Die kleinen Fächer der Universität Bamberg

Im Wintersemester 2019/2020 finden die Kleine Fächer-Wochen an der Universität Bamberg statt. Die Initiative mit ihren vielen Veranstaltungen wird von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gefördert.
Weitere Informationen und das Programm finden Sie hier.

Fächer wie Iranistik, Digitale Denkmaltechnologien oder Musikpädagogik haben eines gemeinsam:  Sie sind kleine Fächer. An der Universität Bamberg gibt es momentan laut der Mainzer Arbeitsstelle Kleine Fächer insgesamt 29 kleine Disziplinen mit 33 Lehrstühlen und Professuren. Sie prägen die Vernetzung in den Schwerpunkten in der Forschung und das Studienangebot, das über vergleichsweise viele spezialisierte Masterstudiengänge verfügt.

Die kleinen Fächer werden seit Jahren gepflegt und kontinuierlich ausgebaut: In den vergangenen 20 Jahren haben zwölf Professorinnen und Professoren erstmals eine neue Professur oder einen Lehrstuhl eines kleinen Faches in Bamberg übernommen. Das hat dazu geführt, dass in Bamberg der bayernweit größte Anteil von ihnen an der Gesamtfächerzahl zu finden ist. Die kleinen Fächer sind ein zentrales Element des Bamberger Lehr- und Forschungsprofils –  insbesondere in der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften, die den Großteil der kleinen Fächer beheimatet. Präsident Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert sagt:

„In den vergangenen 20 Jahren haben wir explizit Lehrstühle und Professuren für kleine Fächer eingerichtet, die andernorts nur als Teildenominationen vertreten sind oder geschlossen wurden. Eine Wissensgesellschaft wie unsere tut gut daran, auch wenig populären Themen Raum zu geben und ungewöhnliche Fragestellungen zu ermöglichen. Oft sind es die kleinen Fächer, die im Verbund mit anderen Disziplinen diese wichtige Aufgabe übernehmen.“

Was ist ein kleines Fach?


Ein Fach gilt dann als klein, wenn es an keiner deutschen   Universität mehr als drei unbefristete Professuren besitzt. Im Gegensatz zu nicht-selbst-ständigen Teildisziplinen verfügt es über eine Fachgesellschaft sowie eine Fachzeitschrift. Für den jeweiligen Wissenschaftszweig gibt es an deutschen Universitäten eigene Professuren mit spezifischen Denominationen und die Professorinnen und Professoren verstehen den Zweig als eigenständiges Fach. Nicht zuletzt bringt sich das kleine Fach mit Studiengängen oder sichtbaren Studienschwerpunkten in die Lehre ein.

Welche Professuren kleiner Fächer gibt es momentan an der Universität Bamberg (Stand: Oktober 2019)?


Allgemeine Sprachwissenschaft | Alte Geschichte | Angewandte Informatik in den Kultur-, Geschichts- und Geowissenschaften | Arabistik | Arbeitswissenschaft | Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit | Archäologie der Römischen Provinzen | Bauforschung und Baugeschichte | Demografie | Denkmalpflege/Heritage Sciences | Deutsch als Fremdsprache | Digitale Denkmaltechnologien | Europäische Ethnologie | Gräzistik | Historische Geografie | Historische Grundwissenschaften | Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie (Juniorprofessur) | Iranistik | Islamische Kunstgeschichte und Archäologie | Islamwissenschaft | Judaistik | Latinistik | Literatur und Medien | Medieninformatik | Musikpädagogik und Musikdidaktik | Restaurierungswissenschaften in  der Baudenkmalpflege | Slavische Kunst- und Kulturgeschichte | Slavische Literaturwissenschaft | Slavische Sprachwissenschaft | Turkologie | Ur- und frühgeschichtliche Archäologie | Wirtschafts- und Innovationsgeschichte

Wie hängen die kleinen Fächer mit den Forschungsschwerpunkten zusammen?


Kleine Fächer setzen in den Forschungsschwerpunkten verstärkt Akzente. Am Schwerpunkt Kultur und Gesellschaft im Mittelalter ist das Zentrum für Mittelalterstudien (ZEMAS) beteiligt. Es war vor 20 Jahren der erste interdisziplinäre Fächerzusammenschluss der Universität Bamberg und mittlerweile sind fast 50 mediävistische Disziplinen beteiligt – darunter zahlreiche kleine Fächer wie Judaistik, Slavistik oder die historischen Grundwissenschaften.

Dem Digitalisierungspotenzial kleiner und großer Fächer widmet sich der Schwerpunkt Digitale Geistes-, Sozial- und Humanwissenschaften. Mit Sprachverarbeitung oder der Datenvisualisierung setzen Forschende der Angewandten Informatik gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Latinistik, den Digitalen Denkmaltechnologien oder der Politikwissenschaft Methoden der Informatik ein, um Forschungsfragen mit neuem Werkzeug zu bearbeiten. Auch am Schwerpunkt Empirische Bildungsforschung mit den Schwerpunkten Bildung und Arbeit ist beispielsweise mit der Arbeitswissenschaft ein kleines Fach beteiligt.

Besonders viele kleine Fächer forschen im Profilschwerpunkt Erschließung und Erhalt von Kulturgut zusammen. Europäische Ethnologie, islamische Kunstgeschichte, die Professuren und Lehrstühle der Denkmalwissenschaften oder der archäologischen Wissenschaften – sie alle fallen unter die Definition der Mainzer Arbeitsstelle. In Zusammenarbeit mit den beiden Lehrstühlen des großen Fachs Kunstgeschichte haben es sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Aufgabe gemacht, durch Kulturgüter Einsicht in vergangene Lebenswelten zu erhalten und diese materiellen Zeugnisse für zukünftige Generationen zu bewahren.