▼Captivating Criminality 8: Crime Fiction, Femininities and Masculinities

kuni spricht mit Dr. Kerstin-Anja Münderlein

Fortgeschrittene Nachwuchswissenschaftlerinnen sollen als Veranstalterinnen einer Tagung ins Rampenlicht des wissenschaftlichen Diskurses gerückt werden. Mit einer innovativen, fachspezifischen und öffentlichkeitswirksamen Tagung kann so eine Förderung und Vernetzung stattfinden. Gerade für nicht-festangestellte Nachwuchswissenschaftlerinnen ist es wichtig sich in ihrem Fachgebiet weiterzuentwickeln und sich so wichtigen Input zu ihren Forschungsinteressen erhalten. Diesmal sprechen wir mit Doktorin Kerstin-Anja Münderlein über ihre Tagung mit dem Titel „Captivating Criminality 8: Crime Fiction, Femininities and Masculinities“.


Könnten Sie uns bitte kurz den Schwerpunkt Ihrer Tagung vorstellen?

In dieser Tagung wird es spezifisch um den Stellenwert von Gender in Kriminalliteratur und -film gehen. Gerade im Krimi werden Femininitäten und Maskulinitäten auf verschiedene Weise in den Vordergrund gerückt, beispielsweise durch das häufig weibliche Opfer, die Figur der „femme fatale“ oder durch den Fokus vieler Krimis auf die Figur des Ermittlers, der – je nach Genre – entweder überzogen maskulin (wie im hardboiled Krimi) oder sogar recht feminin (wie im Golden Age Krimi) dargestellt wird. Die Konferenz bringt Forschende aus der ganzen Welt zusammen, die sich in ihren Beiträgen eine große Bandbreite an Genderthemen im Krimi ansehen, die sich sowohl zeitlich als auch geographisch in einem großen Rahmen bewegen (vom elisabethanischen England über den indischen hardboiled Krimi des 20. Jahrhundert zum spanischen Pandemieroman des letzten Jahres). Alle Themen haben gemein, dass sie deutlich aufzeigen, wie wichtig Geschlechterdarstellungen, -stereotypen und –identitäten im Krimigenre sind – und wie häufig sie als gegeben hingenommen werden. Das Ziel der Tagung ist daher, diesem Thema in seiner Breite eine akademische Bühne zu bieten.

 

Was ist das Neue an Ihrer Tagung bzw. Welchen Erkenntnisgewinn erhoffen Sie sich?

Krimi ist grundsätzlich ein Genre, das etwas zu kurz kommt in der Forschung, daher ist eine große Tagung in Mitteleuropa zu Krimi wichtig, um dieses gerne belächelte „populäre“ Genre akademisch noch weiter salonfähig zu machen. Der Genderaspekt ist, wie gesagt, innerhalb der Kriminalliteratur ein immer wiederkehrender roter Faden, jedoch braucht es noch deutlich mehr koordinierte Forschung, um ein repräsentativ facettenreiches Bild von Gender im Krimi zu erstellen. Daher ist gerade eine Konferenz der ideale Rahmen, um Forschende aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen, die hier miteinander in Austausch treten können.

 

Könnten Sie bitte kurz Ihren Forschungsschwerpunkt vorstellen? 

Mein spezifischer Forschungsschwerpunk, aus dem sich auch das Thema der Konferenz ergibt, ist die Darstellung von (stereotypen) Genderrollen und –erwartungen in der Kriminalliteratur des englischen „Golden Age“, also die Zeit zwischen den Weltkriegen, in der sich der Krimi stark veränderte. Den meisten Leser*innen dürften hier die Werke von Agatha Christie oder Dorothy L. Sayers bekannt sein. In meinem Projekt erforsche ich, inwieweit sich die Geschlechterdarstellung in Bezug auf Femininitäts- und Maskulinitätskonzepte der Literatur dieser Zeit mit der Kriminalliteratur des sog. „Neo-Golden Age“, also einer (nostalgischen) Reimagination des Genres im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert verändert hat.

 

Welche Herausforderungen haben Sie sich in der Vorbereitung der Tagung stellen müssen? Welche davon sind der Corona Pandemie geschuldet?

Aufgrund der Pandemie musste die Tagung bereits zweimal verschoben werden und auch die Finanzierung muss nun, nachdem vieles teurer ist, immer noch angepasst werden. Die Kommunikation durch die Verschiebung (mit Keynote-Sprecher*innen, Caterern, dem Veranstaltungsservice, etc.) war zwar durchweg positiv und alle waren unheimlich kooperativ, aber es zieht doch einen Rattenschwanz an Arbeit nach sich. Und die eigentliche Arbeit an der Tagung, die Zusammenstellung eines sinnvollen Programms, hat noch gar nicht begonnen. Es macht viel Spaß, sich darüber Gedanken zu machen, wie man die doch teilweise sehr unterschiedlichen Beiträge sinnvoll in Panels verpackt, damit sich auch in jedem Panel eine gute Diskussion ergibt.

 

Welche Türen haben sich für Sie durch diese Förderung der Frauenbeauftragten geöffnet, die sich ohne diese Förderung für diese Tagung nicht hätten öffnen können?

Ich bin nun assistant editor der Zeitschrift „Crime Fiction Studies“ und habe durch die Tagung die Chance, eine Themenausgabe zu Krimi und Gender herauszugeben. Der Kontakt zu den Keynote-Sprecher*innen, den ich ohne die Konferenz auch nicht gehabt hätte, hat mich auch auf persönlicher Ebene in meiner eigenen Forschung vorangebracht.

 

Mit Hilfe der SPOT Förderung wollen die Frauenbeauftragten Sie als wissenschaftliches Vorbild bekannt machen. Gab es für Sie Vorbilder oder Menschen, die Sie in Ihren wissenschaftlichen Vorhaben inspiriert oder bestärkt haben?

Ja, die gab es immer. Die Bestärkung darin, dass ich „das Zeug dazu habe“ in die Wissenschaft zu gehen, habe ich während meines Masterstudiums ganz speziell durch Prof. Dr. Christoph Heyl und Prof. Dr. Christoph Houswitschka erfahren. Ein paar Jahre später war es dann Prof. Dr. Anette Pankratz, meine Mentorin in FeRNet, die mich in die richtige Richtung dirigiert hat und deren Input in der Publikationsphase meiner Dissertation goldrichtig war. Auch meine Kolleginnen bei FeRNet inspirieren mich nach wie vor dazu, mit Überzeugung meinen Weg zu gehen und das zu machen, was ich für richtig halte. Überhaupt bin ich eine große Verfechterin von „peer group-Motivation“, weil ich es als sehr motivierend und inspirierend empfinde, mich mit Menschen auszutauschen, die auf einer ähnlichen Karrierestufe sind. Da bewegt sich zum Teil so viel in so kurzer Zeit, dass es wahnsinnig spannend ist, zuzusehen, wie sich die Karrieren meiner Kolleg*innen und Freund*innen entwickeln.

Fachlich inspiriert haben mich tatsächlich die Personen, die ich nun als Keynote-Sprecher*innen bei meiner Konferenz dabeihabe, insofern ist es natürlich sehr aufregend, diese Leute nun in Bamberg zu haben.

 

Hatten bzw. haben Sie das Gefühl, dass Sie im Gegensatz zu Ihren männlichen Kollegen mehr leisten mussten bzw. müssen, um die gleiche Anerkennung zu bekommen?

Schwierig zu sagen. Ich tendiere zu ja, weil es mir leider wie vielen anderen auch schon passiert ist, dass männliche Kollegen sich mit meinen Ideen positionieren konnten bzw. dass ich „lauter schreien“ musste, damit meine Idee gehört wurde. Zum Glück ist das nicht oft passiert, aber es ist nicht immer einfach, als junge Frau in der Wissenschaft ernst genommen zu werden. Gerade bei älteren männlichen Wissenschaftlern stößt man da dann doch gelegentlich auf eine recht paternalistische Haltung und wird eher gelobt, wie fleißig man war als für seine echte Leistung anerkannt zu werden. Und ja, meine Lösung ist hier tatsächlich, dass ich dann mehr mache, alle Belege doppelt prüfe und mich doppelt und dreifach vorbereite.

 

Was würden Sie Studentinnen raten, die sich für eine wissenschaftliche Tätigkeit interessieren?

Unbedingt machen! Finden Sie etwas, wofür Sie brennen, aber seien Sie sich bewusst, dass eine wissenschaftliche Tätigkeit mit Verwaltung und Frust einhergeht. Versuchen Sie, im Gespräch mit Dozierenden oder Forschenden eine realistische Vorstellung davon zu bekommen, was von Ihnen in der Wissenschaft erwartet wird. Und dann entscheiden Sie, ob Sie das tun wollen. Wenn Sie feststellen, Sie wollen das wirklich tun, dann tun Sie es unbedingt. Selbst wenn Sie sich nicht so ganz sicher sind, ob Sie nachher eine Stelle bekommen oder wie Ihre Zukunft aussieht. Das weiß man nie, das haben wir ja gerade in den letzten zwei Jahren gesehen. Sie entscheiden über Ihr Leben und darüber, was Sie damit machen wollen. Lassen Sie sich also auch nicht von vermeintlichen Zwängen abhalten. Ein bisschen stur sein hilft, finde ich. Und sich immer dessen bewusst sein, dass wir alle nur ein Leben haben und damit das anstellen müssen, was wir wirklich wollen. Informieren Sie sich gut über Finanzierung, Arbeitsaufwand und, ja, Zukunftsaussichten, wenn das für Sie eine wichtige Komponente der Entscheidungsfindung ist, und treffen Sie dann eine informierte Entscheidung. Und sollten Sie nach einer Zeit feststellen, dass die Akademie doch nichts für Sie ist, dann ist das auch okay. Dann haben Sie es selbst probiert und können Ihre Entscheidung wieder selbst treffen ohne sich reinreden zu lassen.

 

Weitere Informationen und das vollständige Tagungsprogramm könnt ihr euch hier genauer ansehen: https://www.uni-bamberg.de/en/englit/captivating-criminality-8-crime-fiction-femininities-and-masculinities-2021/