Studieren zu Pandemiezeiten - Interviews und Fotos

Aufgrund der noch immer anhaltenden Pandemie fielen und fallen für Studierende die meisten sozialen Kontakte weg und gerade wenn man ein Kind erwartet oder schon Kinder hat braucht man den Austausch, das Miteinander, das Gespräch mit Gleichgesinnten.

Wir, die Mitarbeiterinnen des Eltern-Service-Büros, veranstalten normalerweise einmal pro Semester ein Eltern-Kind-Treffen. Auch dieses darf nun leider bis auf weiteres nicht stattfinden.

Wir möchten aber dennoch unseren studierenden Eltern zeigen, dass es auch andere Eltern und schwangere Studierende hier an der Universität Bamberg gibt, dass auch Sie die Vereinbarkeit von Familienaufgaben und Studium in dieser unsicheren Situation erleben und leben.

Darum haben wir ein Fotoprojekt gestartet und danken allen Teilnehmenden von Herzen für die offenen Worte und die Bereitschaft.

Einfach aufklappen und lesen! 

Fotoausstellung und Interviews - Studieren mit Kind in Zeiten der Pandemie

Sabine mit Mann und Tochter

Wie haben Sie Kinderbetreuung und Studium in der Lockdown-Zeit organisiert?

Leider schafft man das nur mit Hilfe des Partners oder den Eltern. Man hat zwar nur Online Lehre, aber kann nicht wirklich dem Stoff folgen, wenn man gleichzeitig sein Kind betreuen muss. Es funktioniert vielleicht 30 min, aber sicher nicht 90 min. Deshalb lege ich das wirkliche Lernen auf den Nachmittag oder meistens geht es erst ab 21 Uhr.

Wie ging es Ihnen, als Sie erfahren haben, dass zum dritten Mal die Kindertagesstätten und Schulen geschlossen wurden bzw. die Notbetreuung angeboten wurde?

Ich bin zwar nicht seit dem 1. Lockdown betroffen, weil mein Kind erst seit dem 3. Lockdown in die Kindertagestätte geht, aber es ist auf jeden Fall sehr anstrengend, weil man wie viele einfach nicht planen kann. Planung ist normalerweise sehr wichtig wegen den Übungen usw.

 Wie sind Ihre letzten beiden Semester verlaufen?
Konnten Sie all das belegen, was Sie geplant hatten?

Vielleicht etwas weniger als gedacht, aber mit viel Hilfe ging es schon. Dadurch dass die Klausurenphase viel länger war und Fehlversuche nicht als solche gewertet werden, hatte man weniger Stress und das fand ich persönlich sehr gut.

Wie war die Umstellung auf das Online-Semester?

Das war eigentlich nicht schlimm, eher erleichternd, weil man sich so die Zeit um zur Uni zu fahren spart. In meinem Fall ist das quasi eine Stunde pro Tag, die ich mehr Zeit habe und solang die Technik funktioniert, was ja eigentlich echt gut geklappt hat, ist das auch nicht schlechter als Präsenzunterricht.

Wie geht es Ihnen mit den fehlenden Kontakten mit anderen studierenden Eltern?

Da es nicht so viele gibt, macht es eigentlich keinen Unterschied. Andere Eltern trifft man natürlich trotzdem am Spielplatz usw.

Was sind die größten Herausforderungen (gewesen)?

Tatsächlich diese Unplanbarkeit, aber so geht es ja sehr vielen. Es ist auch einfach schwierig, weil die Kinder unter der Kontaktbeschränkung leiden und sie können das nicht verstehen bzw. kennen es schon gar nicht mehr anders. Es tut mir einfach richtig leid für alle Kinder, dass sie diese Zeit mit dem ganzen Hin und Her, Masken und Verbote ertragen müssen. 

Was sind Vorteile der Digitalisierung für Ihr Studium mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Studium?


Es hat wirklich sehr viele Vorteile, man muss sein Kind nicht solange abgeben, denn man spart sich die Fahrt und man kann auch mal während dem Mittagsschlaf etwas schaffen. Da es ja auch aufgenommene Videos als Vorlesung oder Übung gibt, kann man sie sich auch mal zu anderen Zeiten ansehen und lernen. Also ich kann es der Universität nur danken, dass es so gut funktioniert aktuell.

Welche schönen Momente hat die Mehrzeit mit Familie trotz der Belastung gebracht?

Das ist tatsächlich das Beste daran, dass wir viel mehr Zeit zusammen hatten, auch durch Kurzarbeit meines Mannes. Es war sicher für viele sehr anstrengend, aber die Mehrzeit ist auch etwas Positives und sollte man versuchen auch nach der Krise beizubehalten.

Welche Chancen sehen Sie für die Universität Bamberg bzw. was können wir aus der Krise lernen?
Es ist auf jeden Fall eine Chance den Online-Unterricht auszuweiten und auch nach der Krise fortzuführen. Es gibt vielleicht mehr Leuten die Chance zu studieren, die an ihrem Zuhause gebunden sind. Natürlich werden aber viele Studenten erleichtert sein, wenn sie wieder ein ‚normales‘ Leben in Bamberg mit all seinen Vorteilen haben werden. Man wird es auf jeden Fall mehr genießen und dankbarer sein für jede Freizeitaktivität, die man wieder machen darf.

Was haben Sie aus der Krise gelernt?
Man findet immer einen Weg, egal was kommt.

Patrizia mit Tochter

Wie haben Sie Kinderbetreuung und Studium in der Lockdown-Zeit organisiert?

Mein Mann hat von Januar bis Anfang April ElternZeit genommen, damit ich mich auf das Examen vorbereiten konnte. 

Wie ging es Ihnen, als Sie erfahren haben, dass zum zweiten Mal die Kindertagesstätten und Schulen geschlossen werden?

Da meine Tochter erst 15 Monate alt ist, bin ich davon noch nicht betroffen. 

Wie sind Ihre letzten beiden Semester verlaufen? Konnten Sie all das belegen, was Sie geplant hatten?

Ich habe noch während der Schwangerschaften (vor Corona)  meine letzten Kurse fürs Studium gemacht und bin "scheinfrei" in zwei Urlaubssemester gegangen. 

Wie war die Umstellung auf das Online-Semester?

Ich habe ein paar Examens Kurse online belegt und fand es insgesamt auch gut organisiert. 

Was sind die größten Herausforderungen (gewesen)?

Da auch die Bibliotheken alle geschlossen waren, musste ich von zuhause aus lernen und mit Kleinkind in einer 3 Zimmer Wohnung war das eigentlich die größte Herausforderung. Meine Tochter wollte oft zu mir ins Zimmer, in dem ich gerade gelernt habe und hat lauthals protestiert, wenn ich ihr nicht die Aufmerksamkeit schenken konnte, die sie gerade eingefordert hat... Wirklich Ruhe zum Lernen war da natürlich nicht gegeben. 

 Was sind Vorteile der Digitalisierung für Ihr Studium mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Studium?

Dass man zuhause bleiben kann und keine Betreuung organisieren muss (außer vielleicht einen Babysitter) ist ein großer Vorteil. Das Kind kann auch während der online Kurse mit im Raum sein und spielen oder mal mit an den PC und gucken was da für Leute auf dem Bildschirm zu sehen sind (zoom -meetings). 

Welche schönen Momente hat die Mehrzeit mit Familie trotz der Belastung gebracht?

Dadurch dass sich mein Mann seit dem ersten lockdown (März 2020) im home office befindet, konnte er trotz der etwas beengenden Situation unsere Tochter viel mehr miterleben und mehr Zeit mit ihr verbringen. Das hat zu einer innigen Vater-Tochter Beziehung geführt und darüber bin ich sehr glücklich! 

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Man ist in Belastungs Situationen oft stärker als man vielleicht denkt und die Unterstützung der Familie und Freunde ist neben der eigenen kleinen Familie das wichtigste um solche Zeiten einigermaßen "unbeschadet" zu meistern! 

Caterina mit Mann und zwei Kindern

Wie haben Sie die Kinderbetreuung und Studium in der Lockdown-Zeit organisiert?


Ich studiere in Teilzeit an der Otto Friedrich Universität allgemeine Pädagogik und arbeite gleichzeitig als pädagogische Mitarbeiterin über das Kolpingbildungszentrum in der OGS
(offenen Ganztagsschule) einer Bamberger Mittelschule. Zum ersten Lockdown übernahmen wir für Bamberg die Notbetreuung, so erhielt ich selbst Anspruch auf Notbetreuung für meinen 3 Jährigen Sohn Theo. Dies war noch in unserer „Krabbelmonster-Zeit“. Später nach dem Wechsel in den Waldkindergarten unseres Dorfes war ich bei der Kinderbetreuung auf eine gute Zusammenarbeit mit meinem Mann angewiesen. Aufgrund meiner zweiten Schwangerschaft wurde ich im November von der Arbeit ausgenommen. Auch Freunde haben uns tatkräftig unterstütz, ganz besonders gegen Ende meiner Schwangerschaft und dem gleichzeitigen Prüfungszeitraum des WS 20/21.


Wie ging es Ihnen, als Sie erfahren haben, dass zum dritten Mal die Kindertagesstätten und Schulen geschlossen wurden bzw. die Notbetreuung angeboten wurde?


Da ich mittlerweile nicht mehr arbeitete und im Mutterschutz war und somit keinen Anspruch mehr auf Notbetreuung hatte. Musste ich im ersten Moment über diese Tatsache stöhnen, da es sehr anstrengend war meinen 3jährigen Sohn „zu bespaßen“. Meine Energie hat die 24-h-Betreuung oft nicht vollständig geschafft und wir waren sehr oft stark abgeschlagen.

Wie sind ihre letzten Beiden Semester verlaufen? Konnten Sie all das belegen, was Sie geplant hatten?


Für das SS 20 kann ich sagen ja, belegt hatte ich alles was ich wollte. Doch mit den Prüfungsergebnissen war ich nicht besonders zufrieden. Ich bin mir sehr sicher, dass ich das besser kann, war aber am ende einfach nur froh es unter den Umständen geschafft zu haben. Für das WS 20/21 kann ich ebenfalls die Frage mit „Ja“ beantworten. Diesmal organisierte ich mich so, dass ich als Prüfungen Hausarbeiten und Referate erstellen musste. Dies hat an sich sehr gut geklappt. Eine gute Organisation und die gute Zusammenarbeit mit meinen Kommilitoninnen hat am Ende dazu beigetragen. Eine einzige Leistung musste ich nach hinten verschieden, da die Geburt meines Kindes kurz vor Abgabe stand.


Wie war die Umstellung auf das Online-Semester?


Anfänglich war ich skeptisch, doch ich konnte mich sehr schnell an das Format gewöhnen und finde es heute noch sehr gut wie es am Lehrstuhl für allgemeine Pädagogik und der Empirischen Bildungsforschung umgesetzt wurde. Tatsächlich konnte ich mittels den Aufzeichnungen (VL) meinen Alltag als Mama viel besser organisieren und habe keine der VL verpasst, da ich sie ja zu einem späteren Zeitpunkt als im Stundenplan vorgesehen, nachholen konnte. Das hat mir das Leben wirklich sehr erleichtert! Unter normalen Umständen wäre es mit großer Sicherheit zu öfteren Verpassen der VL gekommen, weil das Leben mit Kinder oftmals nicht vorhersehbar und planbar ist. Beim Studieren mit Kind muss man extrem flexibel sein.

Wie geht es Ihnen mit den fehlenden Kontakten mit anderen studierenden Eltern?


Es geht so. Da sich in meinem Freundeskreis sehr viel Eltern befinden, hat sich meinen Austausch mit anderen Eltern nicht sonderlich geändert. Nur die Rahmenbedingungen waren andere. Mehr WhatsApp und telefonieren, statt nettes Kaffeetreffen.


Was sind die größten Herausforderungen (gewesen)?

Das Suchen von Aktivitäten zu hause. Irgendwann gingen mir einfach die Ideen aus und müde war ich auch.

Was sind Vorteile der Digitalisierung für Ihr Studium mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Studium?


Vor allem ein STRESSFREIER MORGEN.
Mein Alltag ohne Digitalisierung. 6 Uhr aufstehen, Kind wecken, mit ihm frühstücken -was allein schon unter Stress läuft, weil Kinder nie gleich gut mitmachen, wie man gerne hätte-, Kind umziehen und waschen. 7:30 Uhr in den Kindergarten bringen und dann gleich weiter nach Bamberg zur Uni (12 km Entfernung). Dort verschwitzt und in Hektik verfallen zu spät zur Vorlesung kommen. Nach der Vorlesung kurze Pause (15 min), dann weiter zur Arbeit. Nach der Arbeit aufgrund von Zeitmangel zur Kita rasen und Kind abholen. Kind bis 18 Uhr bespaßen, zusammen Abend essen und Kind Bett-fertig machen. Mittlerweile haben wir 20 Uhr Kind liegt endlich im Bett und ich bin so platt, dass ich mich oft nicht mehr an den Schreibtisch setzten kann wie ich eigentlich müsste. Dies wiederum kostet mich dann wertvolle Familienzeit am Wochenende.
Alltag mit Digitalisierung. 6 Uhr aufstehen, Kind wecken, mich beim Frühstücken und anziehen besser auf Kind konzentrieren können, weil ich im Bedarfsfall später mein Frühstück nachholen kann, 7:30Uhr in den Kindergarten, 7:45 Uhr wieder daheim und in Ruhe Frühstücken, vor der ersten VL noch ein paar Dinge erledigen wie einkaufen, Geschirr spülen (Ja, ich besitze keine Spülmaschine), mich zur VL/Seminar  einloggen, nach Seminar Mittagessen und stressfrei für die Arbeit fertig machen, nach der Arbeit Kind abholen und bespaßen (etwas entspannter, weil ich am Vormittag bereits Dinge erledigen konnte), Abendessen und Kind ins Bett. Je nach Tagesform Schreibtischarbeiten für die Uni. Mittlerweile fällt der Teil mit dem Arbeiten aufgrund meiner Elternzeit weg. Somit kann ich tatsächlich auch ein paar entspannte Stunden mit meinem Baby verbringen und trotzdem was lernen.
Alles in Allem sehe ich viele Vorteile der Digitalisierung.

Welche schönen Momente hat die Mehrzeit mit Familie trotz der Belastung gebracht?

Schon ein paar. Ich erinnre mich an schöne Fahrradtouren als wir noch zu Dritt waren. Oder Picknicks am Main. Zur Coronaanfangszeit war eine deutliche Entschleunigung in der Familie zu spüren. Später wurde es dann wieder hecktisch, weil man trotz fehlender Kinderbetreuung seinen Pflichten voll nachkommen musste.


Welche Chancen sehen Sie für die Universität Bamberg bzw. was können wir aus der Krise lernen?

Zunächst mal ganz salopp gesprochen haben wir sehen können, dass es auch auf andere Wege möglich ist eine Gute Lehre zu machen und zu bekommen. Dazu schon mal meinen Respekt an die Dozenten, die sich mega viel Mühe gemacht haben ihre Studenten so gut es ging in allen Belangen zu unterstützen. Chancen sehe ich insofern, dass die Uni als Lerninstitution auch über ihre örtlichen Grenzen hinweg wachsen kann, wenn Sie Präsenz und Online verbindet

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Aus privater Sicht kann ich hier ganz klar sagen, dass ich nun weiß auf welche Menschen ich in meinem Umfeld zählen kann. Ich habe gefühlt auch mehr Unterstützung bei Kommilitonen erhalten als sonst. Ich empfand es tatsächlich so, dass die Menschen allgemein, sei`s im Privaten als auch im Unialltag mehr auf andere Menschen zu ginge. Vllt weil jeder irgendwie versuchte das Beste aus der Situation zu machen oder weil die Isolation dazu führte hilfsbereiter zu sein, da es im Umkehrschluss zu Kontakten führte die dieser Zeit sehr rar war. Aber die Motive sind reinste Spekulationen.
Was ich aber unteranderem gelernt habe und worauf ich mich immer wieder besinnen möchte ist, dass ich mir ab und zu einfach selbst mehr Zeit gebe und versuche soweit es mir möglich ist immer mal wieder mein Leben zu entschleunigen! Das ist für mich das Wichtigste, was ich aus der Krise mitnehme.

Lasse mit Tochter

Wie haben Sie Kinderbetreuung und Studium in der Lockdown-Zeit organisiert?

Zu Anfang des Lockdowns begann gerade mein Semester in Elternzeit. Eigentlich traf sich das gut, denn so schrieb meine Freundin ihr Masterarbeit zu Hause und ich musste fürs Stillen nicht in die Bib fahren. Meine Freundin sah das natürlich anders, sie wäre gern in die Uni gefahren. Nachdem meine Freundin im Sommer ihre Masterarbeit abgegeben hatte, übernahm sie nochmal für einige Monate den Großteil der Kinderbetreuung, so konnte ich mit meiner Abschlussarbeit beginnen. Mir fällt es zum Glück recht leicht, mich selbst zum Arbeiten zu motivieren, so schaffte ich es trotz Baby im Nachbarzimmer zu arbeiten. Manchmal konnte ich auch in die Bib. Im Februar änderte sich dann einiges. Meine Freundin bekam eine Stelle in der Klinik und ich konnte unser Kind bei der Tagesmutter eingewöhnen.

Seit der Eingewöhnung hat sich eine liebgewonnene Routine entwickelt: Meine Freundin geht früh aus dem Haus, ich wache mit unserem Kind auf, mache sie fertig, bringe sie zur Tagesmutter und bis ich sie wieder abhole arbeite ich an meiner Masterarbeit. Nachmittags unternehme ich dann schöne Dinge mit ihr oder mache einfach Haushalt. Durchbrochen wurde die schöne Wochenroutine dann aber von den KiTa-Schließungen. Derzeit sind wir in einem Zwiespalt: wir wollen unser Kind nicht zu lange nicht zur Tagesmutter bringen damit wir sie nicht wieder eingewöhnen müssen - das wäre auch für unser Kind ein großer Stress. Zudem muss ich mit meiner Masterarbeit vorankommen, ich habe eine Deadline, und meine Freundin muss zur Klinik. Gleichzeitig senken wir das Ansteckungsrisiko für uns und andere, wenn wir unser Kind zu Hause behalten. So versuchen wir einen Mittelweg zu gehen und unser Kind nur zwei oder drei Tage zur Tagesmutter zu bringen. Mal nimmt meine Freundin einen Kinderkranktag, mal bleibe ich zu Hause. 100% sicher vor Corona sind wir so nicht, aber eine Ansteckung ist wenigstens etwas unwahrscheinlicher.

Unterm Strich hat uns der Lockdown also günstig erwischt, wir hatten ohnehin geplant bis Anfang diesen Jahres unser Kind noch zu Hause zu behalten. In den letzten Monaten trafen uns die KiTa-Schließungen dann aber auch. Der Gedanken, mit unserem Kind noch ein paar Monate zu Hause zu bleiben und die Masterarbeit zu verschieben, stört mich eigentlich nicht, aber ich kann mein Studium aus finanziellen Gründen nicht ewig verlängern. Zudem, wenn man so wenig andere Kinder und Eltern treffen kann, werden die Tage leider schnell lang und auch ein bisschen einsam.

Was sind Vorteile der Digitalisierung für Ihr Studium mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Studium?

Die Online-Uni ist zweischneidig: Zum einen ist es eine enorme Erleichterung. Wir können während des Seminars schonmal den Herd anmachen, damit das Essen rechtzeitig fertig ist. Oder wir können in den Pausen kurz mit der Kleinen spielen. So sehen wir sie nicht allzu lange nicht und die, die gerade unser Kind betreut kann kurz durchatmen. Zum anderen ist es oft eine Doppelbelastung. Zum Beispiel kann das Seminar gerade anspruchsvoll und interessant sein, aber nebenan schreit unser Baby. Zu Hause ist man mit dem Kopf doch immer bei ihr. Zudem vermissen wir es, für Seminare aus dem Haus zu gehen. Seit unser Kind auf der Welt ist, sind wir selten länger am Stück allein unterwegs. Andere Studis zu treffen, mal nicht als Eltern aufzutreten, sondern als Studierende missen wir auch. Die Seminare waren sonst immer ein willkommener kleiner Moment der Pause vom Elternsein.

Welche schönen Momente hat die Mehrzeit mit Familie trotz der Belastung gebracht?

Ich bin mir sicher, dass wir uns ohne Lockdown zu viel vorgenommen hätten: zu viel Besuch, zu viele Reisen und zu viele Baustellen auf einmal (Uni, Kind, politisches Engagement, Musizieren…). Unser Kind hätte uns sicherlich aufgekratzter kennengelernt. So waren wir eh viel zu Hause, mussten nicht beweisen, dass wir trotz Kind noch abends in Kneipen oder auf WG-Partys gehen. Alternativ haben wir viele Spaziergänge und Ausflüge in Bambergs Umland gemacht und ich habe zum Beispiel mit unserem Kind das Backen für mich entdeckt.

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Wie ungleich das Leid verteilt ist. Es sind die reichen Länder, die den Großteil der Impfungen bekommen, es sind wieder die Frauen, die ihre Karriere unterbrechen um sich um ihre Kinder kümmern, es sind die Geringverdienenden, die am ehesten Corona bekommen und dafür kriegen sie nicht mehr Gehalt, sondern ein bisschen Applaus. Wenn ich aber so drüber nachdenke, ist das eigentlich leider keine Überraschung

Laura mit Tocher

Wie sind Ihre letzten beiden Semester verlaufen? Konnten Sie all das belegen, was Sie geplanthatten?

Im Sommersemester konnte ich noch all das belegen, was ich vorhatte. Auch klausurentechnisch.

Im Wintersemester hätte ich theoretisch auch alles belegen können, aber dadurch, dass mein Entbindungstermin genau in die Klausurenzeit gefallen ist, habe ich hauptsächlich Veranstaltungen mit Hausarbeiten belegt oder unbenotete Seminare.

Wie war die Umstellung auf das Online-Semester?

Für mich persönlich war die Umstellung super. Ich kannte mich mit den meisten Portalen schon relativ gut aus und hatte damit keine Probleme. Einzig und allein gab es bei dem einen oder anderen Dozenten ein Durcheinander vom Organisatorischen her, aber selbst das hat sich mit der Zeit eingependelt.

Wie geht es Ihnen mit den fehlenden Kontakten mit anderen studierenden Eltern?

Nicht gut! Durch Corona habe ich keinen einzigen Studierenden kennenlernen können, der/die vielleicht auch schon ein Kind bekommen hat oder zum gleichen Zeitpunkt schwanger geworden ist. Das finde ich wirklich schade und ich hoffe, dass ich in Zukunft andere studierende Eltern kennenlernen kann zum Austauschen oder einfach mal zum Spazieren gehen.

Das typische Studentenleben hat man mit einem (Klein-)Kind eben doch nicht mehr, sondern man schlüpft in eine ganz neue Rolle und der Alltag verändert sich dadurch gewaltig.

Was sind die größten Herausforderungen (gewesen)?

Zu Beginn des Wintersemesters war mir meine Schwangerschaft schon bewusst, eine Herausforderung war da, dass ich erstmal nach geeigneten Veranstaltungen suchen musste. Im Modulhandbuch stand bei einigen Veranstaltungen „mündliche Prüfung oder schriftliche Prüfung oder Portfolio“. Also habe ich einige Dozenten angeschrieben, welche Prüfungsleistung überhaupt in Frage kommt. Schriftliche Prüfungen fielen ja von vornherein weg.

In meiner Schwangerschaft war es am Ende sehr mühsam. Das Lernen fiel mir wirklich schwer und ich hatte zwei Wochen vor meinem Entbindungstermin, Ende Januar 2021, noch eine mündliche Prüfung eingeplant. Meine Sorge war dauernd: Schaffe ich das? Was ist wenn das Kind doch früher kommt? Schaffe ich die Prüfung dann in den ersten Wochen mit Baby überhaupt nachzuholen?

Ansonsten musste ich mich mit Hausarbeiten möglichst sputen und versuchen das meiste vor der Geburt schon abzuarbeiten, damit danach kein zu großer Berg an Aufgaben mehr übrig blieb.

Und jetzt nach der Geburt ist eine riesen Herausforderung Zeit zu finden! Man denkt, dass ein Säugling den meisten Teil vom Tag schläft, aber so viele Stunden sind da gar nicht übrig, wenn man selbst auch die eigenen Grundbedürfnisse erfüllen möchte. Ein paar Hausarbeiten stehen bei mir immer noch aus, aber ich bin so froh, dass die meisten Unterlagen noch online sind und ich mir die Zeit, die ich benötige, auch nehmen kann.

Was sind Vorteile der Digitalisierung für Ihr Studium mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familieund Studium?

Ich konnte trotzdem an vielen Veranstaltungen teilnehmen, die ich sonst vermutlich nicht so gut geschafft hätte. Am Anfang meiner Schwangerschaft hatte ich wirklich mit sehr starker Übelkeit zu kämpfen, die zusätzliche Hitze im Juli/August 2020 hat das auch nicht besser gemacht, sondern eher das Gegenteil. Dadurch dass wenigstens die Fahrerei weggefallen ist, konnte ich mich bei asynchronen Veranstaltungen entweder vor den Computer setzen und die Veranstaltung schauen, wenn es mir gepasst hat oder bei synchronen Veranstaltungen hatte ich trotzdem einigermaßen Ruhe und konnte mich in Pausen einfach eine kleine Runde auf’s Ohr legen.

Außerdem konnte ich trotz meiner neugeborenen Tochter am Ersti- und Zweiti-Abend für Mittelschullehrämtler und Grundschullehrämtler mitmachen, um meine Freunde mit technischen Aufgaben zu unterstützen. In Präsenz hätte das nicht geklappt und so hatte ich trotzdem einen wirklich lustigen Abend immer mit einem Seitenblick auf mein Baby.

Welche schönen Momente hat die Mehrzeit mit Familie trotz der Belastung gebracht?

Dadurch, dass die Fahrten, die Parkplatzsuche und weiteres wegfielen, hat es sich bei uns zuhause etabliert, dass wir morgens alle zusammen frühstücken, bevor der Unialltag oder für meine Schwester der Schullalltag losging. In Pausen von Uni oder Schule machen wir oft einen ausgiebigen Spaziergang, nun auch mit Baby und zur Mittagszeit oder auch mal abends hatten wir viel Zeit nochmal richtig schön zu kochen. Klar fehlen die anderen sozialen Kontakte auch, aber wir als Familie hatten viel mehr Zeit für uns und uns hat die Mehrzeit mit der Familie enger zusammengeschweißt!

Welche Chancen sehen Sie für die Universität Bamberg bzw. was können wir aus der Krise lernen?

Für die Universität sehe ich auf jeden Fall die Chance auch zukünftig mehrere Veranstaltungen entweder aufzunehmen oder asynchron anbieten zu können. Für Pendler oder für frisch gebackene Eltern kann ich mir gut vorstellen, dass das eine Entlastung sein kann.

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Soziale Kontakte sind super wichtig, aber genauso ist es wichtig sich Zeit zu nehmen. Zum einen für seine Freunde, selbst wenn es nur ein Telefonat ist, aber auch für seine Familie.

Außerdem habe ich gelernt, dass es umso wichtiger ist, in Krisenzeiten umso mehr an vorhandenen Freundschaften festzuhalten. Neue Freundschaften zu schließen geht über Zoom oder ähnliches nämlich gar nicht so einfach. Treffen in Präsenz sind eben doch unersetzlich.