEW VON 2020

 

Die Universität ist für Publikumsverkehr geschlossen und die komplette Lehre wurde ins Online-Format umgestellt. Was bedeutet das für Lehrende und Studierende? Was sind Hürden und Chancen? kUNIgunde hat bei verschiedenen Wissenschaftlerinnen nachgefragt.


Caroline Oehlhorn ist seit Oktober 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen und aktuell eine der stellvertretenden Fakultätsfrauenbeauftragten der WIAI.

 

Die recht rasche Umstellung von Präsenz- auf Online-Lehre war für alle Lehrenden ein Kraftakt. Wie schätzen Sie den Arbeitsaufwand im Zusammenhang mit dieser Umstellung ein und welche (unerwarteten) Hürden mussten Sie in diesem Prozess nehmen?

CO: Ich vermute, dass ich persönlich hier vergleichsweise weniger betroffen bin als andere Lehrende. Zum einen habe ich in diesem Sommersemester keine Präsenzlehre (z.B. eine Übung), die ich auf Online umstellen musste. Ich betreue in diesem Semester zusammengerechnet etwa ein Dutzend Seminar-, Bachelor- und Masterarbeiten sowie die Organisation der Lehrveranstaltung eines externen Dozenten. Letzteres habe ich als unproblematisch empfunden, da der externe Dozent hier mit viel Engagement vorangegangen ist und wir sehr schnell nach der Ankündigung zum Online-Betrieb über verschiedene Möglichkeiten (z.B. Tools, Kommunikationswege, etc.) ausgetauscht haben. Wir konnten uns schnell auf eine passende Lösung einigen und haben dementsprechend die Aufgaben aufgeteilt.

Zum anderen sehe ich auch, dass die Umsetzung bestimmter Arbeiten über Online-Kanäle für mich persönlich nicht neu ist. Schon in den vorherigen Semestern habe ich Studierende bei ihren Seminar- und Abschlussarbeiten betreut, die sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Bamberg, teilweise auch im Ausland befanden. Das hat also davor schon über Mail, Telefon und Videokonferenzen gut geklappt. Es ist natürlich eine Umgewöhnung, wenn man nur noch rein virtuellen Kontakt zu den Studierenden hat. Der Arbeitsaufwand hier ist aus meiner Sicht aber gleich geblieben. Darüber hinaus bin ich seit eineinhalb Jahren als Tutorin für ein Modul des virtuellen Masterstudiengangs VAWi (Wirtschaftsinformatik), der hier an der Uni Bamberg beheimatet ist, tätig. Dieser ist, ausgenommen die Semestereinführungsveranstaltung sowie die Prüfungen, komplett virtuell organisiert. Ich kann von den bisherigen Erfahrung damit also in der jetzigen Zeit profitieren.

 

Welche Folgen hat es für Sie, dass Lehre und Privatleben räumlich nicht mehr getrennt sind?

CO: Die Folgen sind aus meiner Sicht überschaubar. Ich habe auch schon vor der aktuellen Situation öfters von daheim gearbeitet. Zu Beginn der Ausnahmesituation, als mein Partner dann zeitgleich im Home Office war, mussten wir uns natürlich erstmal koordinieren, weil wir nur ein Arbeitszimmer haben. Gefühlt fällt es mir manchmal etwas schwerer länger fokussiert zu arbeiten (z.B. wenn er Partner im Nebenzimmer telefoniert oder zwischendurch „vorbeischaut“), aber auch hier gibt es Lösungen (Appellieren an die Selbstdisziplin, Noise Cancelling Kopfhörer, usw.). Außerdem war ich zwischendurch auch mal im Uni-Büro, z.B. wenn ich Unterlagen holen oder ungestört arbeiten wollte.

Unabhängig davon finde ich es in solchen Situationen wichtig, dass man sich auch die Vorteile regelmäßig vor Augen führt. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich es nicht praktisch finde, in einer kurzen Arbeitspause mal die Waschmaschine anschalten oder mich auf den Balkon in die Sonne setzen zu können.

 

Wo sehen Sie die Schwierigkeiten, aber eventuell auch die Chancen eines digitalen Semesters wie wir es aktuell erleben?

CO: Die Herausforderungen sehe ich v.a. darin, Wissen adäquat zu vermitteln sowie den Kontakt und die Interaktion mit Studierenden zu halten. Für Ersteres bieten die Tools (z.B. Zoom) viele tolle Funktionen. Man braucht freilich etwas Einarbeitungszeit, um abzuschätzen, wann welche Funktion nützlich und sinnvoll ist. Kontakt und Interaktion müssen ggf. öfter initiiert werden, spielen sich aber auch ein.
Chancen sehe ich ganz klar im Aufbrechen festgefahrener Formate und der Beschäftigung mit neuen, moderneren Alternativen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der oder die ein oder andere Lehrende von diesen Möglichkeiten auch nach der Krisensituation Gebrauch macht und offen gegenüber neuen Formaten ist. Sowas kann dann auch nachhaltig zu besserer Lehre beitragen.

 

Welche Hilfsangebote haben Sie in Anspruch genommen und welche Arten von Unterstützung würden Sie sich noch wünschen?

CO: Ich bin oder war sehr froh, dass unser „Technik-Beauftragter“ am Lehrstuhl von Beginn an proaktiv seine Unterstützung angeboten hat und bei Technik-Fragen jederzeit erreichbar war! Insgesamt sehe ich im Umgang mit dieser Ausnahmesituation die individuelle Akzeptanz und Resilienz als Kernfaktoren. Entsprechende Trainingsformate (z.B. krisenspezifisches Resilienztraining) halte ich durchaus für sinnvoll. Inwieweit solche auch akut stattfinden können und entsprechend wirken, kann ich schwer abschätzen.

 

Wir bedanken uns herzlich bei Caroline Oehlhorn für das spannende Interview!

 

Sarah Siemeister