○ Forschende Frauen 2017

Am 13. Juni 2017 fanden sich unsere FORSCHEnden Frauen zusammen.

 


Vortragen – Veröffentlichen – Vernetzen

Entscheiden Frauen anders als Männer? Was ist eine Genisa? Und kann man durch den richtigen Führungsstil Konflikte im Unternehmen vermeiden? Die Antworten darauf bekamen diejenigen, die am 13. Juni 2017 im ehemaligen Senatssaal am Kolloquium der „Forschenden Frauen in Bamberg“ teilnahmen, hervorragend aufgearbeitet von drei Nachwuchswissenschaftlerinnen unserer Universität präsentiert.

Die Universitätsfrauenbeauftragte Iris Hermann hob bereits bei der Begrüßung hervor, wie spannen es jedes Jahr aufs Neue ist, zu beobachten, dass sich am Ende des Tages meist ein Roter Faden durch die Vorträge zieht. Auch wenn sie eigentlich bunt und zufällig zusammengewürfelt sind und aus sehr unterschiedlichen Fachrichtungen kommen, finden sich oft verbindende Elemente zwischen den Forschungsthemen. Diese laden zum Diskutieren und Vernetzen ein- eine nicht zu unterschätzend Komponente des Kolloquiums. Den Dreiklang aus Vortragen, Veröffentlichen und Vernetzen haben die Universitätsfrauenbeauftragten im Jahr 2008 initiiert um Doktorandinnen und Post-Docs eine Bühne zu bereiten, auf der sie Vortragspraxis sammeln können, sich vernetzen können und die Vorträge eben auch veröffentlichen können, in der gleichnamigen Buchreihe „Forschende Frauen“ in Bamberg, die im UBP erscheint. Die langjährige Erfahrung zeigt, dass diese Art der Förderung der wissenschaftlichen Karriere durchaus nutzen kann.

Entscheiden Frauen anders als Männer?

Linda Kerner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der BWL und Fachfrau für internationales Management. Sie interviewte für ihre Dissertation Managerinnen und Manager aus Deutschland und Taiwan, die sich im Rahmen eines MBA Studiums weiterbildeten. Während der Fokus in ihrer Dissertation auf interkulturellen Unterschieden in der Entscheidungsfindung liegt, untersuchte Frau Kerner für die Forschenden Frauen, ob es auch geschlechterspezifische Unterschiede gibt. Glaubt man der Fachliteratur von vor 1980, dann liegen diese klar auf der Hand: Frauen sind in Entscheidungsfindungsprozessen weniger aggressiv, weniger risikofreudig, haben weniger Vertrauen in die eigene Entscheidung und sind außerdem leichter beeinflussbar als Männer. In der Forschungsliteratur, die in den darauf folgenden 20 Jahren veröffentlich wurde, schien sich zu bestätigen, dass Frauen weniger risikofreudig sind und weniger in ihre eigene Entscheidung vertrauen als Männer. Erst mit der Jahrtausendwende wurde detaillierter geforscht. Die höhere Risikobereitschaft von Männern bestätigte sich erneut. Allerdings wurde gleichzeitig gezeigt, dass Männer dadurch auch mehr verlieren.

Und Linda Kerner? Sie zeigte anhand ihrer Stichprobe von 259 Managerinnen und Managern aus Taiwan und Deutschland, dass Frauen und Männerbei Entscheidungen gleichermaßen intuitiv handeln, Frauen das aber vor allem bei Entscheidungen tun, bei denen es um „nicht so viel“ geht. Frauen entscheiden dann besonders rational, binden Menschen, die von dieser Entscheidung betroffen sind, mit ein und schieben eine Entscheidung auch einmal auf, wenn es um viel geht. Frauen haben gleichzeitig aber auch höhere „Maskulinitätswerte“ als Männer: Durchhaltevermögen, Zielgerichtetheit und Selbstbewusstsein waren besonders stark ausgeprägt. Das Fazit: „In ihrer Fähigkeit, eine Entscheidung zu treffen, unterscheiden sich Frauen nicht von Männern. Sehr wohl aber in der Herangehensweise.“

Was ist eine Genisa?

Mit Profitorientierung, Teams in denen sie sich behaupten könnte oder Konkurrenz hat Frau Singer-Brehm in ihrem Forschungsalltag nichts zu tun. Eher mit fragenden Blicken. Auch beim Kolloquium begann Frau Singer-Brehm, „wie meistens“ wie sie versicherte, „ganz von vorne“. Frau Singer-Brehm ist Ethnologin, hat außerdem Slavistik, Jiddistik, Germanistik und Museumskunde studiert und ist nun Fachfrau für Jüdische Gebets- und Alltagsliteratur und Gegenstände, die meist auf Dachböden von Synagogen gesammelt wurden, weil sie nicht weggeworfen werden durften. Diesen Nachlass einer jüdischen Gemeinde nennt man Genisa. Die größte und erste Genisa, die entdeckt wurde, stammt aus der Ben-Esra-Synagoge in Kairo. Eine vom Umfang und den Fundstücken her nicht weniger relevante Genisa wurde in der ehemaligen Synagoge Reckendorfs entdeckt. Allen in Franken entdeckten Genisoth gemein ist der schlechte Allgemeinzustand der Fundstücke, die ungeschützt über Jahrhunderte Hitze und Kälte, Tauben, Mäusen und anderen Widrigkeiten ausgesetzt waren. „Gleichzeitig sind sie aber von unschätzbarem Wert“, weiß Elisabeth Singer-Brehm, „denn sie geben Zeugnis über das Jüdische Leben unterschiedlicher Epochen. Das älteste Fundstück aus Reckendorf lässt sich auf 1521 datieren“.

Bevor die Fundstücke allerdings datiert werden können, musste die Genisa von Staub, Müll, Ziegelsteinen und Tierskeletten befreit werden, wichtige mussten von unwichtigen Fundstücken unterschieden werden, einzelne Papierfetzen mussten zusammengepuzzelt werden. Aus siebzig Umzugskartons blieben so ungefähr 100 Archivboxen übrig. Der Inhalt dieser Boxen konnte dann mit digitalisierten Büchern aus Bibliotheken verglichen werden. Zum Vorschein kamen neben Bibeln und sogenannten „Weiberbibeln“ wirklich einzigartige Funde, zum Beispiel ein „Til Eulenspielgel“ auf Jiddisch. Oder ein Rezept für die Apotheke, Impf- und Lottoscheine. Ein nicht zu erwartender Fund war auch das Rechnungsbuch eines Gewürzhändlers. Eine Genisa diesen Umfangs gibt also Aufschluss über das Alter und die Größe der Jüdischen Gemeinde und über diverse Bräuche. Die Forschung, die Elisabeth Singer-Brehm betreibt ist Grundlagenforschung in Reinkultur. Sie selbst möchte eine „Anregung zur Forschung bieten, mit Anleitung zum Weiterforschen“.

Führungsstil ändern und Konflikte vermeiden

Jana Kammerhoff ist Psychologin und als solche zum Promovieren an die Universität Bamberg gekommen. Sie untersucht im Team von Professorin Astrid Schütz Führungsstile und im Speziellen die Auswirkung des sogenannten „transformationalen“ Führungsstils auf Konflikte in Unternehmen. In Ihrem Vortrag stellte Frau Kammerhoff zunächst fest, dass Konflikte grundsätzlich eher negative Folgen für ein Unternehmen haben, zum Beispiel die Leistung einzelner oder von Gruppen verringern. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nachlässt. Konflikte lassen sich zwar lösen, entweder zwischen den Betroffenen selbst oder durch Dritte, wie etwa speziell ausgebildete Trainer. Frau Kammerhoff aber geht in ihrer Forschung einen anderen Weg: Sie legt den Fokus auf die Vermeidung von Konflikten.

Zum Lösen von Konflikten wurde der transformationale Führungsstil bereits getestet und er verfehlt seine Wirkung nicht. Jana Kammerhoff konnte nun zeigen, dass er auch präventiv wirkt: „Er hat sowohl einen positiven Effekt auf die individuelle Arbeitszufriedenheit als auch auf die selbsteingeschätze Leistung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“. Zu diesem Ergebnis kam Frau Kammerhoff, nachdem sie eine besondere Testgruppe untersuchte. Orchestermusikerinnen und -musiker waren ihre Probanden. Der Grund dafür ist, dass das Dirigieren ein Paradebeispiel für Führung darstellt. Dirigentinnen und Dirigenten nutzen in besonderer Weise die individuellen Fähigkeiten ihrer Musikerinnen und Musiker und sind in der Lage „Visionen“ zu vermitteln. Frau Kammerhoff befragte 339 Personen mittels eines Online-Fragebogens. Sie fand nicht nur heraus, dass transformationale Führung zur Vermeidung von Konflikten beiträgt, sondern auch, wie sich das auf das Orchester auswirkt. Wenn es weniger Aufgabenbezogene Konflikte gibt, dann erhöht das die Leistung der Musikerinnen und Musiker. Wenn Beziehungskonflikte vermieden werden, erhöht das die Arbeitszufriedenheit im Orchester. Mit einem angemessenen Führungsstil lassen sich Konflikte also vermeiden und sowohl die Leistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch deren Arbeitszufriedenheit steigern.

Die Beiträge der forschenden Frauen 2017 werden in der gleichnamigen Buchreihe noch im Wintersemester veröffentlicht. Für das Jahr 2018 planen die Frauenbeauftragten, dem Kolloquium einen thematischen Schwerpunkt zu geben. Konkret werden die Planungen dazu im Laufe des Wintersemesters. Interessentinnen können sich gerne schon jetzt im Frauenbüro melden.