Sie sind eine Art Ideenschmiede: die Potenzialfelder an der Universität Bamberg. Möglicherweise – aber nicht zwangsläufig – entwickeln sie sich zu Forschungsschwerpunkten und prägen so das Forschungsprofil der Otto-Friedrich-Universität mit. International renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler planen gemeinsame Forschungsaktivitäten und vernetzen sich in der Universität und mit externen Partnern. Zum Beispiel widmet sich ein Potenzialfeld dem Handeln von und in Organisationen.

Handeln von und in Organisationen

Die Online-Bestellung wird pünktlich geliefert, verschiedene Kommunikationsmedien sind verfügbar, Klimaziele werden international abgestimmt: Das sind keine Zufälle, sondern die Folgen eines fragilen Gleichgewichts fein abgestimmter Koordinations- und Organisationsprozesse. Organisationen wie Staaten, Unternehmen, Parteien, Kirchen oder künstlerische Initiativen sind wichtig, weil sie das gesamte Leben und die Gesellschaft durchziehen. Sie sind langlebige Gebilde und oft untrennbar mit Technologien verbunden. Um ihre Veränderungsprozesse zu verstehen und zu gestalten, befassen sich Forschende mit dem komplexen Zusammenspiel von Individuum, Struktur und Technologie.

Die Bewältigung dieser Herausforderung geht weit über die Möglichkeiten einzelner wissenschaftlicher Disziplinen hinaus. Ein interdisziplinärer Zugang ist nötig – wie im Potenzialfeld Handeln von und in Organisationen: Die Forschungsgruppe fokussiert sich auf empirische Untersuchungen. Aktuelle Projekte widmen sich insbesondere den Themen Organisationen als kollektive Akteure, Inter-organisationale Beziehungen, Technologie und Netzwerke sowie Strategiearbeit und Führung.

Können Organisationen handeln? Wie entsteht aus dem Zusammenwirken der Mitglieder die Handlungsfähigkeit der Organisation? Wie unterscheiden sich Organisationen von anderen Formen des kollektiven Handelns in sozialen Bewegungen, Gruppen oder Gemeinschaften? Wie schaffen sie es, sich zu koordinieren und auf gemeinsame Herausforderungen auszurichten, trotz der Zusammenhanglosigkeit unterschiedlicher Meinungen und vielfältigen politischen Interessen unter ihren Mitgliedern? Im Alltag nehmen viele Menschen Organisationen ja weniger als Ansammlung von Individuen, sondern als kollektive Akteure war, welche im Innenverhältnis ein geteiltes Zielverständnis und im Außenverhältnis häufig eine klar kommunizierte und verstandene Identität aufweisen. Dies trifft auf politische Parteien genauso zu wie auf global tätige Unternehmen.

Ein zentraler Themenschwerpunkt beschäftigt sich mit konkreten Bedingungen organisationalen Handelns, insbesondere digitalen Technologien, sowie der Bedeutung sozialer Netzwerke und dem Austausch zwischen Organisationen in Wertschöpfungsprozessen. Diese Aspekte werden hier bewusst in ihrem Zusammenspiel gedacht. Die zunehmende Bedeutung sozialer Netzwerke stellt einerseits traditionelle Grenzen von Organisationen in Frage, wird aber andererseits zum Katalysator spontaner Organisationsformen, wie die Koordination von Investoren über soziale Medien zeigt. Diese Dynamiken sind undenkbar ohne digitale Technologien. Die Forschungsprojekte fokussieren deshalb auf die digitalen und sozial vernetzten Prozesse organisationalen Handelns. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Akteure diese inter-organisationalen Beziehungen ermöglichen.

Organisationen sind ziel-, zweck- und häufig auch wettbewerbsorientiert. Diese Ziele können von vorübergehender Natur sein, wie im Falle von Projekten oder künstlerischen Initiativen. Oder sie bestehen stabil über lange Zeit hinweg, wie dies bei vielen religiösen Organisationen der Fall ist. Eine zentrale Frage lautet: Wie entstehen diese Ziele und wie werden sie legitimiert? Nach welchen Kriterien oder Maximen handeln Organisationen? Welchen Einfluss spielen dabei die verschiedenen sozialen Felder, in denen sich Organisationen oft bewegen? Wie entstehen Wettbewerbsbeziehungen zwischen unterschiedlichen organisationalen Akteuren? Die damit verbundenen Aktivitäten werden häufig als Strategiearbeit bezeichnet. Welche Akteure innerhalb und außerhalb von Organisationen sind Teil dieser Strategiearbeit? Wie unterscheidet sich diese Arbeit in unterschiedlichen Organisationen von Start-ups bis hin zu politischen oder religiösen Institutionen? Diese Fragestellungen beziehen sich insbesondere auf die Führung in Organisationen und darauf, was Führung in unterschiedlichen organisationalen Konstellationen bedeutet.